27. Oktober 2019, 17:41 Uhr

Klangstarke Interpretationen

27. Oktober 2019, 17:41 Uhr
Cellist Isang Enders nimmt den Beifall entgegen. (Foto: jou)

Cellist Isang Enders und Pianist Andreas Hering zogen am Samstag beim ersten Winterkonzert im Rathaus bei ihren expressiven Darbietungen am selben Strang und bereiteten intensive Hörerlebnisse. Hering spielte mit ganz geöffnetem Flügel, dies trug zur enormen dynamischen Bandbreite bei; sein Duopartner konnte sich gleichwohl durchsetzen.

Den gelungenen Auftakt markierte Johann Nepomuk Hummels frühromantische Sonate A-Dur op. 104. Enders und Hering verliehen den sangbaren Melodielinien im eröffnenden »Allegro amabile e grazioso« feine Zwischentöne und gefielen mit ihrer weitläufigen, zum Schwelgen einladenden Interpretation. Der sehnsuchtsvolle Ausdrucksgestus fesselte. In drängender Bewegung führte die Musik zu prägnanten Höhepunkten. Vorwiegend entspannt hingegen die Romanze, in der die Künstler die Beschaulichkeit inspiriert einfingen und dazu resolute Passagen wirkungsvoll in Kontrast stellten. Das ebenso virtuos wie finessenreich gemeisterte Rondo-Finale rundete das Vergnügen ab.

Viele Besucher werden vor allem wegen des Beethoven-Schwerpunkts erschienen sein. Zunächst spielte das Duo die späte D-Dur-Sonate op. 102 Nr. 2 und unterstrich im Allegro-Kopfsatz ansprechend die thematische Angriffslust sowie den lakonischen Humor, der sich in überraschenden Wendungen spiegelte. Wie schon bei Hummel gefielen die klangvolle Tongebung des Cellisten und der kernige Anschlag des Pianisten. Der zugespitzte Vortrag riss regelrecht mit.

In ganz andere Dimensionen führte das nachdenkliche Adagio mit empfindsam beleuchteten Gemütsbewegungen. Sehr schön förderte das Duo zutage, wie die Musik im Finale allmählich anläuft und kontrapunktisch strenge Gestalt annimmt. Dabei blieb es der forcierten, aber nie groben Spielweise treu, die es im ersten Satz eingeschlagen hatte.

Moderne Akzente setzte die Salzburger Fassung (1980) von Arvo Pärts Komposition »Fratres« mit ihrer reduktiven, an Glockenklänge erinnernden Struktur. Herkömmliche Zeitvorstellungen sprengend, muteten die beinahe endlosen Variationen wie ein Exkurs in religiöse Sphären an. Erfreulich aufgeschlossen zeigte sich das Publikum und spendete begeisterten Applaus.

Am Schluss stand die große A-Dur-Sonate op. 69 aus Beethovens mittlerer Schaffensphase. Die markante Konturierung und artikulatorische Klarheit beeindruckten gleichermaßen wie zuvor bei dem Spätwerk. Enders und Hering gingen genau aufeinander ein. Beim Scherzo schien die Luft im Saal zu knistern, derart elektrisierend reizten sie die Spannung aus. Die friedvolle Stimmung im Adagio, einem Zwischengebilde aus Einleitung und verkürztem langsamem Satz, hielt nicht lang an, machte alsbald dem lebhaften Allegro-Finale Platz, in dem die Musik wie befreit dahinströmte. Für den kräftigen Beifall dankte das Duo mit dem Andante aus Sergei Rachmaninows Sonate op. 19 als Zugabe.

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