20. Oktober 2019, 22:32 Uhr

Erntedankfest

Mainzer Bischof feiert in Gießen Landeserntedankfest

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat in Gießen das Landeserntedankfest mit dem Hessischen Bauernverband begangen. Die Agrarpolitik sorgt für kritische Töne.
20. Oktober 2019, 22:32 Uhr
Avatar_neutral
Von Rüdiger Schäfer
Bischof Kohlgraf (l.) und Dekan Wahl im festlich geschmückten Altarraum von St. Bonifatius, wo am Sonntag das Landeserntedankfest gefeiert wurde. (Foto: ige)

Das Landeserntedankfest feiert der Hessische Bauernverband seit 1982 jährlich traditionell abwechselnd zusammen mit einem der katholischen Bistümer oder einer der evangelischen Landeskirchen. In diesem Jahr setzte das Mainzer Bistum in der katholischen St. Bonifatiusgemeinde in Gießen diese Tradition fort. Geschmückt war die Kirche im Altarbereich mit Produkten der heimischen Landwirtschaft, arrangiert vom Bezirkslandfrauenverein, dem Landfrauenverein Ettingshausen und der Landjugend Gießen, die zu Beginn des Gottesdienstes die mit Getreideähren geschmückte Erntekrone hereintrug. Für die Liturgie des Erntedankfestes zeichnete Dekan Hans Joachim Wahl (Katholisches Dekanat Gießen) verantwortlich, die Predigt hielt Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf. Nach dem Gottesdienst führte die Landjugend einen Volkstanz auf.

Anschließend feierte der Hessische Bauernverband in den Räumen der Hagelversicherung in der Wilhelmstraße weiter. In seiner Begrüßungsansprache ging der Hessische Bauernverbandspräsident Karsten Schmal auf das Erntejahr ein. Nach dem Dürrejahr 2018 und einem sehr trockenen Winter seien die Startbedingungen für die Kulturpflanzen in die neue Vegetationsperiode nicht sonderlich gut gewesen. Zum Glück habe der Mai die erhofften Niederschläge gebracht, sodass in diesem Jahr die Bauern in Hessen mit 2,2 Millionen Tonnen eine durchschnittliche Ernte einfahren konnten.

Unmut bei »unseren Bauernfamilien«

Das von der Dürre geprägte schlechte Vorjahresergebnis sei deutlich übertroffen worden. Je nach Standort und Niederschlagsverteilung hätten die Erträge aber stark differiert. Das gelte für alle Kulturen, auch für die Zuckerrüben, deren Ernte laufe. »Aufgrund der Trockenheit und vielen Sonnenscheinstunden, die uns im Juni eine Hitzerekord bescherten, sind unsere Erntefrüchte, zum Beispiel Äpfel, Kirschen, Kartoffeln und Zuckerrüben kleiner ausgefallen.« Die größten Einbußen habe es im Futter- und Rapsanbau gegeben.

Wie schon 2018 seien auch in diesem Jahr einige Landstriche in Hessen nicht vom Hagel verschont geblieben. Nach Angaben der Hagelversicherung hätten etwa 400 landwirtschaftliche Betriebe auf einer Fläche von insgesamt rund 11000 Hektar Hagelschäden gemeldet. Fast alle Kulturen im Acker-, Gemüse- und Obstbau seien betroffen gewesen.

Großer Unmut herrsche derzeit in »unseren Bauernfamilien«, so Schmal Der Grund dafür sei das vom Bundeskabinett Anfang September beschlossene Agrarpaket mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz und die erneute Verschärfung der Düngeverordnung. So seien zahlreiche Verbote beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten und an Uferstreifen von Gewässern geplant. »Die vorgesehenen Reglementierungen führen zu einer Entwertung der Grundstücke und sind nicht hinnehmbar«, so der Bauernpräsident. Außerdem sei fraglich, ob das gewünschte Ziel - die Verbesserung der Lebensbedingungen von Insekten - damit überhaupt erreicht werde. »Wir Bauern leben von und mit der Natur und haben ein ureigenes Interesse an einer vielfältigen Flora und Fauna. Natur- und Artenschutz können nur mit uns und nicht gegen uns funktionieren. Wir setzen auf Kooperation statt auf Auflagen und Verbote.« Er beklagte damit, dass das Aktionsprogramm »über unsere Köpfe hinweg« verfasst worden sei. In der vorliegenden Form sei das Schutzprogramm unbrauchbar und bedürfe deshalb einer grundlegenden Überarbeitung



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos