23. Oktober 2019, 22:47 Uhr

»Kein Tier« stirbt für die Lehre

23. Oktober 2019, 22:47 Uhr
Die Tierschutzbeauftragten der Justus-Liebig-Universität stellten im Uni-Senat ihre Bilanz für 2016/17 vor. (Foto: Schepp)

Mancher Tierarzt bringt den eigenen Hund ins Seminar mit, und der genießt es, beim Abhören vielfach gestreichelt und »betüddelt« zu werden. Auch solche Untersuchungen zählen mit in der Statistik über die »Verwendung« von Tieren in der Lehre an der Justus-Liebig-Universität. Die beiden Tierschutzbeauftragten Dr. Katja Siegeler und Dr. Guido Haschke stellten im Uni-Senat ihren Bericht für die Jahre 2016 und 2017 vor.

Der nun dem Senat vorgelegte Bericht befasst sich ausschließlich mit der Lehre. Und dort habe es in den letzten 15 Jahren erhebliche Fortschritte dank alternativen Methoden gegeben, betont Lierz. Von einem Bewusstseinswandel könne man eigentlich nicht sprechen: Schon in seinem eigenen Studienzeiten vor 30 Jahren habe man über tierersetzende Alternativen diskutiert. Doch mittlerweile gebe es ausgefeilte Techniken - vom dreidimensionalen Video über das Silikonmodell für Injektionen bis zum »Skillslab« mit Tierfiguren, an denen die Studierenden Fertigkeiten wie Intubieren, das Anfertigen eines Blutausstriches oder auch Melken üben können.

Üben am Modell

In vielen Fällen sei es gerade in der Veterinärmedizin unverzichtbar, nach diesen ersten Erfahrungen auch am lebenden Tier zu lernen, so Lierz: »Ein Hunde-Dummy springt dich nicht an und beißt nicht.« Doch viele Lehrveranstaltungen seien für die Vierbeiner »null belastend«. Wo Kadaver von Tieren eingesetzt werden, seien diese nicht eigens für diesen Zweck getötet worden. Sie stammten beispielsweise aus Tierarztpraxen, wo sie wegen Krankheit eingeschläfert wurden, es seien Unfallopfer, oder sie seien in Forschungslaboren aus anderen Gründen getötet worden.

In aller Regel unbeschadet überstünden die meisten der Tiere, die für die starke Zunahme der Zahlen verantwortlich sind, ihren Beitrag zur akademischen Lehre. Es handle sich beispielsweise um Fledermäuse oder Vögel, die von Biologen gefangen, gekennzeichnet und wieder freigelassen werden.

»Kein Lehrender hängt am Einsatz von Tieren«, sagt Lierz. Ganz abgesehen von ethischen Gründen sei auch der Arbeits- und Kostenaufwand für Tierversuche hoch. Die JLU habe, über das Gesetz hinausgehend, zwei Vollzeitstellen für hauptamtliche Tierschutzbeauftragte eingerichtet, die völlig unabhängig arbeiteten.

Das bestätigen die Biologin Siegeler und der Tiermediziner Haschke. Jeder Tiereinsatz werde sorgfältig geprüft und von Behörden genehmigt. An den Zielen »Ersetzen, Reduzieren, Verfeinern« (replace, reduce, refine) werde weiter gearbeitet, auch mit dem »3-R-Zentrum«, das vor zwei Jahren an der JLU mit zwei neuen Professuren seine Arbeit aufgenommen hat.

Nach Ansicht mancher Tierschützer reicht das nicht aus. Im Jahr 2017 sammelte die Tierrechtsgruppe Gießen 5000 Unterschriften und forderte bei einer Demonstration mit weiteren Verbänden einen kompletten Stopp sämtlicher Tierversuche an der JLU.

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