14. August 2018, 22:07 Uhr

Lohnende Investition in die Zukunft

14. August 2018, 22:07 Uhr
Tischlermeister Jan Werner (l.) erläutert Abul und Marc (r.) den richtigen Umgang mit Werkstücken. (Foto: Schepp)

Von zwölf Absolventen, die in diesem Jahr ihre Ausbildung bei der Jugendwerkstatt beendet haben, haben neun eine feste Anstellung erhalten. »Eine abgeschlossene Ausbildung ist ein Türöffner in die Welt des Arbeitsmarktes und der Erwachsenen«, sagt Jan Werner. Der Fachanleiter bei der Gießener Jugendwerkstatt spricht gern über den guten Ruf, den sich die gemeinnützige Gesellschaft für Qualifizierung und berufliche Qualifikation bei »ganz normalen« Unternehmen erworben hat. »Manche Firmen schicken ihre Auszubildenden kurz vor der Prüfung zu uns, damit sie richtig fit gemacht werden.« In erster Linie betreut die Einrichtung im Alten Krofdorfer Weg allerdings Menschen, die ihre Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt aus unterschiedlichen Gründen nicht schaffen. Das können Lernschwierigkeiten, familiäre Konflikte, Drogensucht, Schulden oder andere »Vermittlungshemmnisse« sein.

Die kirchliche Jugendhilfeeinrichtung bildet auch junge Leute aus, die durch das Raster der gesetzlichen Bestimmungen fallen, betont Pfarrerin Anette Bill. Weil die Ausbildungskosten in solchen Fällen von der Jugendwerkstatt finanziert werden müssen, sucht die Einrichtung Ausbildungspaten, die die Azubis unterstützen. Knapp 100 Privatpersonen, Kirchengemeinden und Unternehmen unterstützen die Jugendwerkstatt. In den vergangenen 15 Jahren sind etwa 30 Ausbildungsplätze über Patenschaften finanziert worden, momentan absolvieren zwei angehende Tischler im zweiten und dritten Ausbildungsjahr ihre Lehre über eine solche Patenschaft.

Aktuell sucht die Jugendwerkstatt für zwei weitere Azubis Unterstützung, die ihre Lehre erst vor wenigen Tagen begonnen haben. Marc und Abul (Namen von der Redaktion geändert) wollen Tischler werden. Marc (17) ist nach dem Hauptschulabschluss an der Helmut-von Bracken-Schule zunächst an die Berufsfachschule an der Theodor-Litt-Schule gewechselt. Dort stieß er an seine Grenzen und verließ die Schule. »Gar nichts zu machen, ist keine Alternative«, sagt die Pfarrerin für Arbeit und Soziales. »Hier macht die Ausbildung mehr Spaß«, sagt der 17-Jährige nach wenigen Tagen.

Anders liegt der Fall bei Abul. Der 29-Jährige ist 2015 aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat hat er bereits als Tischler gearbeitet – aber ohne klassische Ausbildung. Die holt er jetzt nach. »Er hat vor allem Defizite in der Fachsprache«, beschreibt Jan Werner die Probleme des Auszubildenden. Außerdem müssen in seinem Fall Arbeitsagentur und Ausländerbehörde dem Ausbildungsvertrag zustimmen.

Dass die Jugendwerkstatt nicht nur den fachlichen, sondern auch den sozialpädagogische Ansatz sehr ernst nimmt, unterstreicht Diplompädagogin Stefanie Rau. Gefördert werden soziale und personale Fähigkeiten wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ordnung und Freundlichkeit. Der Erfolg gibt der kirchlichen Einrichtung recht. »Unsere Vermittlungsquote ist gut«, bekräftigt Werner. Deshalb hofft die Jugendwerkstatt, auch für ihre beiden neuen Azubis genügend Unterstützer zu finden.

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