27. September 2019, 22:08 Uhr

Lützellindener enttäuscht

27. September 2019, 22:08 Uhr

Ausgestattet mit Plakaten hatten sich am Donnerstagabend so um die 80 Bürger/innen aus Lützellinden ins Gießener Rathaus aufgemacht, um Ortsvorsteher Markus Sames (CDU) und die anderen Ortsbeiratsmitglieder bei ihrem Auswärtsspiel in der Stadtverordnetenversammlung zu unterstützen. Viereinhalb Stunden mussten sie auf den Anpfiff warten, nach fünf Stunden stand das Ergebnis fest: ein Unentschieden, das sich für die Gäste aus Lützellinden wie eine Niederlage anfühlte.

Auf der Habenseite können Ortsbeirat und Bürgerinitiative verbuchen, dass die Weiterplanung des 35 bis 40 Hektar großen »Gewerbeparks Lützellinden« gestoppt ist und dass die Stadt Gießen endgültig kein Interesse mehr an der knapp 135 Hektar großen Vorrangfläche für Industrie und Gewerbe hat, die sich südwestlich von Lützellinden Richtung Flugplatz erstreckt und im Regionalplan Mittelhessen steht. Gescheitert am Nein der SPD/CDU/Grünen-Koalition indes ist der Ortsbeirat mit seiner Forderung, dass die Planung für den Gewerbepark auf der Westseite der Rheinfelser Straße endgültig aufgegeben wird und die Stadt umgehend aufhört, dort weiter Land zu kaufen. In namentlicher Abstimmung, die die Bürgerliste-Stadtverordnete Elke Koch-Michel beantragt hatte, votierten 32 Stadtverordnete von SPD, CDU und Grünen gegen den Antrag des Ortsbeirats und 19 dafür.

Ebenso scheiterte die Stadtverordnete aus Lützellinden mit ihrem Initiativantrag, den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans »Gewerbepark Lützellinden« aus dem Jahr 2010 aufzuheben. »Wir haben in Lützellinden einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Nach der nächsten Wahl gibt’s neue Mehrheiten, und dann geht es doch weiter«, sagte Koch-Michel.

Zu Beginn der Aussprache beschrieb Ortsvorsteher Sames die Lage im Stadtteil: »Die Stimmung ist mies. Der Widerstand ist groß. Der Gedanke, dass es ein weiteres Gewerbegebiet gibt, ist unerträglich fürs uns.«

Die Koalition sieht in ihrem beschlossenen Initiativantrag mit Planungsstopp für den Gewerbepark und Aus für die Großgewerbefläche einen Sinneswandel. »Das Rad der Zeit hat sich weitergedreht. Es gibt ein Umdenken, was die Wertigkeit wertvoller Böden in Zeiten des Klimawandels betrifft«, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Christopher Nübel. Warum die Koalition den Gewerbepark nicht endgültig beerdigen will, blieb unklar. Es gebe jedenfalls keinen »unmittelbaren Bedarf« an dieser Gewerbefläche, sagte CDU-Vorsitzender Klaus Peter Möller. Zu den Grundstückskäufen hieß es, die Flächen würden unter anderem zum naturschutzrechtlichen Ausgleich benötigt.

Einige Stadtverordnete waren am Mittwoch der Einladung des Ortsbeirats nach Lützellinden gefolgt und hatten sich auf dem Höhenrücken zwischen Lützellinden und Rechtenbach ein Bild der Lage gemacht.

Ob und wie es mit der Gewerbeflächenplanung bei Lützellinden weitergehen könnte, wird man spätestens im zweiten Halbjahr kommenden Jahres sehen, wenn die Parteien ihre Programme für die Kommunalwahl im darauffolgenden März aufstellen und beschließen werden.

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