28. Mai 2013, 12:18 Uhr

LieBigBand eröffnet den musikalischen Sommer

Wenn die LieBigBand am Freitag, 31. Mai, zur Eröffnung des Musikalischen Sommers auf dem Schiffenberg zu ihrem Jubiläumskonzert anlässlich des 20-jährigen Bestehens aufspielt, dann verspricht die Gruppe nicht nur ein rund vierstündiges Konzertspektakel der Extraklasse, sondern auch ein rauschendes Abschiedsfest.
28. Mai 2013, 12:18 Uhr
Michael Zarniko (Mitte) ganz in seinem Element, hier bei einer der letzten Proben mit der LieBigBand und Sängern. (Foto: srs)

Leiter und Dirigent Michael Zarniko steht an diesem Abend zum letzten Mal als Dirigent mit der Big Band auf der Bühne. Nach 20 Jahren übergibt er die Leitung an seinen jüngeren Musiklehrer-Kollegen Jens Velten, den er bereits jetzt in das Projekt involviert hat. Doch einer wie Zarniko, der mit soviel Herzblut bei der Sache ist, geht natürlich niemals so ganz: Er will künftig Management-Aufgaben übernehmen, außerdem steigt er dann selber als Posaunist in der Band ein und musiziert mit. »Es ist also kein wirklicher Abschied«, verspricht er.

20 Jahre ist es her, dass Zarniko die LieBigBand während einer Projektwoche an der Liebigschule ins Leben gerufen hat. Damals geschah das auf Schülerwunsch. Zunächst als reines Schulprojekt geplant, blieben zahlreiche Ehemalige, selbst aus der Gründungsbesetzung, der Gruppe bis heute treu. An die Anfänge erinnert er sich noch gut: Damals habe es an der eher klassisch geprägten Liebigschule noch keine Schulband gegeben. Dem Wunsch der Schüler, anlässlich der Projektwoche auch einmal in einer Band spielen zu dürfen, kam er gerne nach. Zum Abschlusskonzert habe es derartig positive Resonanz aus der Schüler- und Elternschaft sowie seitens der Schulleitung gegeben, dass klar war, dass die Band weitergehen müsse. »Anfangs hatten wir noch nicht mal Noten«, erinnert sich Zarniko. Also habe er sich zunächst welche bei einem Kollegen an der Ostschule ausgeliehen.

Der Zufall wollte es, dass die Mutter einer Teilnehmerin für die Stadt Gießen arbeitete und für den Musikalischen Sommer verantwortlich zeichnete. Schon seit 1994 ist die LieBigBand fester Bestandteil im Programm und konnte jedes Jahr mit zahlreichen Besuchern Besuchern aufwarten. »Wir sind eine der publikumsstärksten Veranstaltungen beim musikalischen Sommer«, freut sich Zarniko. Finanziert wird das jährliche Konzert aus Fördertöpfen der Liebigschule, Spenden, Sponsorengeld und Gagen – etwa für Auftritte beim Semesterbrunch des Studentenwerkes der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Zum Jubiläum wird die LieBigBand natürlich auch wieder von zahlreichen Ehemaligen unterstützt und tritt daher in einer mehr als doppelten Besetzung auf – insgesamt rund 100 Akteure (davon 70 Ehemalige) stehen im Laufe des Abends auf der Bühne. Allein 22 davon sind Sänger/innen, zehn sind Schlagzeuger. »Ich muss und möchte jedem davon gerecht werden«, sagt Zarniko, denn keiner soll das Gefühl bekommen, auf der Bühne zu kurz zu kommen. Gespielt werden an dem Abend daher rund 50 Titel – etwa 30 Instrumentalstücke sowie etwa 20 Nummern mit Gesang. Musikalisch verspricht Zarniko den gewohnten stilistischen Mix aus Jazzstandards, Latin sowie aktuellen Pop- und Rocktiteln. »Für Alt und Jung ist wie immer etwas dabei«, verspricht er. Neben Instrumentalstücken wie »Smoke on the Water« und »Tequila« gibt es auch »Hotel California« oder Liquidos »Narcotic« zu hören.

Die große Besetzung stellte Zarniko vor zahlreiche Probleme: Es ist nicht nur nahezu unmöglich, alle Mitstreiter unter einen Hut zu bekommen, auch die sechs mal acht Meter große Bühne, die für den Musikalischen Sommer genutzt wird, ist dafür schlichtweg zu klein. Daher gibt es eigens für das Eröffnungswochenende nun eine zehn mal zwölf Meter große Bühne auf dem Schiffenberg.

Geprobt wird einmal wöchentlich für eine Doppelstunde in der Aula der Liebigschule, dann allerdings in der regulären Besetzung. Die große Besetzung trifft sich an zwei Samstagen im Frühjahr, außerdem gibt es lange Probenabende kurz vor dem Konzert. Die Termine lege er soweit im Voraus fest, dass die Meisten es sich einrichten könnten, erklärt der musikalische Leiter, aber einige der Ehemaligen kämen eben auch von sehr weit her und seien beruflich so eingespannt, dass sie nur zum Konzert an sich kommen könnten. »Das sind teils heute aber Berufsmusiker«, stellt Zarniko klar, sodass das kein Problem für das Konzert darstellt. Schwierig genug ist die Bandarbeit so und so: »Ich habe jedes Jahr neue Leute dabei, die sich wieder komplett einarbeiten müssen – in der Regel in 30 bis 35 Stücke«. Das gehe nur, wenn die Schüler sich auch privat für die Band engagierten, und sich etwa für zusätzliche Proben in kleinen Gruppen träfen. »Aber dieses Engagement hat jeder«, freut er sich über den Zusammenhalt in der Band. Dass bei der LieBigBand jeder mit Herzblut dabei ist, das bestätigen auch einige Ehemalige, die am 31. Mai wieder mit dabei sind. Trompeter und Sänger Paul Piper aus Heuchelheim, heute Geschäftsführer einer Werbagentur mit Sitz in Wiesbaden. »Wenn man sich trifft, ist es, als würde man nach Hause zurückkehren«, sagt Piper, der von 1997 bis 2003 festes Mitglied war und bis 2009 auch als Ehemaliger bei allen großen Auftritten dabei war. »Ohne die Band würde mir in meinem Leben ein Ausgleich fehlen«.

Der Pohlheimer Schlagzeuger Moritz Weissinger hat die LieBigBand noch beim zehnjährigen Bestehen 2003 aktiv miterlebt – insgesamt war er fünf Jahre dabei. Der Berufsmusiker, der an der Jazzakademie in Freiburg studiert hat, lobt besonders Zarnikos großes Engagement und dessen Begeisterung: »Das überträgt sich auch auf die Schüler. Was Du gibst, bekommst Du auch wieder zurück.« Auch Piper lobt Zarniko: »Er hat eine einzigartige Gabe, die Menschen zu erreichen und einzubinden«. Und auch die »jüngeren Ehemaligen« wie der Singer-Songwriter Anil Altintas, der derzeit in Tübingen studiert, sind mit der BigBand eng verbunden. »Über die LieBigBand kann ich meine Verbundenheit mit der Liebigschule ausdrücken«, sagt Altintas. Er geht sogar soweit zu sagen, dass es Zarnikos Lockerheit und dessen Charme sind, die die Ehemaligen immer wieder dazu veranlassen, beim Konzert teilzunehmen. Neben den Genannten sind unter anderem auch die ausgebildete Sopranistin Nicole Tamburro, Martin Heath (Miller & Heath) sowie die Vingerling-Schwestern Anouk und Carlijn samt Bassist Markus Wach von der Gruppe Lavender dabei. Auch Gründungsmitglieder wie Alexander Fischer sind mit von der Partie.

Das Konzert beginnt am Freitag, 31. Mai, wegen des umfangreichen Programms bereits um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Parkplätze direkt am Kloster sind gesperrt, daher wird von 17 bis 1 Uhr ein kostenloser Pendelbus eingesetzt; die Park-and-Ride-Plätze sind ausgeschildert. Sabine Glinke



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