16. Januar 2015, 20:53 Uhr

Kurden brauchen »dringend Hilfe«

Gießen (pm). »Hoffnungsvolle Gesichter und ein Land, für das es sich lohnt, einzusetzen und zu kämpfen« – so fasst der kurdischstämmige Mehmet Tanriverdi die Eindrücke von seiner Reise in das türkisch-syrische Kurdengebiet zusammen.
16. Januar 2015, 20:53 Uhr
Mehmet Tanriverdi war zehn Tage in der Region unterwegs. (Foto: pv)

Der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, der als parteiloser Parlamentarier für die SPD in der Gießener Stadtverordnetenversammlung sitzt, war zum Jahreswechsel zehn Tage im Norden und in Süden der Region unterwegs.

Zuerst besuchte er mit Freunden kurdische Flüchtlinge aus der umkämpften Stadt Kobane in Pirsus. Zurzeit lebten in der Kreisstadt rund 90 000 Kurden. Ursprünglich seien etwa 400 000 aus Kobane und umliegenden Dörfern (Rojava-Kurdistan) geflüchtet, über den einzigen Grenzübergang nach Pirsus gekommen und weitergezogen. Die andere Hälfte der Flüchtlinge sei privat untergekommen, sie lebe unter anderem in leeren Baracken, Bauernhöfen und Zelten. In Pirsus könne man viele Flüchtlinge sehen. Es gebe sehr viele kurdische Privatspender, die Hilfe leisteten. Kurdische Vereine und Parteien würden ebenfalls im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen. Der größte Unterstützer sei die kurdische Bevölkerung in der Region. Staatliche Hilfe für die Flüchtlinge gebe es dagegen kaum, so Tanriverdi.

Die Flüchtlinge aus Kobane versammelten sich tagsüber in der Innenstadt von Pirsus beim »Hinar« und hätten meistens nur ein Thema: Der Krieg in der 15 Kilometer entfernten Heimatstadt und ihre Hoffnung auf die Rückkehr. Die meisten Flüchtlinge würden sich untereinander kennen. Die verschiedenen Gruppierungen lebten friedlich zusammen, sie seien gut organisiert.

»Wir hatten die Gelegenheit nahe zur Grenze zu fahren. Der einzige Grenzübergang ist gesperrt«, berichtet Tanriverdi. Von den Hügeln auf der türkischen Seite könne man bei guter Sicht die Stadt Kobane sehen. »Nach einer Weile sah und hörte man die Granateinschläge der Artillerie aus der Stadt«. Am Zaun der Grenze entlang seien türkische Panzer postiert.

Der Besuch führte auch nach Amed (Diyarbakir). Aufgrund der Ereignisse in den vergangenen Wochen sei die Lage weiter angespannt. Bei der Weiterfahrt in den Süden legte Tanriverdi einen Zwischenstopp bei Freunden in Nisebin ein. »Dort hatte ich die Gelegenheit, mit Vertretern der Stadt Gespräche zu führen«, berichtet der Gießener.

Diese Region habe allein knapp die Hälfte der insgesamt zwei Millionen Flüchtlingen in Südkurdistan aufgenommen. In der Stadt Duhok seien sie präsent. In jeder kleinen Stadt, in jedem Dorf seien Zelte zu sehen, in den noch nicht fertiggestellten Baustellen und Schulen wohnten Menschen. Tanriverdi nutzte die Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen. Die Universität Duhok, aber auch Grund- und weiterführende Schulen hätten, so weit es gehe, alle kurdischen Studenten und Schüler aufgenommen, habe der stellvertretende Präsident der Universität Duhok, Sabah Wais, bestätigt.

Der Süden alleine sei mit den knapp zwei Millionen Flüchtlingen überfordert und brauche weiterhin die Hilfe aus dem Ausland. Der Krieg belaste die Situation zusätzlich. »Kurdistan braucht unsere Hilfe in jeder Hinsicht. Wir müssen weiterhin für die Not leidenden Menschen um Unterstützung bitten und für die kurdischen Interessen werben«, betont Tanriverdi.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Flüchtlinge
  • Kurden
  • SPD
  • Stadtparlament Gießen
  • Universitätspräsidenten
  • Wohltätigkeit
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.