18. Juli 2018, 22:08 Uhr

Männer reagieren anders als Frauen

18. Juli 2018, 22:08 Uhr

Wie wirkt Pornografie auf das Gehirn? Und verändert sich diese Wirkung mit gewohnheitsmäßigem Pornografiekonsum? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Arbeitsgruppe um Prof. Rudolf Stark und Dr. Jana Strahler im Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Justus-Liebig-Universität (JLU) seit Jahren. In ihrer neuesten Untersuchung, die in der renommierten Zeitschrift »NeuroImage« erschienen ist, zeigen die Gießener, dass das männliche Gehirn stärker auf sexuelle Reize reagiert als das von Frauen – und zwar mit der Aktivierung des Belohnungssystems.

Für die Studie absolvierten Frauen und Männer eine Reaktionszeitaufgabe in einem Magnetresonanztomografen. Sie mussten dabei entscheiden, ob zwei Linien, die links und rechts von einem Bild projiziert waren, parallel ausgerichtet waren oder nicht. Dabei hatten die gezeigten Bilder entweder einen neutralen oder einen sexuellen Inhalt. Dieser Reaktionstest nutzt die begrenzte Verarbeitungskapazität des Gehirns. Üblicherweise brauchen Probanden für die Entscheidung länger, wenn sich zwischen den Linien ein pornografisches Bild befindet.

Während sich die Reaktionszeiten zwischen Männern und Frauen kaum unterschieden, zeigten sich deutliche Unterschiede in der Hirnaktivität. Obwohl die Aufmerksamkeit aufgabenbedingt auf den Linien lag und es galt, die pornografischen Bilder zu ignorieren, reagierte das männliche Gehirn mit einer verstärkten Aktivierung von Hirnregionen, die dem Belohnungssystem zugerechnet werden.

»Dieses Ergebnis kann miterklären, warum Pornografie Männer stärker anspricht als Frauen«, so Stark. »Da das Belohnungssystem bei allen Suchterkrankungen eine zentrale Rolle spielt, forschen wir intensiv an der Fragestellung, ob auch Pornografiekonsum zu einer Sucht werden kann.«

Aktuell läuft dazu eine große, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie an der JLU. Dabei werden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) die hirnphysiologischen Reaktionen auf pornographische Filme bei Männern untersucht, die selten, mäßig oft und häufig Pornografie konsumieren. Die Forscher erhoffen sich daraus Rückschlüsse darauf, inwieweit sich die Wirkung von Pornografie auf das Gehirn mit dem Ausmaß des gewohnheitsmäßigen Konsums verändert.

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