06. Juli 2018, 20:30 Uhr

Lego-Bau am Güterbahnhof

Es gibt spannenderes, als auf einen Zug zu warten. Am Gießener Bahnhof wird die Zeit bis zur nächsten Ankunft derzeit immerhin durch spektakuläre Ansichten versüßt. Hinter den Gleisen wächst gerade das neue Jobcenter in die Höhe. Und das mit einer Geschwindigkeit im Stile eines ICE.
06. Juli 2018, 20:30 Uhr

Noch sechs Minuten, bis auf Gleis 3 der Zug einfährt. Normalerweise wandern die Blicke der Menschen in solchen Momenten auf das Display eines Smartphones. Am Gießener Bahnhof ist das an diesem Morgen anders. Viele Wartende recken ihre Hälse nicht nach unten, sondern nach oben. Direkt hinter den Gleisen, keine 100 Meter vom Bahnsteig entfernt, baumelt ein Büro am Haken eines Krans. Dann noch eins. Und noch eins. Wenige Tage später ist das Schauspiel schon wieder beendet. Alle Büros sind an ihrem Platz, die nächsten Arbeiten stehen an. Das Jobcenter am ehemaligen Güterbahnhof macht rasante Fortschritte. Modulbauweise heißt das Zauberwort. Das haben Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hofmann und Bauleiter Alexander Söhn jetzt bei einer Baustellenbesichtigung betont.

Es ist gerade mal zwei Monate her, da lag das Areal an der Lahnstraße noch brach. »Am 3. Mai haben die Bauarbeiten begonnen, wenn man mal die vorbereitenden Erdarbeiten nicht mit einrechnet«, sagt Hofmann. Man merkt dem Geschäftsführer an, dass er selbst erstaunt ist über den zügigen Baufortschritt. »Wir haben geplant, im Dezember umzuziehen. Und dann wird das neue Jobcenter auch für den Publikumsverkehr geöffnet.« Sollte das Zeitfenster eingehalten werden, wären vom ersten verlegten Stein bis zur Schlüsselübergabe keine acht Monate vergangen.

Für das rasante Tempo sind Söhn und sein Team verantwortlich. »Die Modulbauweise erinnert ein bisschen an Legosteine. Sie werden im Werk vorbereitet und vor Ort zusammengesetzt«, sagt der Bauleiter und erzählt, dass in den vergangenen Wochen 157 solcher Module verbaut und miteinander verschweißt worden sind. Durch Fermacell-Platten und einem Wärmedämmverbundsystem werden die einzelnen Module später aber nicht mehr als solche zu erkennen sein, betont der Bauleiter. »Die Fassade ist dann von anderen Bauten nicht zu unterscheiden.«

Der Baufortschritt kommt nicht nur den Verantwortlichen des Jobcenters zupass. Denn bisher sind die Beschäftigen neben den zwei Domizilen in der Ludwigstraße und am Urnenfeld auch in Räumen der Agentur für Arbeit und des Landratsamts untergebracht. Beide Einrichtungen brauchen den Platz aber dringend selber. »Wir werden hier am Güterbahnhof alle Mitarbeiter der bisherigen Standorte zusammenführen«, sagt daher Hofmann. »Das sind rund 270 Beschäftigte.«

Die Männer und Frauen werden sich auf insgesamt 6650 Quadratmeter Nutzfläche und fünf Geschosse verteilen. Im Erdgeschoss entstehen der Empfangsbereich, Seminarräume und der Postbereich. Auf den Ebenen eins, zwei und drei werden die Büros der Mitarbeiter untergebracht, ganz oben sollen Kantine, Teeküche und weitere Besprechungsräume zu finden sein. Und das Büro der Geschäftsführung. Hofmann zückt sein Smartphone für ein Foto, als er seinen künftigen Arbeitsplatz betritt. Die Aussicht kann sich sehen lassen: Rechts sieht er die ein- und ausfahrenden Züge, ohne sie – den modernen Fenstern sei dank – zu hören. Links breitet sich die Stadt vor ihm aus, und ganz hinten am Horizont kann er die Hohensolmser Windräder kreisen sehen. Lediglich das direkt vor dem Fenster liegende Flachdach stört die Szenerie. Zumindest noch. »Das Dach wird noch begrünt«, sagt Söhn. »Schade, dass hier keine Tür nach draußen führt«, erwidert Hofmann mit einem Lächeln. Möglich wäre es. Denn Söhn betont, dass die Modulbauweise auch eine flexible Raumaufteilung ermögliche.

Über die Treppen geht es wieder hinunter. Söhn und Hofmann schreiten durch den Flur, den in einigen Monaten auch die Arbeitslosen bevölkern werden. Der Gang zum Jobcenter wird vermutlich auch im neuen Gebäude kein Quell der Freude sein. Aber Söhn betont, dass die Besucher es so angenehm wie möglich haben sollen. »Diese bedrückende Behördenstimmung wollen wir vermeiden. Daher erhalten alle Türen Oberlichter, damit es schön hell wird.« Das ist auch Hofmann wichtig: »Wir wollen weg von diesem Hartz-IV-Schmuddel-Image.«

Durch einen Seitengang verlassen Söhn und Hofmann das Gebäude. Der Rundgang ist zu Ende. Direkt vor ihnen türmt sich aber schon die nächste Baustelle auf: Das künftige Parkhaus. Auch dieses Vorhaben soll Ende des Jahres abgeschlossen sein, damit Besucher und Beschäftigte auch ihr Auto abstellen können. Oder sie kommen mit dem Zug. Fliegende Büros werden sie dann aber nicht mehr zu sehen bekommen. (Foto: chh)

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