03. Februar 2013, 21:28 Uhr

Klinikum: Turbulentes Vorjahr soll abgehakt werden

Gießen (si). Die hinter dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg stehenden Kräfte setzen nach dem konfliktreichen Jahr 2012 auf einen gemeinsamen Neuanfang.
03. Februar 2013, 21:28 Uhr
Medizin-Dekan Trinad Chakraborty begrüßte geladene Gäste aus Wissenschaft, Klinikum Politik und Wirtschaft zum Neujahrsempfang im Chirurgie-Hörsaal. (Foto: Schepp)

Die in der vergangenen Woche unterzeichnete Vereinbarung zwischen Land, Rhön-Klinikum, UKGM und Universitäten biete dafür gute Voraussetzungen, sie müsse nun auch tatsächlich umgesetzt werden – das sagten Vertreter aller Seiten beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Fachbereich Medizin und UKGM am Freitagabend im Chirurgie-Hörsaal. Allerdings wurde auch deutlich, dass das vergangene Jahr seine Wunden hinterlassen hat.

Dies etwa im Beitrag von Dekan Prof. Trinad Chakraborty, der den anwesenden neuen Rhön-Vorstandsvorsitzenden Dr. Martin Siebert vor geladenen Gästen aus Wissenschaft, Klinikum, Politik und Wirtschaft an sein Zitat aus einem erst wenige Monate alten Zeitungsinterview erinnerte. Siebert hatte das UKGM darin als »Wackerstein« im Rhön-Konzern bezeichnet: »Vom Flaggschiff zum Wackerstein. Welch ein Entwicklung!«, sagte Chakraborty.

Den Hauptrede des Abends hielt Prof. Werner Seeger, obwohl er eigentlich nur für ein Grußwort angekündigt und erst kurzfristig auf die Rednerliste gekommen war. Der Ärztliche Geschäftsführer des Klinikums – zugleich einer der herausragenden Hochschulmediziner der Justus-Liebig-Universität – zog nüchtern eine Bilanz der vergangenen zehn Jahre, also über den Zeitpunkt der Privatisierung 2006 hinaus. Offen benannte er zunächst »falsche« Entwicklungen: Etwa die Erwartung des Rhön-Konzerns, dass ein Universitätsklinikum in der Lage sein müsse, die Bauinvestitionen ganz und selbst zu erwirtschaften. Oder dass es die Rentabilität eines beliebigen anderen Krankenhaus aufweisen müsse. Es habe sich gezeigt, dass dies unmöglich sei, sagte Seeger (mit der neuen Vereinbarung hat sich Rhön von beiden Zielen offiziell verabschiedet).

Nur »mäßig gelungen« sei es, die Synergien der Standorte Gießen und Marburg zu nutzen. Auch die Verlässlichkeit sei ein Problem geworden, sagte Seeger mit Hinweis darauf, dass die UKGM-Geschäftsführung Berufungszusagen nicht eingehalten hat. »Wir haben deshalb Professoren verloren«, kritisierte er. Zudem sei die Kommunikation im Hause und nach außen teils mangelhaft gewesen. Und man habe es nicht ausreichend verstanden, die Mitarbeiter zu motivieren.

Anderes sei »richtig gut gelaufen«, sagte Seeger. Er erinnerte daran, dass die Landesregierung die Investitionen am Gießener Klinikum in den 90er Jahren quasi »auf null« zurückgefahren habe. Die Bausubstanz sei marode gewesen. Mit der Privatisierung sei ein komplett neues, hochmodernes Klinikum gebaut worden, das der Standort sonst nicht erhalten hätte. Das UKGM behandele heute 50 Prozent mehr Patienten als 2006. Auch nach anderen Leistungs-, Qualitäts- und Effizienzkriterien stehe es heute besser da. Wenn man die 40 Millionen Euro herausrechne, die das Klinikum jährlich für Zinsen und Abschreibungen erwirtschaften müsse, bleiben ein operativer Gewinn von 25 Millionen Euro. Das sei hervorragend, sagte Seeger.

Lange habe das Klinikum in der Region einem »Anti-UKGM-Netzwerk« gegenüber gestanden. Heute gebe es viele enge Verbindungen mit anderen Häusern. Auch dies sei ein Erfolg. Und nicht zuletzt stehe die mittelhessische Hochschulmedizin in der Forschung sehr gut da. Sie könne auch hier bundesweit – hinter Berlin und München – auf Platz drei vorrücken. Es gebe also genügend Gründe, stolz darauf zu sein, dass man dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg angehöre und hier arbeite, sagte Seeger. Diese »UKGM-Identität« müsse offensiv nach außen getragen werden.

Staatssekretär Ingmar Jung überbrachte die Grüße des hessischen Ministerpräsidenten. UKGM-Geschäftsführungsvorsitzender Martin Menger und Rhön-Vorstandsvorsitzender Martin Siebert räumten ein, dass es »Lernprozesse« gegeben habe, und bekräfttigten, dass jetzt eine gute Grundlage für einen Neustart gelegt worden sei. JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee erinnerte an die gemeinsamen Interessen, die es bei allen Unterschieden gebe – ähnlich einer Patchwork-Familie »mit zwei Schwester-Universitäten und -Medizin-Fachbereichen, einem Mutterkonzern und einem Landesvater«.



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