20. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Kleinste Big Band der Welt

Gießen (axc). Mit Gute-Laune-Swing im Stil der 30er Jahre beendeten Marina & the Kats die diesjährige Reihe der beliebten »o-tone Sessions« im Hermann-Levi-Saal des Rathauses. Vor fast ausverkauften Reihen begeisterte die »kleinste Big Band der Welt« aus Wien mit temperamentvollen Liedern aus eigener Feder, aber auch berührenden Balladen. Dazwischen tummelten sich mit dem Stan Kenton/Anita O’Day-Klassiker »And Her Tears Flowed like Wine« eine stilistisch naheliegende und mit »Paradise City« von Guns n’Roses eine eher überraschende Coverversion, letztere ebenfalls in einem von Thomas Mauerhofers Gipsyjazz-Gitarre geprägten Soundgewand.
20. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Schiebermützen und Hosenträger gehören zur Bühnenkleidung des Trios. (Foto: axc)

Chefin ist die zierliche, aber vor Energie berstende Marina Zettl, die mit angenehmer, variabler Stimme singt und dazu das Standschlagzeug spielt, genauer gesagt: die mit Besen auf zwei und vier geschlagene Snare Drum und ab und zu das Becken. Peter Schoenbauer ist für die tiefen Töne zuständig, die er per Fußmaschine einer Basstrommel (auf eins und drei) sowie seinem alten Höfner-Bass (von Paul McCartney bekannt) entlockt. Das Kaufmanns-Und ("&") des Bandlogos prangt auch auf den Holzverkleidungen der Verstärker. Auf Stil achtet die Band auch bei der Bühnenkleidung: Wie eine Mischung aus Bohème (à la Gatsby) und Arbeitskleidung (eines Zeitungsjungen) wirkt das Outfit mit Schiebermützen, hoch sitzenden, weiten Leinenhosen und Hosenträgern. Dass diese Mini-»Big Band« einen E-Bass aus den 60ern verwendet, ist ein Anachronismus, ist auch der Tourneelogistik geschuldet ist – wer will schon einen Kontrabass mitschleppen? – und im Übrigen niemanden stört. Interessant wird es jedenfalls immer, wenn Schoenbauer seinen Höfner wie ein Melodieinstrument spielt, während Gitarrist Mauerhofer dazu den Rhythmus liefert. Immer wieder begeistert dieser auch mit ebenso melodiösen wie virtuosen Soli.
Inmitten vieler flotter Stücke begeistert vor allem »Someday«, ein Schmachtfetzen im Dreivierteltakt, der eigentlich eine Soulnummer ist. Auf den bislang erschienenen zwei Alben gönnt man sich auch mal einen Bläser – »live« übernimmt die quirlige Marina diese Parts per körpereigener Lippentrompete. In einigen Liedern kommt auch der jazztypische wortlose Scat-Gesang zum Einsatz. Ansonsten singt Marina, teilweise durch herrlich simple »Uh«-Backgroundstimmen unterstützt, von Kaffee (auf wienerisch natürlich »Café«), Lieblingssuppen (»Superb«) oder zerbrochenen Freundschaften (»Dirty«).
Den »Kat Walk« widmet Marina ihren »cats«, den Kerlen an ihrer Seite. Und die wahre Liebe der Musiker gilt natürlich der Stadt Wien: »I Fell for You«. Etliche kommen der Aufforderung zum Tanz zu »Snow White« gerne nach, Nichttänzer dürfen in der Zugabe den Backgroundchor liefern. Die letzte Nummer spielt das Trio vor der Bühne »unplugged«. Marina Zettl singt dem gebannten Publikum den Titelsong des Debütalbums »Small« ganz ohne Mikro vor – fraglos der späte Höhepunkt des Konzerts, das der HR aufgenommen hat und am 6. April ab 20.05 Uhr auf HR2 ausstrahlen wird. (Foto: axc)

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