28. März 2019, 11:00 Uhr

Tierheim

Kleintierhaus statt Knast

Von der ehemaligen Quarantäne für Hunde im Gießener Tierheim werden nur die Mauern stehen bleiben. Das Innere wird sich in ein Kleintierhaus für Vögel, Kaninchen, Reptilien und Co. verwandeln.
28. März 2019, 11:00 Uhr
Aus der alten Hundequarantäne will man im Tierheim ein Kleintierhaus machen. Astrid Paparone hofft auf Spenden. (Foto: Schepp)

Die tristen Zwingeranlagen sind verwaist. Es ist kalt und feucht, die Fliesen schadhaft, die Leitungen defekt. Die frühere Hundequarantäne des Gießener Tierheims ist in jämmerlichem Zustand. Der Tierschutzverein hat vor einigen Jahren ein neues Hundehaus gebaut, das modernen Standards entspricht. Auch die Katzen haben es gegenüber in »Schwaßmanns Garten« gut, dort gibt es Auslauf, Klettermöglichkeiten und Rückzugsorte. Zufrieden zurücklehnen wollen sich die Tierschützer aber nicht. Denn die Unterbringung der Kleintiere war bisher nicht optimal.

Das soll sich ändern. Sie haben den Bauantrag für den Umbau eingereicht. 100 000 Euro soll das neue Projekt kosten. Der Verein hat aber bisher nur 13 000 Euro zurücklegen können. »Wir hoffen auf Spenden und tatkräftige Unterstützung«, sagt Astrid Paparone, die erste Vorsitzende. Derzeit gibt es im Tierheim nur wenig Kaninchen, Meerschweinchen, und Vögel. Man hat einen Großteil an andere Tierheime abgegeben, als man den bisherigen Bau geräumt hat. In Zukunft wollen die Tierschützer den Tieren eine artgerechte Haltung bieten sowie Tierhaltern ein Vorbild sein und Kenntnisse vermitteln.

»Das ist dringend notwendig«, sagt Paparone und seufzt. »Leider werden Kleintiere häufig als Spiel- und Schmusetiere angeschafft. Um die wirklichen Bedürfnisse kümmern sich viele nicht«. Dabei hat die Vorsitzende gar nichts dagegen, wenn Kinder ein Tier zum Kuscheln und Versorgen bekommen. Im Gegenteil, das sei eine sehr schöne und wichtige Erfahrung. Aber Kinder brauchten dabei eine kompetente Anleitung. Die Erwachsenen müssen die Haltung begleiten und Verantwortung übernehmen. Nicht akzeptabel sei es, dass Kaninchen oder Hamster in Kinderzimmern ein freudloses Dasein in engen Käfigen fristeten. Nur zu häufig machten sie eine schnelle Karriere vom heiß geliebten Gefährten zum lästigen und vernachlässigten Anhängsel. Wenn sie nicht vorzeitig das Zeitliche segnen, landen sie oft im Tierheim. »Sie werden ausrangiert wie Spielzeug, das langweilig geworden ist«, bedauert Paparone.

Kleintiere seien in der Wahrnehmung vieler Menschen »Tiere zweiter Klasse«. Nicht so viel wert, schnell ersetzbar. Die Tierschützer möchten dieser Einstellung etwas entgegen setzen. Im neuen Kleintierhaus sollen all die entsorgten Tiere artgerecht leben dürfen. Dazu gehöre bei den meisten eine Gruppenhaltung, aber auch Beschäftigungsmöglichkeiten und ausreichend Platz. Mit Meerschweinchen und Co. hat man im Tierheim schon immer zu tun gehabt. Erst in den letzten Jahren seien immer mehr Reptilien hinzu gekommen. Schlangen und Echsen seien in Mode und auf Reptilienbörsen für wenig Geld zu haben. Doch nach einiger Zeit verlören viele Käufer das Interesse; sie trennten sich von dem Tier. Ein großes Problem sei durch Wasserschildkröten entstanden, die man bis vor einigen Jahren als münzgroße Tierchen für ein paar Euro kaufen konnte. Die erwachsenen Schildkröten würden häufig in Bächen und an Teichen ausgesetzt, wo sie die ursprünglichen Bewohner verdrängten. »Da kommen immer neue Probleme auf uns zu«, sagt Paparone.

Im neuen Kleintierhaus werden etwa 100 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, hängt zum einen davon ab, wann die Baugenehmigung erteilt wird und zum anderen, wie schnell man die benötigte Summe zusammen hat. Der Tierschutzverein sieht sich nicht nur in Sachen Hunde und Katzen in der Pflicht, sondern erachtet jede Kreatur für schützenswert. Paparone: »Wir Menschen tragen Verantwortung – für unsere Haustiere, für Nutztiere, aber auch für Maus und Meerschwein«.

Zusatzinfo

Spenden willkommen

Der Tierschutzverein will eine neue Unterkunft für Kleintiere bauen, die etwa 100 000 Euro kosten wird. Ab 100 Euro erhalten Spender eine Bausteinurkunde. Auf Wunsch werden die Spender auch auf der Spendertafel am neuen Haus genannt. Auch Handwerker, die im Tierheim helfen möchten, sind willkommen. Das Spendenkonto lautet: DE 34 513 500 25 0000 441643.

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