14. März 2019, 22:15 Uhr

Märchenhaft und magisch

Uwe Henneken lässt die Besucher der Kunsthalle in andere Dimensionen blicken. Mehrere Großformate hat er eigens für seine Ausstellung in Gießen gemalt. Die das Herz erwärmende Schau wird heute eröffnet.
14. März 2019, 22:15 Uhr
Auch dieses riesige Querformat hat Uwe Henneken eigens für die Ausstellung in der Kunsthalle gemalt.

Der Titel der Ausstellung ist Programm. »Always Returning« – das meint die ewige Wiederkehr, den Kreislauf des Lebens. Eine andere Lesart ist das Hinausgehen ins Leben, Erfahrungen sammeln und gestärkt zurückkehren. Die Geschichte, die in Heldenepen aller Kulturen erzählt wird. Das alles steht für Uwe Henneken im Zentrum seiner gut 20-jährigen Arbeit als Maler. Er findet dafür immer neue Ausdrucksformen, wie man den ausliegenden Katalogen vergangener Projekte entnehmen kann. Doch bleibt er seinem von intensiver Farbigkeit geprägten Stil treu. Eine ungewöhnliche Farbwahl, die oft ins Pastellige geht, und in der bundesdeutschen Kunstszene ihresgleichen sucht.

Seine Bilder sind erzählerisch, er will die Menschen emotional erreichen, sagt er im Pressegespräch. Vieles wirkt märchenhaft, ohne dass ein konkretes Märchen benennbar wäre. Seine Figuren sind mal Kinder, mal seltsame Wesen aus dem Reich der Fantasie. Es herrscht eine friedliche Atmosphäre, vermittelt über Farbe und Formen, die sich wohltuend auf Betrachtende überträgt. Man könnte fast von einer Wellness-Oase der Malerei sprechen. Dazu lädt auch das Oval aus bodennahen Glasobjekten ein, das wie ein urzeitlicher Steinkreis zur Meditation einlädt. Und tatsächlich gehört zum Rahmenprogramm auch ein Achtsamkeitsprojekt für Rathausmitarbeiter, wie Kunsthallenleiterin Nadia Ismail sagt. Die irisierenden Glasobjekte hat Simone Lüling, eine Freundin von Henneken, geschaffen. Er hebt sie in seiner Ausstellung auf eine neue Bedeutungsebene.

Wellness-Oase der Malerei

Wer ist dieser ungewöhnliche Maler? Uwe Henneken wurde 1974 in Paderborn geboren, studierte zunächst Vor- und Frühgeschichte sowie Ethnologie, bevor er an den Kunstakademien in Karlsruhe und Berlin studierte. Berlin ist seit einigen Jahren sein Wohnort. Seit 2000 stellt er auch international aus: von Wien über Paris bis Kopenhagen, von New York über Florida bis Vietnam. Ein großer Erfolg war 2006 seine Reihe »Imperium Schlemihlium«, die es bis ins Frans-Hals-Museum in Haarlem geschafft hat. Darin nimmt er Bezug auf Adelbert von Chamissos Kunstmärchen »Peter Schlemihl«.

Damit sind wir auch schon in der Zeit der Romantik um 1800, die Henneken intensiv studierte. Malerische Anklänge an Caspar David Friedrich mag man im vorderen Ausstellungsbereich der Kunsthalle entdecken. Die Farbigkeit verweist auf den Symbolisten Odilon Redon, der gut 100 Jahre später seinen Außenseiterweg in der Kunst ging. Auch Hennekens Werke werden dem Symbolismus zugeordnet, solche Elemente kann man überall entdecken, vor allem in der Kreis- und Ovalform. Ismail findet den Begriff »Magischer Realismus« treffender, was die Verbindung von faktischer mit metaphysischer Realität meint, die den Blick für ein Drittes öffnet, für ein neu geschaffenes Universum.

Wie gelingt ihm der Blick in solche Welten? Wo nimmt er die Inspiration her? Er habe schon als Kind viel gelesen und damit nie aufgehört. Sozialpsychologische Deutungen, wie die eines C.G. Jung über das kollektive Unbewusste, das seinen Ausdruck in Archetypen findet, sind ihm wichtig. Und seitdem er meditiert, könne er freier malen, ohne kopflastiges Konzept und detaillierte Vorzeichnungen. Seine Erkenntnis: Es gibt keine Erfindung und auch kein Genie, alles ist bewusste oder unbewusste Weiterentwicklung von Bestehendem oder Gewesenem.

Erwähnt werden muss noch die gelungene Präsentation in der Kunsthalle, die durch die gestaffelten Stellwände in der Mitte des Raumes ein Portal erhielt. Der Blick hindurch wird magisch angezogen vom Bild an der Rückwand, das mit seiner dunkelblau schwingenden Kreisform ins All zu führen scheint. An den Seitenwänden hängen extreme Großformate, alle drei Bilder sind eigens für die Kunsthalle gemalt. Auch hier sind die Pole gegenübergestellt: die Schöpfung, die von der Sonne überstrahlt ist, und der Sog in die Tiefen des Unbewussten, dargestellt durch einen von Pflanzen umrankten Teich.

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