10. September 2013, 16:58 Uhr

Krimifestival-Organisator: Literatur zur Entschleunigung

Vor zehn Jahren initiierte Uwe Lischper die erfolgreichen Lesungen in Gießen. Waren es 2004 noch 2000 Besucher, die kamen, werden dieses Jahr 8000 Zuhörer erwartet.
10. September 2013, 16:58 Uhr
Jedes Jahr ein neues Motiv: Uwe Lischper mit dem Festival-Plakat aus dem Jahr 2004 (im Hintergrund) und mit dem aktuellen Logo. (Foto: Schepp)

Der Start verläuft eher beschaulich. Neun Tage dauert das erste Festival mit viel Lokalkolorit und insgesamt 2000 Besuchern. Das hat sich geändert. Beim 10. Gießener Krimifestival geben sich Autoren, Schauspieler und andere Promis die Klinke in die Hand. Vom 27. September bis zum 27. Oktober werden rund 8000 Zuschauer erwartet. Für Organisator Uwe Lischper kein Grund zum Abheben. »Ich lasse es gern betulich angehen«, sagt der Mann, der vor zehn Jahren das Gießener Krimifestival ins Leben gerufen hat.

Der Start im Jahr 2004 war seine Reaktion auf ein durchwachsenes Krimidinner in Marburg. Ihren eher regionalen Charakter der Anfangszeit hat die Gießener Veranstaltung längst abgestreift. »In Berlin spricht man über das Gießener Krimifestival«, hat ihm Schauspielerin Claudia Michelsen bestätigt. Darüber freut sich Lischper, der sich selbst als »Botschafter der Stadt« sieht. Und er merkt es auch in den Verhandlungen mit potenziellen Gästen. »Ich habe über Gießen nur Gutes gehört«, sagt zum Beispiel Autor Jesko Wilke (»Ghostwriter«) und gibt seine Zusage für den 27. Oktober im »Klimbim«. Manche unterbrechen sogar ihre Tournee, um in Gießen lesen zu können, andere bewerben sich selbst. »Ein erfolgreiches Festival macht neugierig«, glaubt der 61-Jährige. »Auch Stars, die sonst eher in München, Köln oder Berlin auftreten.«

Was er mit den prominenten Gästen in Gießen macht? Eigentlich nichts Besonderes. Meist holt er sie vom Bahnhof ab, geht mit ihnen einen Kaffee trinken, begleitet sie bis zum Hotel. »Ich gebe mir eine Viertelstunde, ob ich jemanden das Du anbiete«, verrät der Festival-Organisator, der in den vergangenen Jahren mit einigen seiner Vorleser Freundschaft geschlossen hat. Er zählt Ralf Kramp, Sascha Gutzeit und Friedrich Ani auf oder »Tatort«-Staatsanwältin Carolina Vera. Auch mit Katja Riemann, die er als »brisante und hochexplosive Frau« bezeichnet, ist er gut zurechtgekommen.

Vielleicht hilft ihm dabei die Tatsache, dass er selbst nicht ins Rampenlicht drängt, sich eher zurücknimmt. »Ich ziehe gern im Hintergrund die Fäden, organisiere und bereite Dinge vor«, sagt der Mann, der am Nordrand der Lüneburger Heide aufgewachsen ist. Auch wenn er es gern betulich mag – unterschätzen sollte man Uwe Lischper nicht. »Ich bin zwar kein Typ für die Bühne, aber ich bin ehrgeizig.«

Wäre das nicht so, würde er es vermutlich nicht schaffen, Jahr für Jahr – unter anderem unterstützt vom Leseland Hessen – ein Programm auf die Beine zu stellen, das sowohl dem Publikum gefällt als auch den Unternehmen, die den jeweiligen »Tatort« stellen. Meist läuft der Vorverkauf so gut, dass bereits 95 Prozent der Lesungen ausverkauft sind, bevor die Abendkasse öffnet. Ein weiteres Indiz für den Erfolg des Festivals: Die Zahl der Veranstalter hat seit 2004 stetig zugenommen. »Für die Sponsoren sollte immer etwas Positives herauskommen«, fasst Lischper seine Erwartungen an eine Lesung zusammen.

Dass er gern mit Situationen spielt, merkt man daran, dass es alle Jahre wieder ungewöhnliche Veranstaltungsorte gibt. Dazu gehört die Lesung im Hotelzimmer, im Fahrstuhl oder im Oberhessischen Museum. Und wenn »Madendoktor« Mark Benecke ins Detail geht, ist das auch nicht jedermanns Sache. Den Geschmack des Publikums kennt Lischper. So sieht er in Gießen eine »große Szene« für Krimis mit schwarzem Humor.

Mittlerweile gibt es auch in Fulda ein Krimifestival unter seiner Regie. Der Organisator veranstaltet außerdem die Gießener Bilderbuchtage, fungiert als Ideengeber für das Literarische Zentrum Gießen (LZG) und kommt so auf 125 Veranstaltungen im Jahr. Persönliche Ziele nach zehn Jahren Krimifestival? Lischper hat noch ein paar »weiße Flecken« auf der Gästeliste. Zu denen, die er »unbedingt« noch in Gießen sehen will, gehören Nina Kunzendorf, Olli Dittrich und Jan Josef Liefers.

Der 61-Jährige gibt zu, dass es in den Wochen des Krimifestivals mitunter hektisch zugeht. Auch in solchen Momenten hilft ihm ein gutes Buch. »Ich nutze Literatur zur Entschleunigung.« pd

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