19. September 2017, 19:46 Uhr

Kein Segen für Homosexuelle?

19. September 2017, 19:46 Uhr

Heiraten können nur Mann und Frau, gleichgeschlechtliche Paare sollten nicht dieselben Rechte bekommen: Darauf haben etliche führende Katholiken kürzlich in der Debatte um die »Ehe für alle« gepocht. Die katholische Kirche müsse Homosexualität akzeptieren lernen – in Deutschland, aber erst recht in Ländern wie Rumänien. Das fordern Schüler des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums in zwei Beiträgen zum Geschichtswettbewerb.

Sam Franken blickt zurück auf die Suspendierung des katholischen Dekans in Wetzlar im Jahr 2008. Er hatte ein Männerpaar nach dessen standesamtlicher Trauung im Dom gesegnet. Vom damaligen Limburger Bischof Franz Tebartz-van Elst wurde der Pfarrer daraufhin als Dekan abgesetzt. Alle Gläubigen seien verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebenspartnerschaften Einspruch zu erheben, erklärte das Bistum.

Wenig Verständnis für diese Haltung ließ die Berichterstattung der Medien erkennen, stellt der Zehntklässler fest. So wurde angeführt, dass kurz zuvor der Papst einen Gartenzwerg gesegnet hatte. Und auch Gläubige wandten sich enttäuscht von ihrer Kirche ab: So berichtete die Gießener Allgemeine Zeitung, dass in Krofdorf eine Musicalaufführung kurzfristig abgesagt wurde, weil die Mitwirkenden nicht mehr in der Kirche auftreten wollten.

»Vielleicht sollte sich die Kirche in Zukunft noch mehr auf den Glauben und weniger auf Regeln und Vorschriften fokussieren«, meint Sam. In den neun Jahren seit der Debatte in Wetzlar sei immerhin etwas mehr Offenheit entstanden; auch dank Papst Franziskus und seiner Aussage zu Homosexuellen: »Wer bin ich, über sie zu urteilen?« Sams Fazit: »Wir sind auf dem richtigen Weg.«

Appell: »Lernbereit bleiben«

Viel mehr Einfluss als in Deutschland hat die Kirche in Rumänien. Sie setze sich erfolgreich gegen die Gleichstellung Homosexueller ein. Das erfuhr Julia Follert in Interviews mit zwei jungen Männern, die aus dem osteuropäischen Land stammen. »In Deutschland ist die Kirche eine Institution, in Rumänien eine Macht.« Gesellschaftliche Ächtung drohe nicht nur Schwulen und Lesben, sondern allen, die sich von der Kirche fernhalten.

»Es wird Zeit, dass die Menschen besser informiert werden und sich ihre eigene Meinung über Homosexualität bilden können«, meint Julia. »Doch auch Deutschland muss lernbereit bleiben. Gerade in diesen Zeiten, in denen rechte Stimmen wieder lauter werden, müssen wir aufpassen, dass uns die Werte, die wir hart erarbeiteten, nicht wieder verloren gehen.«

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