26. Dezember 2011, 19:03 Uhr

Maritime Klassiker im Café Amélie

»Ein Schiff wird kommen«: Das Trio Fern der Heimat macht an Land fest und gibt Seemannslieder zum Besten.
26. Dezember 2011, 19:03 Uhr
Sorgt für Seegang im Café Amélie: das Trio Fern der Heimat. (Foto: mlu)

Nach zwei Fahrten auf dem Schlammbeiser im Sommer dieses Jahres gastierte das Seemanns-Trio Fern der Heimat jetzt auf dem Festland und machte am Freitag das Café Amélie zum Achterdeck. Ehe Kapitän Andreas Eickenroth das Steuer in die Hand nahm, lotste Wolf D. Schreiber, zuständig fürs Akkordeon, das Schiff in Richtung hohe See – wehmütig erklang der »Hamburger Veermaster« in Vorbereitung auf eine Reise durch eine teils stille, teils stürmische Nacht.

Mit Gitarrist Bertram B. Ohne nahm die »Amélie« Fahrt auf und als schließlich Eickenroth hinzutrat, war die Mannschaft komplett. Obschon Matrosen eher dem raubeinigen Männerschlag zuzurechnen sind, so weiß man doch, wie sanft sie werden, sobald das Schifferklavier erklingt und sie an ihre »Bella Marie« erinnert – oder an den Vater, der sie mit den Worten »Junge, komm bald wieder« verabschiedet hat.

Bezeichnend für die sentimentale Stimmung des Seemanns ist jedoch der virile Stolz, den Eickenroth in resoluter Pose, doch stets auf einem Auge zwinkernd, verkörpert, ob er nun »Ein Schiff wird kommen« – am bekanntesten in der Fassung von Lale Anderson – oder maritime Klassiker im Stil eines Hans Albers intoniert. Weil Sehnsuchtspathos auf die Dauer langweilig wird, hauen Seeleute zur Abwechslung auch mal auf den Putz. Dann wird »Störtebeker« von Slime angestimmt, und es ist ausnahmsweise nicht der Seegang, der das Schiff heftig schaukeln lässt.

Gefährlich wurde es für die Besatzung der »Amélie« jedoch zu keiner Zeit – die Bordbestuhlung hatte zur Bequemlichkeit eingeladen, und bei so ergreifenden Darbietungen wie dem »Seemann« von Rammstein – das ist das Lied mit der Träne unter der Laterne – war man froh, sich geschlossenen Auges zurücklehnen zu können, um sich wie ein einsamer Steg von melancholischer Dünung umspielen zu lassen. Und auf die langen, seichten Wellen versteht sich das Trio mit dem dezenten Einsatz seiner musikalischen Mittel vorzüglich. Gelegenheit zum Abfeiern gab es ohnehin zu vorgerückter Stunde, als DJ Fantomas zum Tanzen auflegte. mlu

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