03. Oktober 2019, 17:11 Uhr

Keine Ruhe für Römer

03. Oktober 2019, 17:11 Uhr
Linus Geschke liest nicht nur. Er plaudert im Alten Schlachthof auch immer wieder über das Leben als Autor. (Foto: csk)

Viel einsamer geht es nicht. Aber Jan Römer sucht ja auch Ruhe. Er findet sie in einer Holzhütte irgendwo am Thüringer Wald. Anfangs. Denn natürlich steht bald eine blutüberströmte Frau vor der Tür. Und natürlich verspricht »Im Wald der Wölfe«, Teil vier der Jan-Römer-Serie, alles Mögliche - nur keine Ruhe. Als Linus Geschke ihn am Mittwochabend in der »Betabox« im Alten Schlachthof präsentiert, ist er eigentlich zum zweiten Mal beim Krimifestival zu Gast. Vor wenigen Tagen hat der Schauspieler Florian Lukas nämlich aus Geschkes Thriller »Tannenstein« gelesen. Nun übernimmt der Autor selbst und kreiert einen tollen Mix aus Lesung und Autorengespräch.

»Sollten Sie Fragen haben, einfach zwischendurch fragen«, ermuntert er das Publikum gleich zu Beginn. Was nach gutem Service klingt, entpuppt sich als veritabler Arbeitsauftrag. Falle keinem etwas ein, nehme er wahllos jemanden dran, so Geschke. »Wie früher in der Schule.« Die erste Buchpassage verschafft ein bisschen Zeit zum Überlegen. Außerdem setzt sie literarisch den Ton: eine Frau allein im dunklen Wald, kurz davor, mindestens ebenso finstere Geheimnisse zu lüften. Leichen mit eingebrannten Wolfssymbolen auf der Stirn. Knackende Äste, knirschendes Laub und pfeifender Wind. Ruhe stellt man sich irgendwie anders vor.

»Sie rannte um ihr Leben.« So endet der Prolog. Apropos: »Einen Prolog braucht man«, erzählt Geschke. »Unbedingt.« Er selbst sei zwar kein Fan davon, aber praktisch jeder Verlag bestehe drauf. Der Autor besteht darauf, jetzt endlich eine Frage zu bekommen. Also gut: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Als Journalist habe er lange die Idee für ein Buch im Kopf gehabt, sagt Geschke. »Römer« Nummer eins trug er ewig mit sich herum, vollendete 80 Seiten in zehn Jahren. Ein Verlagsvertrag änderte alles. »Für die letzten 300 Seiten hatte ich plötzlich noch acht Monate.«

Fünf weitere Ausschnitte aus dem »Wald der Wölfe« nutzt Geschke, um seine Hauptfiguren vorzustellen. Neben Römer sind dies »der Wolf«, als Täter für das Buch »extrem wichtig«. Und »Mütze«, wie Jans kongeniale Partnerin Stefanie Schneider genannt wird. Düstere Facetten haben offenbar alle Protagonisten, Tiefenschärfe auch. Aus Autorensicht entscheidend sei ihre »Eigendynamik«, erklärt Geschke. Erst recht bei einem Schreiber wie ihm: »Es gibt ganz planvolle und professionelle Autoren - und es gibt mich.«

Zwischen Auftakt und Ende der Story lasse er sich mehr oder weniger treiben. Sobald ihm Jans Ehefrau auf die Nerven ging, musste sie zum Beispiel verschwinden. Ein Mord hätte Jan zum alleinerziehenden Vater gemacht und so die Arbeit für Protagonist wie Literat erschwert. Deshalb sorgte Geschke dafür, dass sich Römer »nur« scheiden ließ. Problem gelöst. Generell müssten Leser die Motive der Figuren nachvollziehen können und ihre Abgründe kennen, meint der Autor. Die Geschichte des Täters beginnt folglich im Kindesalter, ebenso die von »Mütze«.

Im Laufe der Kapitel kommen allerlei Leichen ans Tageslicht - welche aus Fleisch und Blut und solche, die der eine oder andere sprichwörtlich noch im Keller hatte. Es geht um deutsch-deutsche Geschichte, den NSU und anderes mehr. Hört sich verdächtig nach Filmstoff an. Und genau das ist es mittlerweile auch. Drei der vier Römer-Bücher würden demnächst für Sat1 verfilmt, berichtet Geschke dem Gießener Publikum exklusiv. Dann kokettiert er ein wenig. Finanziell bringe das mehr als die Bücher selbst, sagt er. Inhaltlich habe er freilich keine allzu großen Erwartungen. Das Drehbuch sei »okay« und habe, immerhin, »in Teilen noch mit dem Buch zu tun«.

Wer Römer in Reinform möchte, muss weiter zum Buch greifen. Einen fünften Fall wird der Kölner Magazinjournalist mit dem Schwerpunkt »Ungelöste Verbrechen« allerdings nicht mehr knacken. Ob Jan Römer den »Wald der Wölfe« lebend verlässt? Nur so viel verrät Geschke: Mit dem vierten Teil sei die Reihe »auserzählt«.

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