03. Juli 2017, 20:43 Uhr

Mehr als 120 000 Zuschauer im Theater

03. Juli 2017, 20:43 Uhr
»Rio Reiser« ist ein Publikumsrenner und wird auch in der neuen Spielzeit zu erleben sein.

Gießen (pm). Eine so unterhaltsame wie bewegende, eine so abwechslungs- wie erfolgreiche Spielzeit geht am Stadttheater zu Ende. Mit der typischen Gießener Spielplan-Mischung aus beliebten und noch unbekannten oder wieder neu zu entdeckenden Raritäten ist es dem Theater unter Intendantin Cathérine Miville erneut gelungen, das Publikum zu begeistern und auch zu fordern: Trotz der frühen Sommerferien und der dadurch verkürzten Spielzeit erfreut sich das Theater gut stabiler Zuschauerzahlen und mehr als befriedigender Einnahmen. Gut 120 000 Zuschauer und über 500 Veranstaltungen lautet die Bilanz der Spielzeit.

30 Sonderveranstaltungen

Aus dem außergewöhnlichen Programm der gut 40 Premieren und Wiederaufnahmen, der zwei Dutzend Konzerte und rund 30 Sonderveranstaltungen erzielten auch wieder einige Produktionen überregionale Aufmerksamkeit. So wurde die Opernrarität »Der Barbier von Bagdad« von Peter Cornelius nicht nur ein Publikumsrenner, sondern auch in der Opernfachpresse besonders positiv besprochen. Zum Spielzeitende wartete mit Alfred Schnittkes »Leben mit einem Idioten« eine weitere Rarität auf das Publikum, die in der regionalen, der nationalen und der internationalen Presse auf geradezu euphorische Begeisterung stieß. Jacques Offenbachs »Häuptling Abendwind« in einem eigens für Gießen von Martin Spahr angefertigten Kammer-Arrangement wurde vom Bayerischen Rundfunk mit dem »Frosch des Monats November« ausgezeichnet.

Im Schauspiel repräsentieren nicht allein Aufführungen zeitgemäßer Lesarten und ästhetischer Umsetzungen von Klassikern wie »Ödipus auf Kolonos/Antigone« und Marieluise Fleißers »Fegefeuer in Ingolstadt« die mutige Gießener Theaterarbeit. Für die Musik des Sophokles-Klassikers konnte das Münchner Komponistenkollektiv 48nord gewonnen werden. Auch zeitgenössische Texte wie Dea Lohers »Diebe« und Stückentwicklungen mit Regieteams der Freien Szene wie »O Wand« oder »Like Heimat I like« stehen für den außergewöhnlichen Weg, den das Stadttheater weiterhin einschlägt. Die Wiederaufnahme von »Rio Reiser« behauptete sich als weiterer Publikumsrenner.

Die Tanzsparte widmete sich einem breiten Spektrum literarischer Vorlagen. Das Festival TanzArt ostwest war wieder Schaufenster nationaler und internationaler Tanz-Handschriften und erregte mit Site-specific-Performances Aufsehen. Die Kindertheatersparte betrat vor allem mit einer Studioproduktion Neuland: »Raus aus dem Haus« für ab Zweijährige konnte ein ganz neues Theaterpublikum ansprechen. In der neuen Spielzeit wird dieser innovative Weg mit unter anderem zwei Uraufführungen weiter beschritten.

Auch kleine Musikfreunde kamen wieder auf ihre Kosten: Durch moderierte Familienkonzerte wurde ihnen der Einstieg in die Welt der klassischen Musik ermöglicht. Martin Gärtner, seit nunmehr 20 Jahren der Leiter des Kinder- und Jugendchors und Moderator der Familienkonzerte, wurde mit dem Theaterpreis denkmal ausgezeichnet, der seine erfolgreiche Arbeit unterstreicht.

Das Stadttheater setzte zudem seine Benefizaktionen fort: Mit Veranstaltungen – beispielsweise ein Benefizkonzert in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt – wurden Vereine wie Gefangenes Wort oder Terratech in ihrer humanitären Arbeit unterstützt.

Kooperation mit freier Szene

Weiterhin zogen zahlreiche Sonderveranstaltungen etliche Zuschauer ins Stadttheater, etwa die Poetry-Slam-Reihe. Darüber hinaus bot sich der Bürgerschaft zweimal eine weitere Möglichkeit, die Gesellschaft mitzugestalten: bei der Diskussion »Wie wollen wir leben« – Ein Ratschlag über die Zukunft unserer Stadt im Rahmen der bundesweiten Diskussionsreihe »Die offene Gesellschaft«. Die rege Beteiligung auf diese Treffen und die fundierten Rückmeldungen danach haben gezeigt, dass der Gesprächsbedarf in Stadt und Region groß ist. So wird die Reihe in der nächsten Spielzeit fortgesetzt.

Ebenso baute das Stadttheater die Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden der Freien Theaterszene weiter aus. Erneut konnten Studierende der Angewandten Theaterwissenschaft ihre Master-Abschlussarbeiten auf der taT-studiobühne realisieren. Die Intensivierung von vielfältigen Kooperationen wird fortgeführt und bleibt fest als zusätzlich mögliche Spielform in der Struktur des Hauses verankert. (Foto: Friese)

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