02. Januar 2017, 19:34 Uhr

Lebensfreude als Programm

Sie sind mit Künstlern wie Peter Gabriel, U2 oder Bob Geldof aufgetreten. Den Durchbruch schaffte der »Soweto Gospel Choir« 2003 beim Konzert »46664«. Am Donnerstag gastieren die Sänger aus Südafrika in der Kongresshalle. Chorleiter Vincent »Shimmy« Jiyane und der Musikalische Direktor Milton Ndlakuse stellen im Interview das neue Programm »Faith« vor.
02. Januar 2017, 19:34 Uhr
Der »Soweto Gospel Choir« gastiert am 5. Januar in der Kongresshalle. (Foto: pm)
Ihr Chor steht seit über 14 Jahren auf der Bühne. Wie wählen Sie Ihre Sänger aus und wie finden Sie immer wieder die besten Stimmen des Landes?
Vincent Jiyane: Wir laden regelmäßig zum Vorsingen ein. Bei den Proben hören wir uns aber nicht nur die Stimmen der Kandidaten an. Ein guter Klang allein reicht nicht aus. Die Sänger müssen dazu fähig sein, sich auf der Bühne zu präsentieren und in Kontakt zu treten mit dem Publikum, mit den Menschen zu kommunizieren.
Wie oft treffen sich die Chormitglieder und wie verlaufen die Proben?
Jiyane: Normalerweise treffen wir uns dreimal wöchentlich zum Proben. Das hängt aber immer davon ab, woran wir gerade arbeiten und wo wir uns aufhalten. In Soweto haben wir einen festen Probenraum, wenn wir auf Tournee sind, müssen wir selbstverständlich auch improvisieren. Diese Ausstrahlung nach all den Jahren im Gefängnis war einzigartig. Er weiß wirklich, wie man Menschen vergibt.
Ihr neues Programm trägt den Titel »Faith«. Welche Rolle spielt der Glaube im Leben Ihrer Chormitglieder?
Jiyane: Den Titel kann man ruhig wörtlich nehmen. Wir haben bisher sieben Alben veröffentlicht. Alle haben einen christlichen Bezug im Namen. Es geht darin um den Glauben, das Vertrauen in Gott. Der Glaube ist in uns und er wächst. Er trägt uns auch während einer Tournee.
Gospelmusik hat ihre Wurzeln in den uralten Stammestraditionen Afrikas. Merkt man davon auch heute noch etwas in Ihrem Repertoire?
Jiyane: Wenn wir singen, präsentieren wir auch unsere Geschichte. Mit jedem Auftritt nehmen wir die Menschen dorthin mit, wo wir herkommen. Wir zeigen Ihnen die Schönheit unseres Landes. Selbstverständlich geht es in unserem Programm aber auch um die Proteste von 1976 in Soweto gegen das Apartheid-Regime, die damals blutig niedergeschlagen wurden. Wir handeln da ganz im Sinne von Nelson Mandela. Wir sollten vergeben, aber nicht vergessen.
Apropos Mandela. Ihren Durchbruch hatten Sie beim Benefizkonzert 2003 zugunsten der Nelson-Mandela-Stiftung als Start einer Kampagne gegen Aids. Welche Rolle spielt das Thema Aids heute bei den Auftritten Ihres Chors?
Milton Ndlakuse: Aids ist ja nicht nur ein afrikanisches Problem. Das Thema HIV gibt es in allen Ländern der Welt. Wir versuchen, den Menschen mit unseren Liedern Kraft zu geben.
Sie engagieren sich ja über Ihre Konzerte hinaus, etwa in besagter Mandela-Stiftung oder mit einem Haus für Aids-Waisen. Was genau tun Sie?
Jiyane: Wir haben »Nkosi’s Haven« gegründet, eine Einrichtung für Waisenkinder, deren Eltern an Aids gestorben sind. Mit der Stiftung sorgen wir dafür, dass diese Kinder zur Schule gehen, wir geben ihnen Schutz und gewährleisten medizinische Versorgung.
Ndlakuse: Seit dem Konzert »46664« versuchen wir, HIV-infizierte Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen. Wir sammeln Geld für unsere Stiftung und schicken Lebensmittel. Wir wollen die Menschen aber nicht nur mit unserer Musik unterstützen, wir treffen sie auch persönlich. Auch dabei ist Nelson Mandela ein Vorbild für uns. Ich habe ihn kennengelernt. Diese Ausstrahlung nach all den Jahren im Gefängnis war einzigartig. Er weiß wirklich, wie man Menschen vergibt.
Der »Soweto Gospel Choir« ist groß und hat Tausende Liveauftritte hinter sich. Wie schaffen Sie es, das alles zu koordinieren und die Chormitglieder auf so einer langen Tournee bei Laune zu halten?
Ndlakuse: Der Chor hat derzeit 54 Mitglieder. Auf der Tour treten wir aber nur mit 16 Sängern auf. Allerdings sind wir neun Monate im Jahr unterwegs. Da passiert es schon, dass jemand einen Durchhänger hat oder traurig ist. Uns hilft in solchen Fällen die Tatsache, dass wir uns sehr gut kennen und dass wir genau wissen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Außerdem: Unser Programm ist Lebensfreude. Und Gott hilft uns dabei.
Die Bühne in der Gießener Kongresshalle ist nicht besonders groß, bietet kaum Platz zum Tanzen. Was können die Besucher vom Konzert in Gießen erwarten?
Ndlakuse (lacht): Das ist kein Problem. Wir sind schon in sehr kleinen Hallen aufgetreten. Ob wir sehr viel oder ganz wenig Platz haben, ist uns egal. Wir schauen uns die Bühne an und machen das beste draus.

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