22. März 2018, 21:21 Uhr

Lahn als Blaupause für Fluss in Rom

22. März 2018, 21:21 Uhr
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Von Eva Diehl
Gemeinsam für die Lahn (v. l.): Stephan von Keitz (Hessisches Umweltministerium), Barbara Schröter (PlanSmart) und Christoph Ullrich (Regierungspräsident). (Foto: edg)

Gießen (edg). Vor Hochwasser schützt ein Damm, eine Mauer oder ein Rückhaltebecken. Genauso gut kann das Wasser jedoch auf natürliche Weise in einen Altarm oder eine Flussaue ausweichen. Dort finden Pflanzen und Tieren zudem einen Lebensraum. Solche sogenannten »Naturbasierten Lösungen für das Wasser« waren am Donnerstag nicht nur Thema im Lahnfenster, sondern auch das Motto des UNESCO-Weltwassertages 2018. Zu der Infoveranstaltung mit Vorträgen und Quiz hatte das Regierungspräsidium Gießen eingeladen. Behördenvertreter und Forscher diskutierten Pläne für die Lahn, die im Projekt »Living Lahn« der EU und des Landes Hessen entwickelt wurden.

»Der Schatz, der vor unseren Augen entlang fließt, will erst noch gehoben werden«, sagte Dr. Stephan von Keitz vom Hessischen Umweltministerium mit Blick auf die Lahn. Vieles sei noch zu tun, um die Flusslandschaft ökologisch nachhaltiger zu gestalten und zugleich attraktiver für Touristen. Am Oberlauf sei das schon recht gut gelungen. Er sehe noch großes Potenzial, aber auch eine langwierige Entwicklung.

Für die Region entlang der Lahn entwickelt das Projekt »Living Lahn«, kurz LiLa, seit 2015 Konzepte und Maßnahmen. Sie sollen den Fluss ökologisch aufwerten und die Gebiete vom oberen Lahntal ab Wallau bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein lebenswerter machen. Dazu gehören zum Beispiel die Schleusen für wandernde Fische wie Lachse und bessere Umtragewege für Kanuten. Beteiligt sind neben dem Land Hessen auch Rheinland-Pfalz, die Bundesanstalt für Gewässerkunde, das Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt in Koblenz und die Forschungsgruppe »PlanSmart« von der Leibniz Universität Hannover und dem Leibniz Forschungszentrum in Müncheberg. Finanziert wird das Projekt im LIFE-Programm der EU bis 2025. 60 Prozent der Mittel fließen aus EU-Kassen, 40 Prozent vom Land.

Die Ergebnisse des Projekts sollen als Blaupause auch auf andere Länder übertragbar sein. »Die Lahn ist bundesweit Vorreiter«, sagte von Keitz. Mit Gewässerexperten aus Rom seien bereits Gespräche darüber geführt worden, wie man einen Fluss besser ins Stadtbild integriert. Entlang der Lahn sei das an einigen Stellen sehr gut gelungen. In zwei Wochen diskutiert von Keitz mit internationalen Vertreter von Gewässerprojekten in Brüssel. Gut möglich, dass Rom oder Budapest sich demnächst von Konzepten aus dem Lahngebiet inspirieren lassen.

Langfristig denken

»Die Lahn ist der identitätsstiftende Fluss im Regierungsbezirk Gießen«, sagte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Gerade deshalb sei es wichtig, verschiedene Interessen von Naturschutz bis Tourismus zu berücksichtigen. Zum Weltwassertag rief er außerdem zur Wertschätzung der lebenswichtigen Ressource auf. »Wir alle profitieren in einem Umfang von der Natur, der uns oft nicht bewusst ist«, sagte auch von Keitz. »Wir wollen Perspektiven über den heutigen Tag hinaus entwickeln, von denen noch unsere Nachkommen profitieren.«



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