06. Dezember 2018, 22:08 Uhr

Keine Frau muss draußen schlafen

06. Dezember 2018, 22:08 Uhr

Gießen (kw). Für obdachlose Frauen gibt es in Gießen zu wenige Übernachtungsplätze. Trotzdem müsse keine, die sich an offizielle Stellen wendet, draußen schlafen. Das betonte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) im Sozialausschuss.

Immer werde eine Unterkunft gefunden, beispielsweise in einer Pension. Das sei »nicht optimal«, auch weil Frauen ohne Wohnung oft »viele Probleme« hätten und gute Betreuung bräuchten. Genau deshalb seien Container als Übernachtungsmöglichkeiten ungeeignet.

Die Linke hatte die »umgehende Bereitstellung« von mindestens 20 Plätzen gefordert. Eine Möglichkeit seien Wohncontainer nach dem »Hamburger Modell«, sagte die Antragstellerin Martina Lennartz. Unter den in Gießen gemeldeten 200 Wohnungslosen seien viele Frauen, die »stark von Unterdrückung, Gewalt und sexueller Ausbeutung« betroffen seien. Hinzu komme »versteckte« Obdachlosigkeit – Frauen kommen provisorisch bei Bekannten unter.

In solchen Notplätzen ohne professionelle Fürsorge drohe Frauen erst recht Gewalt, meinte die Oberbürgermeisterin. Ines Müller, Leiterin des Amts für soziale Angelegenheiten, ergänzte: Für Männer habe die Stadt gemeinsam mit den Fachleuten vor Ort die Aufstellung von Containern »intensiv diskutiert« – und abgelehnt. »Es herrschte Einigkeit darüber, dass das für Gießen keine geeignete Lösung ist.«

In Notfällen funktionierten »schnelle unbürokratische Lösungen«. Die Einrichtungen tauschten sich regelmäßig aus. Sie seien – gerade in der kalten Jahreszeit – ausgelastet, sähen aber insgesamt keinen Bedarf an zusätzlichen Plätzen.

Ausnahme: Die »Oase« möchte ihre Bettenzahl erweitern, laut Grabe-Bolz um elf Dauer- und zwei Notplätze. Deshalb suche die Anlaufstelle für wohnungslose Frauen größere Räume. Dabei werde sie von der Stadt unterstützt. Schwierig sei die Suche, weil das neue Domizil innerhalb des Anlagenrings liegen solle.

Klaus Dieter Greilich (FDP) warnte vor einer »Sogwirkung« weit über Gießen hinaus, die eine zu großzügige Ausweitung der Plätze haben könnte. Eine Mehrheit lehnte Lennartz’ Antrag schließlich ab, die AfD enthielt sich.

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