11. September 2019, 22:11 Uhr

»Gewerbepark«

Lützellindener mit gemischten Gefühlen

11. September 2019, 22:11 Uhr

Von einem »ersten Schritt in die richtige Richtung« sprach CDU-Ortsbeiratsmitglied Carsten Zörb, der stellvertretende Lützellindener Ortsvorsteher Michael Borke (SPD) konstatierte: »Mehr war heute Abend nicht drin.« Die Szene und die Aussagen im Foyer vor dem Sitzungssaal im Rathaus am späten Dienstagabend hatten etwas von der Nachlese eines umkämpften Fußballspiels.

Denn anstrengend war der Abend für die Vertreter aus dem Lützellindener Ortsbeirat und die Einwohner des Stadtteils, die lange auf der Zuschauertribüne hatten ausharren müssen. Über drei Stunden dauerte es, ehe bei der Sitzung des parlamentarischen Bauausschusses der Antrag des Ortsbeirats zum »Gewerbepark Lützellinden aufgerufen wurde. Es dauerte dann fast eine weitere Stunde, bis nach der Debatte, in die auch Ortsvorsteher Markus Sames eingriff, zwei Beschlüsse gefasst wurden. Den Antrag des Ortsbeirats, wonach die Planung des 30 bis 40 Hektar großen Gewerbeparks auf der Westseite der Rheinfelser Straße nicht mehr weiterverfolgt werden dürfe und die Stadt insbesondere dort keine Grundstücke mehr aufkaufen solle, lehnte die SPD/CDU/Grünen-Koalitionsmehrheit im Ausschuss ab, während AfD und Linke bei Enthaltung von Freien Wählern und FDP zustimmten.

Gleichzeitig beschloss der Ausschuss auf Antrag der Koalition und mit breiter Mehrheit, dass die Planung für den Gewerbepark auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird und die im Regionalplan Mittelhessen ausgewiesene, über 130 Hektar große Vorrangfläche für Industrie und Gewerbe, die sich Richtung Flugplatz Lützellinden erstreckt, ganz aufgegeben wird. Einer Ergänzung der Freien Wähler, wonach der Magistrat nach alternativen Flächen suchen soll, wurde ebenfalls zugestimmt.

Keine Hallen auf gute Böden

Ortsvorsteher Sames hatte zuvor noch einmal die Argumente gegen ein zweites Gewerbegebiet im Südwesten des Dorfs genannt. Lebensqualität, Dorfcharakter und Artenvielfalt würden leiden, die Frischluftzufuhr aus dem Westen würde behindert, zudem würden Hochertragsböden, die auch dem Klimawandel trotzten, überbaut. Sames: »Da kann es nur einen Schluss geben: Die Planungen müssen eingestellt werden«.

Von »intensiven Beratungen« innerhalb der Koalition sprach SPD-Fraktionschef Christopher Nübel. Mit dem Aussetzen der Planung und dem Aus für die Großgewerbefläche durchbreche die Koalition eine »jahrzehntelange Logik der Stadtplanung«. SPD, CDU und Grüne seien sich einig, dass Logistikhallen nicht »auf den besten Böden errichtet werden sollen«.

Mithin hat der Ortsbeirat einen Teilerfolg errungen. Bei der Nachlese im Foyer waren sich die Stadtteil-Vertreter einig, dass das Thema »Gewerbepark« zumindest für die nächsten Jahre vom Tisch ist, aber eben nicht für immer. Die Gründung einer Bürgerinitiative heute Abend ab 20 Uhr im evangelischen Gemeindesaal habe sich nicht erledigt. Zumal der Antrag aus Lützellinden am 26. September auf der Tagesordnung des Stadtparlaments stehen wird.

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