24. Juni 2012, 20:38 Uhr

Landesgartenschauen sind keine »Blümchenschauen«

Gießen (hin). In Hemer im Sauerland hat im Jahr 2010 eine Landesgartenschau stattgefunden – mit Erfolg, wie Arne Hermann Stopsack (Fraktionsvorsitzender der FDP in Hemer und Mitglied im Aufsichtsrat der »Landesgartenschau Hemer 2010«) betonte. Stopsack war am Samstag Gastredner beim Parteitag der Gießener FDP.
24. Juni 2012, 20:38 Uhr
Seine Gartenschau-Erfahrungen schilderte Arne Hermann Stopsack. (Foto: hin)

Der Referent hatte viele Tipps für die Macher der Landesgartenschau in Gießen, sowohl warnender als auch ermutigender Art. Stopsack machte illusionslos klar, dass eine Landesgartenschau stets teurer werde als prognostiziert und sie bleibe ein Zuschussgeschäft. Er betonte aber auch die Aufwertung der Stadt durch städte- und landschaftsbauliche Maßnahmen. Eine Landesgartenschau sei keine »Blümchenschau«. Wer Blumen anschauen möchte, sollte nach Keukenhof fahren, meinte der Referent. Die Ausgangslage in Hemer war anders als in Gießen. Dort wurde ein großes Militärgelände konvertiert, und zwar von Anfang an unter Einbeziehung der Bevölkerung. Stopsack beschrieb detailliert, wo und wie bürgerschaftliches Engagement eingesetzt worden sei, beispielsweise, um 10.000 Besucher ehrenamtlich auf den Parkplätzen einzuweisen, und er riet, sich die Besucher-Zielgruppen genau anzuschauen. Familien mit Kindern etwa müssten Getränke auf das Gelände mitnehmen dürfen. Hemer skizzierte die Notwendigkeit europaweiter Ausschreibungen und erinnerte an rechtliche Auseinandersetzungen. In Hemer wurden 60 Millionen Euro für die Landesgartenschau ausgegeben, davon 15 Millionen für die Durchführung. Mit einer Million Besucher kamen doppelt so viele wie erwartet, aber: »Je mehr Besucher kommen, desto teurer wird es auch,« relativierte Stopsack. Mehrkosten entstünden zum Beispiel durch höhere Reinigungskosten und vermehrtes Sicherheitspersonal. Stopsack regte an, mittels Umfrage die Stimmung in der Bevölkerung vor und nach der Schau zu eruieren. Seine Aussage »Die Motorsäge ist das Lieblingswerkzeug des Landschaftsgärtners« und seine Empfehlung, »Baumpatenschaften« übernehmen zu lassen, sorgten für Schmunzeln im Publikum. Die Tatsache, dass das Gartenschaugelände in Hemer in Form eines »Sauerlandparks« auch hinterher nur gegen Eintritt zu betreten sei, rief sofortige Reaktionen hervor. Die Wieseckaue werde natürlich nicht eingezäunt bleiben, so die Versicherung des Gießener FDP-Ortsverbandsvorsitzenden Dr. Martin Preiß und von Michael Bassemir, der als Vertreter des Landesgartenschau-Büros an der Versammlung teilnahm. Mit gemischten Gefühlen hörten die Anwesenden eine durch Medienpräsenz hervorgerufene Erkenntnis aus Hemer: »Der Bürgermeister wird stärker werden.«

»Kubicki und Lindner haben unsere Seele gestreichelt,« so Preiß zum Aufwind seiner Partei nach den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In seinem Rechenschaftsbericht ging er auf die von 99 auf 93 gesunkene Mitgliederzahl im Ortsverband Gießen ein. Das sei schmerzhaft, aber tolerabel, meinte Preiß. Geplante Veranstaltungen hätten zum Teil nicht umgesetzt werden können.

Die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung nach dem Ende der »Jamaica«-Koalition sei anstrengender geworden, die Informationen flössen spärlicher, so Preiß. Allerdings unterliege man nun auch keinen Koalitionszwängen mehr, tröstete sich der FDP-Politiker.

Gegen »rot-grünes Reisfeld«

Durch die Landesgartenschau erhoffte sich Preiß einen Entwicklungsschub für Gießen. Er mahnte zum Sparen, kritisierte aber die Art der Sparbemühungen auf Seiten der Stadtregierung. Die Verwaltung werde aufgebläht, Einnahmen auf Kosten der Bürger generiert, so Preiß in seiner Analyse. Der Stadtregierung fehle das »liberale Korrektiv«, so die Einschätzung des FDP-Politikers. Zu den Renaturierungsarbeiten in der Wieseckaue meinte Preiß: »Wir brauchen kein rot-grünes Reisfeld!« Schatzmeister Oliver Egginger skizzierte eine durch Wahlkampfkosten entstandene Unterdeckung im Etat. Rechnungsprüfer Benno Koltermann beantragte die Entlastung des Vorstands, die bei einigen Enthaltungen erfolgte. (Foto: hin)

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