Stadt Gießen

Kein Kuschelkurs für Wildtierhalter

250 Jahre sind ein stolzes Alter. So lange haben sich Mitglieder der Familie Probst der Manege verschrieben. Doch gerade in Sachen Tierhaltung bläst den Zirkusbetreibern ein eisiger Wind entgegen. Was der Tierlehrer des Circus Probst, Tom Dieck Jr., nicht verstehen kann. »Deutschland hat im Gegensatz zu anderen Ländern viele sinnvolle Auflagen«, sagte er gestern bei einem Pressegespräch zur Jubiläums-Show. Die wird vom 8. bis 11. November auf dem Messeplatz an den Hessenhallen gezeigt.
06. November 2018, 22:12 Uhr
DHG
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Das Halten und Zurschaustellen von Wildtieren zu verbieten, hält Probst-Tierlehrer Tom Dieck Jr. für falsch. (Foto: Schepp)

250 Jahre sind ein stolzes Alter. So lange haben sich Mitglieder der Familie Probst der Manege verschrieben. Doch gerade in Sachen Tierhaltung bläst den Zirkusbetreibern ein eisiger Wind entgegen. Was der Tierlehrer des Circus Probst, Tom Dieck Jr., nicht verstehen kann. »Deutschland hat im Gegensatz zu anderen Ländern viele sinnvolle Auflagen«, sagte er gestern bei einem Pressegespräch zur Jubiläums-Show. Die wird vom 8. bis 11. November auf dem Messeplatz an den Hessenhallen gezeigt.

Der moderne Zirkus ging in England aus der englischen Pferdedressur im 19. Jahrhundert hervor, sagte Mathijs te Kiefte, Sprecher und Moderator des Circus Probst. Aus England importierte Karl Probst die Idee und gründete 1768 den ersten Circus Probst in Deutschland. 250 Jahre später reist die Probst-Familie, heute vertreten durch Reinhard Probst, durch die ganze Welt. Jedes Jahr heißt es »Manege frei« in über 50 Städten in Europa.

Die Probst-Dynastie beheimatet einen Tierbestand aus über 60 Tieren aus aller Welt, darunter auch Exoten wie Zebras, Kamele und Dromedare. Auch Wildkatzen sind in der diesjährigen Show vertreten. Der 35-jährige Tierlehrer Dieck präsentiert vier Tiger, zwei weiße Löwen und zwei Liger – eine Kreuzung aus Löwen und Tigern.

Handy statt Manege

Doch gerade das Halten und Zurschaustellen von Wildtieren stößt gerade bei Tierrechtsorganisationen auf Kritik. Viele europäische Länder haben diese Praktik bereits verboten. Das findet Dieck falsch. Denn in Deutschland seien die Auflagen sinnvoll – und ausreichend. »Meine Tiere werden alle zwei Wochen geprüft«, sagte er. Im Vergleich: Ein Landwirt lasse seine Tiere jedes halbe Jahr vom Tierarzt prüfen. Dieck betonte: »Tierschutz ist unglaublich wichtig, und wir erfüllen die Anforderungen der Behörden.« Er appellierte an die Kritiker, sich ein eigenes Bild zu machen. »Bei uns hat sich gerade in Deutschland einiges getan, und ich finde es traurig, solche Vorwürfe zu hören.«

Neben dem Programm habe sich auch die Kundschaft in den vergangenen Jahren geändert, sagte te Kiefte: »Wir sehen immer mehr Gäste, die auf ihre Handys anstatt auf die Bühne schauen.« Es sei schwieriger geworden, Besucher in den Zirkus zu locken. Dennoch bleibt te Kiefte zuversichtlich, dass es den Circus Probst auch in Zukunft geben wird. Denn auch das Team habe sich dem Wandel angepasst. Heute wirbt der Zirkus auf allen Social-Media-Plattformen und sieht dies als Innovation seiner Arbeit.

Bis Sonntag ist die Jubiläums-Show »Fantastico« zu sehen. Neben den Wildtieren treten außerdem Akrobaten und Unterhaltungskünstler auf. Das Duo Infinitum formt mit seinen Körpern Skulpturen, Viktor und Viktoria Kosnyrov aus der Ukraine zeigen ihre Jonglage-Künste und Tamara Khurchudova zeigt eine Nummer am Flugtrapez. Zum Zirkus dazu gehören auch Clowns: Slobi und Olga sollen die Zuschauer zum Lachen bringen. Sie bilden den roten Faden bei der zweieinhalb-stündigen Vorstellung, die von einem Live-Orchester begleitet wird.

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