24. Oktober 2010, 19:40 Uhr

Kaya Yanar über die Skurrilitäten des Alltags

Die Kongresshalle droht an diesem Freitagabend aus allen Nähten zu platzen. Es ist kein Sitzplatz mehr frei, und 1180 Zuschauer warten auf ihren Star, als im Saal plötzlich das Licht erlischt. Und dann ist er auch schon da: Kaya Yanar.
24. Oktober 2010, 19:40 Uhr
Immer nah dran am Publikum: Kaya Yanar in der Kongresshalle. (Foto: olz)

Für kurze Zeit wird es mucksmäuschenstill. Doch nicht lange, denn als ein kurzes Intro auf der großen LED-Leinwand auf der Bühne den Comedian ankündigt, bricht tosender Applaus los. Und dann ist er auch schon da: Kaya Yanar, der vor allem durch seine Fernsehsendung »Was guckst Du« bekannt geworden ist, und der jetzt mit seinem Programm »Live und unzensiert« am Berliner Platz gastierte.

Der Multikulti-Satiriker, der längst zur obersten Riege der deutschen Komiker gehört, hat deutlich fühlbar einen Hauch der ganz großen Bühne mit nach Gießen gebracht. Doch das, was landläufig und negativ als Starallüren bezeichnet wird, ist bei Kaya an diesem Abend nicht zu finden. Ganz im Gegenteil, denn schnell wird deutlich, dass hier einer auf dem Podium steht, der einfach sympathisch, lustig und vor allem publikumsnah ist. Das mag eine der Ursachen seines großen Erfolges sein, denn der türkischstämmige Yanar, der ab Januar wieder in einer eigenen TV-Serie bei RTL zu sehen sein wird, ist ein Star zum Anfassen – und ein echter Könner, dessen Humor von witzigen Einfällen, sprachlichem und mimischem Talent und dem besonderen Auge für die kleinen Skurrilitäten des Alltags lebt.

Die berüchtigten Schläge unter die Gürtellinie, mit denen mancher Komikerkollege sein Programm würzt, sind bei Yanar ebenso wenig zu finden wie die Live-Show-Opfer aus den ersten Reihen, die bei Auftritten anderer Comedians oftmals von Anfang bis Ende zur humoristischen Zielscheibe werden. Beides braucht Yanar, der am Freitag im humoristischen Plauderton wie üblich durch die Lebensgewohnheiten verschiedener Kulturen streift, auch nicht. Er hat einfach das besondere Talent, einen prall gefüllten Saal mit seinem ganz eigenen spitzbübischen Humor zu unterhalten, und das macht ihn zur echten Größe.

Ob es nun um die vielen kleinen Pikanterien des Sexuallebens geht, die Eigenheiten unterschiedlicher Sprachen oder einfach das Verhalten im Straßenverkehr in verschiedenen Ländern – immer hat Yanar die Lacher im Saal voll auf seiner Seite. Ein Beispiel? Humorvoll karikiert Yanar die Autofahrgewohnheiten der auf Tempo 120 limitierten Schweizer, um über deutsche Raserei auf das halsbrecherische Fahren im türkischen Istanbul zu kommen, das der Komiker augenzwinkernd pointiert: »Die Stadt schluckt dich, kaut dich und spuckt dich wieder aus.«

Die Zuschauer hängen an den Lippen des Comedians, der sich persönlich auch für den Tierschutz einsetzt, und es ist durchaus nicht gewöhnlich, dass ein Publikum so mitgeht wie am Freitagabend. Der Star weiß das zu schätzen, denn immer wieder geht er auf die Gäste ein. »Lach dich ruhig aus, du hast dafür bezahlt«, sagt er zu einer Zuhörerin, die im Verlauf des Abends einen Lachanfall bekommt und nicht mehr aufhören kann. Und als das Blitzlichtgewitter im Saal kein Ende nehmen will – eigentlich ist den Gästen das Fotografieren während der Show per Aushang untersagt – wirft sich Yanar kurzerhand in Positur, um den Fans ein schönes Bild zu ermöglichen. Insgesamt war es ein großer Spaß mit einem intelligenten Komiker, der die Lachmuskeln rund zwei Stunden lang arg strapaziert hat.

Stephan Scholz

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