05. Oktober 2017, 06:00 Uhr

Kinderschänder

Kinderschänder bleibt in Haft

Das Landgericht bestätigte am Mittwoch.die mehrjährige Haftstrafe eines Kinderschänders. Der Mann muss auch in eine Entzugsklinik, da Alkohol seine Gefährlichkeit steigert.
05. Oktober 2017, 06:00 Uhr
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Von Steffen Hanak

Das hatte sich der Angeklagte mit Sicherheit anders vorgestellt. Und sein Verteidiger auch. »Ich bin überrascht«, gab Rechtsanwalt Thorsten Marowsky am Mittwoch vor der Neunten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts zu. Er hatte beim Bundesgerichtshof (BGH) Revision eingelegt, weil sein Mandant – ein verurteilter Kinderschänder – im vergangenen September am Gießener Landgericht 5 Jahre und drei Monate Haft wegen sexuellen Missbrauchs kassiert hatte (wir berichteten).

Zwar hatte der 53-jährige Angeklagte eingeräumt, sich an der damals elfjährigen Enkeltochter seiner Lebensgefährtin vergangen zu haben. Dennoch hatte die Verteidigung darauf spekuliert, dass der BGH eine verminderte Schuldfähigkeit des gebürtigen Offenbachers annehmen würde, weil dieser Alkoholiker ist. Dann hätte sich seine Haftstrafe verringert. Doch daraus wurde nichts.

Die Karlsruher Richter bestätigten die Haftstrafe und auch die volle Schuldfähigkeit des Mannes. Einziger Kritikpunkt: Beim Urteilsspruch der Gießener Jugendkammer 2016 sei nicht ausführlich genug begründet worden, warum der Täter auch bis zu zwei Jahre in einer geschlossenen Entzugsanstalt verbringen muss, um seine Alkoholsucht in den Griff zu bekommen.

 

Täter mehrfach vorbestraft

 

Das holten die Richter der Neunten Großen Strafkammer jetzt nach. Ein psychiatrischer Sachverständiger machte am Mittwoch deutlich, wie wichtig es ist, dass der mehrfach einschlägig vorbestrafte Gießener nicht mehr zur Flasche greift. Der Mann habe bereits seit seinem 14. Lebensjahr Alkohol konsumiert. Das sei ein »entscheidender Co-Faktor« für die Übergriffe gewesen. Der Alkohol habe den Angeklagten »enthemmt«, so dass er sich immer wieder an Töchtern oder Enkelinnen seiner Partnerinnen vergriffen hatte.

Dabei sei der gelernte Maler »nur in einer Nebenströmung pädophil«, habe sonst Beziehungen zu erwachsenen Frauen unterhalten. Dass der Täter eine dissoziale Persönlichkeitsstörung aufweise, gefährde den Behandlungserfolg in einer Entzugsklinik nicht. Vielmehr reduziere sich das Risiko weiterer Sexualdelikte erheblich, wenn der Täter nicht mehr trinke. Auch Staatsanwältin Daniela Zahrt forderte, den Gießener in einer Entzugsklinik unterzubringen, »um Kinder vor weiteren Übergriffen zu schützen«.

Was eine solche Tat für die Mädchen bedeutet, schilderte die Mutter des bislang letzten Opfers: Ihre inzwischen 13-jährige Tochter leide an massiven Schlafstörungen und könne nur im Bett der Eltern nächtigen.



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