03. Oktober 2010, 19:28 Uhr

Krimifestival: Friedrich Ani zu Gast in der »GAZ«

In der Regel herrscht an einem Samstagabend in der Produktionshalle der »Gießener Allgemeinen Zeitung« ohrenbetäubender Lärm, wenn die Druckmaschinen angelaufen sind. Doch diesmal war alles anders, denn im Rahmen des Krimifestivals las dort der Münchener Autor Friedrich Ani aus seinem jüngsten Kriminalroman »Die Tat«.
03. Oktober 2010, 19:28 Uhr
Ani genoss die Lesung »nah an der Quelle des gedruckten Wortes«.

Rund 150 Besucher waren gekommen, um nicht nur der Lesung des preisgekrönten Autors zu lauschen, sondern auch die besondere Atmosphäre dieses erstmals als Krimifestival-Tatort genutzten Raums zu erleben.

Und auch Ani selbst fühlte sich sichtlich wohl an diesem »schaurig-schönen Ort«, wie der Leiter der GAZ-Kulturredaktion, Manfred Merz, in seiner kurzen Begrüßungsansprache formulierte. Ani selbst hat einige Jahre als Polizeireporter gearbeitet, kennt also das Zeitungsgeschäft. Doch so nah »an der Quelle des geschriebenen Wortes« habe er noch nie eine Lesung veranstaltet, ließ der 51-Jährige Münchener mit syrisch-schlesischen Wurzeln seine aufmerksame Zuhörerschaft wissen. Im stark abgedunkelten Saal saß er an einem von einer Stehlampe stimmungsvoll erleuchteten Tisch und zog die Zuhörer in den Bann seiner Geschichte um den Ermittler Max Vogel und seinen erblindeten Vater und Ex-Kommissar Jonas Vogel, der als »Seher« über übernatürliche Kräfte verfügt. Die beiden müssen den Mord an einer Frau aufklären, die erdrosselt aufgefunden wird. Doch während zunächst vieles auf eine weitere Bluttat im Rahmen einer Mordserie hindeutet, entdecken die Polizisten, dass auch in der Familie des Opfers selbst so manches Geheimnis schlummert.

Das Buch ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern auch zugleich Familiengeschichte und Ani hatte für seine Lesung jene Stellen herausgesucht, die auch das konfliktbeladene Verhältnis von Vater und Sohn sowie innerhalb der gesamten Ermittler-Familie beleuchten. Ani, der durch seine unprätentiöse Art ausgesprochen sympathisch wirkte und mit deutlichem Münchener Akzent sprach, las von Eifersüchteleien innerhalb der Polizeidienststelle, vom seltsamen Verhältnis des Blinden zu seinem Bobtail Roderich Rosenblatt und von den Gedanken Esther Vogels über das Leben an sich und die speziellen Gegebenheiten innerhalb ihrer Ehe. Es waren »Lesehäppchen«, die Lust machten, im Buch, das Teil einer ganzen Reihe von »Seher«-Krimis ist, zu schmökern - und das ist schließlich auch der Sinn einer solchen Lesung.

Ani wurde in erster Linie durch den 14 Bücher umfassenden Zyklus von Kriminalromanen um Kommissar Tabor Süden bekannt. Auch Hauptkommissar Polonius Fischer, ein ehemaliger Mönch, gehört zu seinem »Personal«, das nun um den blinden Kommissar Jonas Vogel und seinen Sohn bereichert wird. Zahlreiche Preise hat Ani erhalten, darunter auch den Deutschen Krimipreis und den Grimme-Preis. Seit 1995 schreibt er zudem Drehbücher für Fernsehspiele und Fernsehserien.

Nach einer knappen Stunde war am Samstagabend die eigentliche Lesung vorüber. Die Besucher konnten sich noch bei einem kleinen Imbiss stärken und manch einer wartete gebannt darauf, dass zum Andruck die Maschinen in Gang gesetzt wurden. Und auch der Autor selbst blieb noch gerne eine Weile, signierte bereitwillig seine Bücher und stellte sich im persönlichen Gespräch den Fragen seines zufriedenen Publikums.

Karola Schepp

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