Stadt Gießen

Kein Unisaal für umstrittene Boykott-Bewegung

Eine Veranstaltung mit einem bekannten Vertreter der umstrittenen BDS-Bewegung in einem Saal der Universität findet nicht statt. Die Anmietung scheitert an einem banalen Grund.
20. November 2018, 19:30 Uhr
Burkhard Möller

Gegen eine Diskussionsveranstaltung, die am kommenden Samstag im Georg-Büchner-Saal der Universität stattfinden sollte, haben in den letzten Tagen mehrere Gießener und Marburger Organisationen wie die Bündnisse gegen Antisemitismus, die Studentische Initiative gegen Antisemitismus Gießen, die Fachschaft Gesellschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität, Rassismus tötet Gießen, die deutsch-englische Gesellschaft, das AStA-Frauenreferat und das junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Mittelhessen protestiert. In einem von den Organisationen unterzeichneten Offenen Brief ans Präsidium der Universität heißt es, dass ein Auftritt des bekannten BDS-Aktivisten und Israel-Kritikers Shir Hever geplant sei.

BDS steht für die Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions. Kritiker werfen ihr vor, unter dem Deckmantel des humanitären Einsatzes für die Palästinenser das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei BDS um eine »Vorfeldorganisation der Islamischen Republik Iran« handele, heißt es in dem Offenen Brief. Unter anderem wird darauf verwiesen, dass der in Heidelberg lebende Israeli Hever in einem Interview mit dem vom Verfassungsschutz beobachteten Onlineportal Muslim Markt Israel als Staat mit Rassentrennung bezeichnet habe.

Israelis als Israel-Kritiker

Der Protest indes hat sich erledigt, weil die Universität der Vermietung aus rein administrativen Gründen nicht zugestimmt hat und die in dem Brief ans Präsidium erhobenen Vorwürfe inhaltlich daher nicht bewerten musste. Unisprecherin Lisa Dittrich: »Die Veranstaltung findet nicht statt, da die Universität die angefragten Räume nicht zur Verfügung gestellt hat. Auch der Schlüssel ist nicht übergeben worden.« Für die Raumvergabe an einzelne Studierende gebe es ein bewährts Verfahren. In jedem Fall müsse die verfasste Studierendenschaft, also der Allgemeine Studierendenausschuss, einbezogen werden. »Das war hier nicht der Fall«, erklärt Dittrich.

Angefragt wegen einer Vermietung des Georg-Büchner-Saals hatte offenbar eine Performancekünstlerin und Studentin der Angewandten Theaterwissenschaften, die wie der Referent aus Israel stammt und sich dort in ihrer künstlerischen Arbeit mit der Situation der Palästinenser im Westjordanland auseinandergesetzt hat.

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