Stadt Gießen

Mark Forster flasht sie alle

»Flash mich« singt Mark Forster. Doch eigentlich ist es eher andersherum. Der Senkrechtstarter des deutschsprachigen Pop flasht sein Publikum – so wie nun die etwa 2000 Besucher im ausverkauften Zel des Gießener Kultursommers.
23. Juli 2015, 17:53 Uhr
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Mark Forster beim Gießener Kultursommer. (Foto: Lademann)

Es war der Oberhammer«, »Tausend Dank – meine Tochter war total begeistert«, »Danke für das hammergeile Konzert. Sogar meine Freundin, die eher Metal hört, hast du geflasht« – die Kommentare in den sozialen Netzwerken am Morgen nach dem Konzert von Mark Forster beim Gießener Kultursommer bringen es auf den Punkt: Forster hat sein Publikum im ausverkauften Zelt geflasht. Und das mit einer eher optisch unspektakulären Show, aber eben mit ganz viel »Bauch und Kopf«, wie es der Titel seiner aktuellen Platte schon ankündigt.

Erst zwei Alben hat der 31-Jährige aus der Pfalz, der als »The Voice Kids«-Moderator populär geworden und im Fernsehen quasi dauerpräsent ist, herausgebracht. Relativ wenig Auswahl also für den früheren Werbe-Jingle-Schreiber, um einen kompletten Konzertabend zu bestreiten. Doch Forster kann’s. Mit seinem Welpencharme und seiner sympathischen Art wickelt er die Zuschauer vom ersten Moment an um den Finger. Hatte sich Vor-Act und Forster-Keyboarder Reiner Fins mit seinem Elektro-Pop noch sehr schwer getan, das Publikum in Stimmung zu bringen, klappt das bei Forster auf Anhieb. Ebenso wie der Kartenverkauf für sein erstes Konzert in der Stadt: »Das erste Konzert in Gießen – und gleich ausverkauft«, freut er sich.

Textsicher sind sie, die zahlreichen Teenager und Frauen im Publikum. Männer sind eindeutig in der Unterzahl. Doch auch wenn die deutschen Texte im angenehm temperierten Zelt nur sehr schwer zu verstehen sind: Die Fans schwenken verzückt die leuchtenden Handys, wenn Forster »Königin Schwermut« anstimmt, oder singen begeistert bei Nummern wie »Bei dir« oder »Zu dir« mit. Dass die Themen eher »immer immer gleich« um mehr oder weniger traute Zweisamkeit kreisen und nah am post-pubertären Gefühlsleben sind, tut der Begeisterung keinen Abbruch.

Doch so sanft, wie der Musiker auf seinen Alben »Karton« und »Bauch und Kopf«
herüberkommt, ist er auf der Bühne ganz und gar nicht. Die Stücke haben ordentlich Drive, machen richtig gute Laune. Schon beim Uptempo-Opener »Ey Love« hat Forster gezeigt, wo es an diesem warmen Sommerabend langgehen wird. Die Beats treiben und der Sänger tanzt seine herrlich tapsigen Teletubby-Moves mit wippender Armbewegung und geschmeidigem Schulter- und Beinkreisen. Mit Basecap, weißem T-Shirt und der schwarzen Brille ist er einfach nur zum Knuddeln, braucht nicht die große Show, sondern vertraut ganz auf seine Präsenz auf der Bühne. Und auch wenn er seine Band-Kollegen – Daniel Nitt und Andi Fins an den Keyboards/Synthesizern, Reiner Kallas an den Drums und Alex Grube am Bass – als die »George Clooneys der Band« präsentiert: Es ist Forster, dem die Herzen zufliegen. Und sogar ein mit Herzchen verziertes Geschenk wird auf die Bühne gereicht. Im Umschlag stecken dann aber doch nur an die Absender adressierte Briefe mit Handy-Hüllen, um Autogramme draufzuschreiben. Forster-Fans wissen sich offenbar zu helfen und die meisten würden nur zu gerne sein augenzwinkerndes Angebot, doch eine eigene WhatsApp-Gruppe aufzumachen, annehmen. Doch bis dahin können sie erst mal nur mit ausgestrecktem Arm und Winke-Winke-Händchen ihre Liebe zeigen.

Fehlen darf an diesem Abend auch nicht das »blaue Ding«, Forsters Melodica. Dass er beim Live-Konzert auf das symphonische Orchester verzichten muss, das auf dem Album für satten Streicherklang sorgt, fällt da überhaupt nicht mehr ins Gewicht.

Und dann kommt nach eineinhalb Stunden doch der Moment, »Au revoir« zu sagen. Doch mit diesem Mega-Hit wollen die Fans ihren Mark noch lange nicht von der Bühne gehen lassen, fordern Zugaben. »Flash mich« heißt Forsters zweiter Chart-Stürmer, und geflasht hat er sein Publikum. Doch umgekehrt gilt das offenbar genauso. »Giessen!!! So laut und so gut!!!!!«, schreibt er noch in der Nacht auf seiner Facebook-Seite. Recht hat er. Karola Schepp

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Mark-Forster-flasht-sie-alle;art71,104098

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