05. Februar 2019, 10:28 Uhr

Hänel

Kristina Hänel bei Anne Will: »Lebensschützer« belästigen ihre Patientinnen

Vor einem Millionenpublikum argumentierte Kristina Hänel bei Anne Will gegen das »Werbeverbot« für Abtreibungen. Die Gießener Ärztin sprach auch über die »Mahnwachen« vor ihrer Praxis.
05. Februar 2019, 10:28 Uhr
Kristina Hänel (r.) und Moderatorin Anne Will (l.) setzten Familienministerin Franziska Giffey unter Druck. Die SPD-Politikerin erklärte mit Bedauern, eine Streichung des Paragrafen 219a sei in der großen Koalition nicht durchsetzbar gewesen. (Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Eigentlich hat Kristina Hänel in den vergangenen anderthalb Jahren reichlich Erfahrung mit Medien und öffentlichen Auftritten gesammelt. Die Diskussion am Sonntag bei Anne Will vor einem Millionenpublikum war dennoch eine besondere Erfahrung für die Ärztin. Neben Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), dem CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor, der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sowie der Journalistin Teresa Bücker schilderte die 62-Jährige, warum sie eine Streichung des Strafgesetzbuchparagrafen 219a anstrebt. Sie wurde zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informiert. Ihre Homepage bliebe vermutlich auch mit dem Kompromiss der großen Koalition strafbar, den das Bundeskabinett am morgigen Mittwoch beschließen will.

Frau Hänel, wie fällt Ihr Fazit nach dem Fernsehauftritt am Sonntag aus?

Kristina Hänel: Ich danke Anne Will für die Möglichkeit, dort zu sprechen. Falls der jetzt vorliegende Kompromiss Gesetz wird, wäre eine solche Diskussion in Zukunft strafbar oder mindestens rechtsunsicher. Ich kam nicht immer so zum Zug, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte gern einige Behauptungen richtiggestellt. Dass das nicht möglich war, fand ich schwer auszuhalten.

Doch letztlich ist es zu einem inhaltlichen Gespräch gekommen, und ich konnte am Schluss sagen, was mir wichtig ist: Es ist mein Traum, dass jedes Kind, das geboren wird, gewollt ist. Ich habe wieder überwältigend viele Reaktionen erhalten. Manche Menschen schildern mir Schicksale, die mich zu Tränen rühren, und ermuntern mich: Sie sprechen für viele, geben Sie nicht auf.

Sie haben erzählt, dass »Lebensschützer« am vergangenen Donnerstag vor Ihrer Praxis demonstriert haben und eine Patientin vor Aufregung kollabiert ist. Ist das für Sie eine neuartige Erfahrung? Sie haben ja schon Morddrohungen erhalten.

Hänel: Es war klar, dass ich verstärkt ins Visier der sogenannten Abtreibungsgegner gerate. Aber dass sie jetzt auch meine Patientinnen belästigen, ist noch eine Stufe härter. Für uns sind solche »Mahnwachen« eine große Belastung. Wir wussten ja nicht, wie viele Menschen kommen werden. Letztlich waren es sieben. Sie haben das Weite gesucht, als ein Fernsehteam von »Spiegel TV«, das derzeit einen Beitrag über »Abtreibungsgegner« dreht, sie gefilmt hat. Für Mittwoch und Donnerstag sind sie wieder angekündigt.

Welche Chancen sehen Sie, dass die Abstimmung im Bundestag über den Paragrafen 219a doch noch ohne Koalitionszwang freigegeben wird?

Hänel: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eigentlich kann ich nicht glauben, wie die SPD handelt. Aber ich konzentriere mich jetzt auf die juristische Schiene und möchte bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

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