Stadt Gießen

Kinder sollen Wechsel nicht spüren

Die Aufregung hat sich weitgehend gelegt, doch Unsicherheit herrscht nach wie vor rund um die Kindertagesstätte im Stadtteil Rödgen. »Ich sehe dem Trägerwechsel positiv entgegen«, sagte der Elternbeiratsvorsitzende René Weiss im Jugendhilfeausschuss, »aber die Eltern haben jede Menge Fragen.« Einige Antworten gab es in der Sitzung des Gremiums. Es befürwortete den Zuschlag für die Arbeiterwohlfahrt. Diese sagte »Kontinuität« zu: Personal, Konzept und Bauernhofgruppe sollen möglichst bleiben.
20. September 2019, 21:56 Uhr
Karen Werner
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Für die Kita Rödgen soll es neue Entwicklungschancen geben. (Archivfoto: Schepp)

Die Aufregung hat sich weitgehend gelegt, doch Unsicherheit herrscht nach wie vor rund um die Kindertagesstätte im Stadtteil Rödgen. »Ich sehe dem Trägerwechsel positiv entgegen«, sagte der Elternbeiratsvorsitzende René Weiss im Jugendhilfeausschuss, »aber die Eltern haben jede Menge Fragen.« Einige Antworten gab es in der Sitzung des Gremiums. Es befürwortete den Zuschlag für die Arbeiterwohlfahrt. Diese sagte »Kontinuität« zu: Personal, Konzept und Bauernhofgruppe sollen möglichst bleiben.

Im Mai war der Plan bekannt geworden, die Kita zu privatisieren - das Ortsblättchen »Räärer« hatte für Unruhe gesorgt mit der Behauptung, eine Schließung sei geplant. Die öffentliche Hand stoße inzwischen an eine »Organisationsgrößengrenze«, hatte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich erklärt. Ein freier Träger könnte die zahlreichen Probleme - von Personalmangel bis zu Renovierungsstau - besser lösen. Die Stadt fragte bei den bewährten Partnern an, nur die AWO bekundete ihr Interesse. Informell gab es schon etliche Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Eltern.

Die Kinder sollten den Wechsel gar nicht bemerken, sagte Gaby Nickel, Kita-Fachbereichsleiterin bei der AWO. Auch für alle anderen solle er »möglichst unspektakulär« ablaufen. Ein neues Team mit zusätzlichen Kräften werde das Konzept der »tollen Kita« sicher »weiterentwickeln«, aber nur allmählich. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, »dass Erzieherinnen die Kita verlassen«, ergänzte Weigel-Greilich. Die AWO bietet Tarifgehälter plus Zusatz- und Altersversorgung sowie betriebliche Gesundheitsförderung. Eine Stelle für die Wiederbelebung der brachliegenden Bauernhofgruppe hat die Stadt kürzlich ausgeschrieben.

In seinem Kurzkonzept verweist der Wohlfahrtsverband auf die »sehr gelungene« Übernahme der einst städtischen Kita Ederstraße vor sieben Jahren - die Rödgener Eltern mittlerweile besichtigt haben. In Rödgen sehe man »große Chancen« auch wegen des sehr aktiven AWO-Ortsvereins. Notwendige Sanierungsmaßnahmen sollten »schnellstens mit der Stadt Gießen als Gebäudeinhaber vereinbart« werden. Als Träger von derzeit sechs Einrichtungen, die in den letzten Jahren vielfach ausgebaut wurden, sei die AWO »qualitativ sehr gut ausgestattet«. Nachdem es den Jugendhilfeausschuss passiert hat, wird das Kurzkonzept nun auch den Eltern zur Verfügung gestellt.

Spätestens zum 1. August 2020, möglichst früher, solle die Übergabe wirksam werden, erklärte Weigel-Greilich. Nötig sind dafür ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung und Verhandlungen zwischen AWO und Stadt. Insgesamt gibt es in Gießen rund 60 Kindertagesstätten. Ein Viertel der 3500 Plätze liegt in städtischer Hand.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Kinder-sollen-Wechsel-nicht-spueren;art71,629381

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