12. November 2019, 21:37 Uhr

»Kreatives und würdevolles Projekt«

12. November 2019, 21:37 Uhr
Künstler Wolfgang Michaeli erklärt die Anordnung der bunten Steine, die sich um das hebräische Wort »Leben« legen.

Von weit über die Grenzen Hessens hinaus erreichten die Martin-Buber-Schule kunterbunte Steine. Die Förderschule für geistige Entwicklung hatte im Rahmen ihres bundesweiten Projekts »Steine ins Rollen bringen« rund 50 Bildungseinrichtungen und Institutionen dazu aufgerufen, Steine zu gestalten und zurückzusenden. Die Enthüllung der Installation fand nun am Samstag in der Stadtbibliothek im Gießener Rathaus statt, wo diese für ein Jahr öffentlich zugänglich sein wird. Auch Stadträtin Astrid Eibelshäuser freute sich, dieses »kreative und würdevolle Projekt zentral in der Stadt ausstellen zu können«.

Über ein Schuljahr hatten sich die Schüler mit dem Holocaust und der heutigen Erinnerungskultur auseinandergesetzt. Sie konnten den zweiten Platz des Margot-Friedländer-Preises belegen. Konrektorin und Projektleiterin Gabriele Kremer erklärte, wie wichtig »Begegnung und Kennenlernen« vor dem Hintergrund jüngster Ereignisse, wie diese in Halle/Saale, seien. Im Rahmen des Projekts wurde den Schülern das schwierige Thema auch über Literaturprojekte zu Anne Frank, Tänze und Gesang nähergebracht. Im Mittelpunkt stand dabei die Gestaltung bunter Steine. Das Zurücklassen kleiner Steine auf Gräbern ist im Judentum ein Ausdruck des Gedenkens.

Steine auf Gräbern

»Das war das schönste Atelier, das ich jemals hatte«, sagte der Künstler Wolfgang Michaeli und hob die lebendige Schulgemeinschaft hervor. Er sei »sofort begeistert« von der Idee gewesen und fand seine Werkstatt für die Dauer der Sommerferien in der Martin-Buber-Schule. Nach der von Applaus gekrönten Enthüllung des Reliefs, erklärte Michaeli die bedeutungstragende Anordnung der gesammelten Steine.

Auf zwölf Kacheln gruppierte er diese und brachte sie mit Kunstharz auf. Dahinter befindet sich das Wort »Chai« in hebräischen Buchstaben, welches »Leben« bedeutet. Das Wort symbolisiert den Wert des Lebens und den Willen, dies zu erhalten und zu schützen. Als ehemaliger Stadtplaner habe er auch ein kunterbuntes Abbild der Stadt darstellen wollen. So stehen die gelben Steine für ein Leuchten, das durch die Gesellschaft strahle. Eine Besonderheit sei außerdem, dass kein Stein ausschließlich schwarz sei. Trotz des traurigen Anlasses seien die farbenfrohen Steine ein Ausdruck von großer Lebensfreude.

Das schönste Atelier

Der Preis ist nach der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer benannt. Die 98-Jährige tritt bis heute als Zeitzeugin auf und nahm auch bei der Verleihung am 13. Mai in Berlin teil. Mithilfe des Preisgelds konnte die Umsetzung des Projekts finanziert werden und regte ein zusätzliches Vorhaben an: Die Schule plant die Veröffentlichung von Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden Judith und Zvi Zur. Einen Einblick in das Manuskript gab Schülerin Klara Liebsch, die daraus vorlas. Ein weiteres Ausstellungsprojekt befindet sich vor dem Schultor in der Carl-Franz-Straße. Dort konnte aus den restlichen Steinen ein bunter Weg gepflastert werden.

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