23. Oktober 2018, 22:12 Uhr

Konzertante Lesung aus einem Guss

23. Oktober 2018, 22:12 Uhr
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Von Sascha Jouini
Kennt sich mit Todesmotiven auf Saiten und Seiten aus: Natasha Korsakova. (Foto: jou)

Autorin und Violinistin Natasha Korsakova bot im Rahmen des Krimifestivals Außergewöhnliches: In sich rund, verband sie im fast voll besetzten Netanya-Saal Lesung und Konzert, bereicherte die Präsentation ihres Erstlingskrimis »Tödliche Sonate« durch musikalische Beiträge mit Textbezug. So stand die Chaconne aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 d-Moll für das Todesmotiv. Dass die Komposition klanglich ein wenig spitz und unruhig herüberkam, war nicht zuletzt der ungünstigen, zu trockenen Saalakustik zuzuschreiben. Bei Arcangelo Corellis Variationen »La Follia« fand Korsakova deutlich besser ins Spiel.

Wie sich herausstellte, schreibt sie ebenso virtuos, wie sie die Violine beherrscht. Die charmante Autorin gab ein Jahr lang weniger Konzerte, um sich dem Buch widmen zu können. Im Gespräch mit Moderator Manfred Merz, Redakteur dieser Zeitung, äußerte sie, besonders gereizt habe sie daran, selbst schöpferisch tätig zu werden, ist sie sonst als klassische Musikerin doch eher Interpretin. In ihrem Krimi verknüpft sie drei Erzählebenen: die des Täters in der Ich-Perspektive, des ermittelnden Commissario Di Bernardo, schließlich in Rückblenden historische Szenen. Spaß gemacht habe ihr, zu versuchen, den Mörder zu verstehen; lang lässt sie offen, um wen es sich handelt.

Die Tat ist derart grausam, dass selbst in dem erfahrenen Kommissar beklemmende Erinnerungen wach werden: Musikagentin Cornelia Giordano wird mit durchgeschnittener Halsschlagader aufgefunden. Als einzige Verwandte erreichen Di Bernardo und sein junger Kollege zunächst Giordanos Nichte Arabella und überbringen ihr die Nachricht. Violinistin Arabella hat das Opfer noch kurz zuvor gesehen. Die Handlung mutet mit den markanten Charakteren recht spannend an; besonders im Gedächtnis haften blieb der messerscharf analysierende Kommissar.

Bewusst befasste sich Korsakova mit einer Sphäre, die ihr von klein auf vertraut ist; man spürte ihre Faszination für das Musikermilieu. Doch nicht nur vom sozialen Umfeld, auch beim Instrument, dem zentrale Bedeutung zukommt, schöpft sie aus dem persönlichen Erfahrungshintergrund. In Rückblenden beleuchtet sie die bewegte Geschichte der unverkäuflichen Violine, die 1716 bei Antonio Stradivari in Cremona entsteht. Korsakova spielt selbst auf einem 1863 gefertigten Nachbau dieses Modells des französischen Geigenbauers Jean Baptiste Vuillaume. Auf der Kopie trägt Arabella beim Gedenkkonzert für ihre Tante ein Werk vor, von dem Korsakova eine gelungene Kostprobe bot: die Variationen über das irische Volkslied »Die letzte Rose« des österreichischen Komponisten Heinrich Wilhelm Ernst. Sinn für geheimnisvolle Schattierungen bewies Korsakova bei einem impressionistisch inspirierten Sonatensatz von Eugène Ysaye. Für den kräftigen Beifall dankte sie mit einer Bach-Gigue als Zugabe.



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