25. April 2013, 21:18 Uhr

Klinikum weist hohen Verlust aus

Gießen/Frankfurt (si). Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) hat im Vorjahr erstmals seit sechs Jahren wieder mit Verlust gearbeitet, und zwar mit dem höchsten seit der Privatisierung Anfang 2006.
25. April 2013, 21:18 Uhr
(Foto: Red)

Einen Fehlbetrag von exakt 8,69 Millionen Euro weist die Bilanz 2012 aus, die der Mutterkonzern, die Rhön-Klinikum AG, gestern in Frankfurt bei einer Pressekonferenz vorlegte (siehe auch Seite 7). Im Jahr zuvor hatte das UKGM noch einen Gewinn von 15,2 Millionen Euro und damit sein bislang bestes Jahresergebnis erzielt.

Zu den Gründen machte Rhön-Vorstandsvorsitzender Martin Siebert keine Angaben – das Unternehmen nennt seit letztem Jahr keine weiteren Einzelkennziffern mehr zu seinen bundesweit 54 Kliniken, auch nicht mehr zur Patientenzahl. Ein großer Brocken des Fehlbetrags dürfte jedoch auf die Zinsen und Abschreibungen zurückgehen, die den Krankenhausneubau in Gießen betreffen – er wurde im vergangenen Jahr erstmals voll in der Bilanz wirksam. Das schlechte UKGM-Ergebnis war laut Siebert sogar einer der Hauptgründe dafür, dass der Konzerngewinn um 43 Prozent einbrach.

An der »unerfreulichen Entwicklung« seien »nicht nur andere schuld«, sagte Siebert, der den Spitzenposten bei dem Konzern im vergangenen Oktober übernommen hatte. Auch die Rhön AG – also der alte Vorstand – habe ihren Beitrag dazu geleistet, ablesbar unter anderem an den häufigen Geschäftsführerwechseln im Klinikum. Das Unternehmen habe die Folgen der Privatisierung unterschätzt.

Ein ausgeglichenes Ergebnis – kein Gewinn, kein Verlust – erwartet der Vorstandsvorsitzende frühestens für 2014. Er sei »optimistisch«, dass man dies schaffen könne, sagte Siebert auf Frage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Das heißt allerdings auch: Für das laufende Jahr geht Siebert beim Universitätsklinikum Gießen und Marburg unverändert von roten Zahlen aus.

Bei der im Januar getroffenen neuen Vereinbarung zum Universitätsklinikum war der Rhön-Vorstand erstmals von seiner Überzeugung abgerückt, dass das UKGM grundsätzlich die gleichen 14 Prozent Umsatzrendite erwirtschaften müsse wie die übrigen Rhön-Kliniken. Das erneute Siebert gestern.

UKGM soll andere Kliniken stärken

Das Uniklinikum biete medizinische Spitzenleistungen an, von denen auch die anderen Rhön-Krankenhäuser profitieren könnten. Mittelfristig solle das UKGM zu einem »medizinischen Drehkreuz« für die Konzernkliniken ausgebaut werden. Das könne zum Beispiel bedeuten, dass Ärzte aus Gießen oder Marburg in andere Rhön-Häuser zur Behandlung entsandt würden, sagte Siebert auf Nachfrage. Die einzelnen Kliniken sollten enger in ein »Netzwerk« eingebunden werden. Der UKGM-Geschäftsführungsvorsitzende Martin Menger, der zugleich Rhön-Vorstandsmitglied ist (und gestern überraschend nicht anwesend war), soll sich laut Siebert künftig im Konzern ganz auf das Uniklinikum Gießen und Marburg konzentrieren (»eine Herkulesaufgabe«, so der Vorstandssprecher.)

Rückkauf der Partikelanlage?

Immer noch ungeklärt ist, wie Rhön die Partikeltherapieanlage zur Krebsbehandlung in Marburg spätestens am Jahresende in Betrieb nehmen will (sonst drohen hohen Schadensersatzforderungen des Landes). Siebert zufolge führt der Konzern derzeit Gespräche mit dem Uniklinikum Heidelberg, das eine ähnliche Anlage schon betreibt. Möglicherweise könne man hier zusammenarbeiten. Rhön sei grundsätzlich bereit, die von Siemens bereits errichtete Anlage zurückzukaufen (Siemens hatte Rhön vor zwei Jahren 87 Millionen Euro Schadensersatz bezahlt, weil die Anlage angeblich nicht wirtschaftlich zu betreiben ist). »Der Zeitplan ist eng«, sagte Siebert, der zum möglichen Kaufpreis keine Angaben machte.



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