11. Januar 2018, 20:15 Uhr

Kunst in Wohnung begegnen

Sehr zufrieden ist der Gießener Künstler Andreas Walther mit der Resonanz, die sein »Taipei Space« in Taiwan gefunden hat. Der Raum für interkulturellen Austausch werde gut angenommen.
11. Januar 2018, 20:15 Uhr
Der Gießener Künstler Andreas Walther (2. v. l.) lädt in seinem »Taipei Space« in Taiwan zur Begegnung mit Kunst und zu interkulturellen Gesprächen ein. (Foto: pm)

Kunst begegnet man in der Regel bei einem Besuch im Museum oder in einer Galerie. Andreas Walther hat dafür eine andere Form gefunden. Der Gießener Künstler, der seit 20 Jahren regelmäßig zwischen Mittelhessen und Taiwan pendelt und einer der Organisatoren des Neuen Kunstvereins ist, hat im fernen Taiwan dank Crowdfunding-Unterstützung eine Wohnung im Randbezirk der Großstadt Taipei angemietet und als »Taipei Space« zum »Raum zur interkulturellen Begegnung« gemacht. Seit Oktober ist dort geöffnet, und Walther zeigt sich beim kurzen Zwischenbesuch in Gießen mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. »Der Raum funktioniert gut«, erzählt er. Kunstbetrachter, Kuratoren, andere Künstler, aber auch ein junger Kunstsammler aus Taipei hätten den »Taipei Space« schon aufgesucht. Ihm gefalle auch, wie flexibel und spontan er abseits von Institutionen und mit nur wenigen Tagen Vorlauf, Kunst ausstellen könne. »Das ist eine spannende Form des Kuratierens und Organisierens«, sagt er.

Zu Walthers Konzept gehört es auch, mit seinen Gästen beim gemeinsamen Spaziergang, Mittagessen und Gespräch quasi einen Urlaubstag mit Kunst anzubieten. Walther stellt bis zum September Raum zur Verfügung, sich in der Kunst zu begegnen und die Kunst zu verinnerlichen. Außerdem gibt es ein Gästezimmer für am Kulturaustausch Interessierte, die bis zu einem Monat Studien vor Ort betreiben möchten oder sich während eines Kurzbesuchs inspirieren lassen wollen. Wer dieses Angebot nutzen will, kann sich unter info@taipeispace.net mit Andreas Walther in Verbindung setzen. Was sich im »Taipei Space« tut, kann man außerdem auf Facebook (www.facebook.com/taipeispace2017) verfolgen oder sich zum Newsletter unter obiger E-Mail-Adresse anmelden.

Bei den bisherigen Begegnungen im »Taipei Space« habe sich immer wieder gezeigt, dass sich der ökonomische Druck auch in der taiwanischen Gesellschaft »in die Leute einschreibt«. Menschen über Kulturunterschiede hinweg nähmen in einer Art Rückbesinnung wieder mehr Bezug auf den Körper als gemeinsame Lebensbasis aller. Den Diskurs über den Zusammenhang von Körper und Denken will Walther weiter vorantreiben und zu Gesprächen etwa über Hirnforschung oder mit Philosophen einladen.

Bisher haben schon zwei asiatische Künstler im »Taipei Space« ausgestellt. Tuschearbeiten von Jiang Sanshi gab es bei einem Tag der offenen Tür im Oktober. Unter den Besuchern war Jens Rösler, Leiter des Goetheinstituts in Taipei. Tuschemalerei von Wu Si Hui wurde zudem Ende November etwa eine Woche lang im »Taipei Space« ausgestellt. Walther hofft, verstärkt auch ausländische Künstler gewinnen zu können. Er selbst stellt während seines bis Ende September 2018 geplanten Taiwan-Aufenthaltes seine Kunst auch an anderen Orten aus. Im Oktober hatte er eine Einzelausstellung im Jinglü Art Space in Taipei.

Ende dieses Monats wird seine Einzelausstellung »Atmosphäre« in der »101 Gallery« im legendären Taipei-Wolkenkratzer »101« eröffnet. Und im August zeigt das Museum für zeitgenössische Kunst eine Retrospektive mit früheren Videoarbeiten und fotografischen Arbeiten Walthers.

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