14. Dezember 2018, 21:37 Uhr

Oberhessisches Museum

Katharina Weick-Joch ist die neue Herrin im Alten Schloss

Eine gemütliche Wohnung hat sie bereits in Gießen gefunden. Und auch im Oberhessischen Museum fühlt sich dessen neue Leiterin Katharina Weick-Joch angekommen. Wie sie das Museum zur Marke machen will, welche Rolle dabei der knappe Platz spielt und warum sie sich für ihre neue Aufgabe mit allen Wassern gewaschen fühlt, erzählt die 36-Jährige im Interview.
14. Dezember 2018, 21:37 Uhr
(Foto: Schepp)

Was hat Ihr Interesse an Kunst geweckt. Ursprünglich haben Sie doch Anglistik in Gießen studiert?

Katharina Weick-Joch: Ich habe beides parallel angefangen, mit Anglistik als Schwerpunkt. Doch dann habe ich gemerkt, dass ich mit Kunst auch beruflich zu tun haben möchte. Ursprünglich hat eine engagierte Kunsterzieherin mein Interesse geweckt. Meine Schule lag hinter dem Landesmuseum in Hannover, dem Sprengelmuseum, und wir sind in jedem Kunstunterricht wie selbstverständlich dorthin gegangen. Es war wichtig, zu erfahren, dass man auch ohne Vorwissen in ein Museum gehen kann. Wir haben Geschichten erzählt, Postkarten gemalt. Das hat Spaß gemacht – und war nachhaltig.

Sie haben in Gießen und Frankfurt studiert, in Trier dissertiert und an wichtigen Stationen wie Schirn, Städel und den staatlichen Museen in Berlin erste berufliche Schritte unternommen.

Weick-Joch: Als in der Schirn eine Praktikantin gesucht wurde, hat es funktioniert. Ich habe gemerkt, dass meine Art bei den Menschen gut ankommt, dass man sich auf mich verlassen kann und sie gerne mit mir zusammenarbeiten. Als Schirn und Städel gemeinsam verwaltet wurden, hat sich dann alles gefügt.

Sie waren dort in einer sehr besonderen Zeit, in der Ära Max Hollein.

Weick-Joch: Das war eine sehr spannende Zeit. Wenn es um Digitalisierung im Museum geht, schauen auch heute noch alle auf das Städel.

Nach Städel, Schirn, Berlin kommt nun Gießen. Ging es Ihnen auch um die Position einer Museumsleitung?

Weick-Joch: Ja. Beim Vorstellungsgespräch in Berlin hat mich Michael Eissenhauer gefragt, wo ich mich in ein paar Jahren sehe. Ich habe wie aus der Pistole geschossen geantwortet, dass ich Museumsleiterin werden will. Deshalb hatte ich mich auch für ein Volontariat in der Generaldirektion entschieden, was durchaus nicht naheliegend ist, wenn man sich mit Kunst beschäftigen will. Denn dabei hat man doch sehr viel mit Verwaltungsarbeit zu tun. Aber genau das war mein Ziel. In Gießen reizen mich aber auch die spannenden Aufgaben.

Sie sind seit Mitte Oktober im Amt. Wie ist Ihr erster Eindruck vom Ist-Zustand?

Weick-Joch: Es ist eigentlich kein Ist-Zustand, weil sich in den letzten zwei, drei Jahren so viel verändert hat. Es muss viel in die alltäglichen Abläufe im Museum einfließen. Es steht und fällt alles mit der Fläche, damit man überhaupt mit der Sammlung agieren kann. Es gibt bislang nur das Depot am Schlachthof, unser Magazin unterm Dach des Alten Schlosses, wo Schiebewände mit Gemälden und Grafiken gelagert sind, und eine kleine Fläche im Wallenfels’schen Haus. Aber die ist quasi nicht der Rede wert. Es wurde schon viel angestoßen, das ich nun dankenswerterweise vorantreiben kann. Anderes mache ich selbst. Es ist im Moment aus Platzgründen aber etwas schwierig, die Sammlung umzuräumen.

Wie sind Sie in die Neukonzeption des Museums eingebunden?

Weick-Joch: Ich bin mit dem designierten Kulturamtsleiter Stefan Neubacher im guten Gesprächskontakt. Wir wollen das zusammen anpacken und den schon angestoßenen Prozess in enger Zusammenarbeit gemeinsam weiterführen und steuern. Das Museum ist Teil des Kulturamts, eine Außenstelle.

Gibt es ein Objekt im Museum, das Sie besonders begeistert?

Weick-Joch: Mein erster Ausflug in das Außendepot hatte zur Folge, dass ich mir ein Trommelschränkchen (siehe Foto), das wegen der aktuellen Kunstausstellung ausgelagert wurde, unter den Arm geklemmt und in mein Büro gebracht habe. Es wäre zu schade, wenn das im Depot stünde.

Und was würden Sie am liebsten aus dem Museum entfernen?

Weick-Joch: (lacht) Zum Schutz der Objekte würde ich gerne einige Dinge ins Depot verbannen, um sie vor Licht zu schützen. Zum Beispiel hing »Urbs Giessa« lange in den Ausstellungsräumen und kürzlich in der Stadtansichtenausstellung im KiZ. Aber Arbeiten aus Papier sind so empfindlich. Da habe ich große Hemmungen, das wieder so aufzuhängen. Immerhin hat »Urbs Giessa« ein neues Glas bekommen: mit UV-Schutz und entspiegelt. Auch der Corinth ist so empfindlich. Aber das sind eben Highlights. Da muss man sensibel vorgehen.

Und dann gibt es noch viele »Stehrümchen«, auf die man verzichten könnte...

Weick-Joch: Aber auch dafür braucht man Platz. Mit Platz steht und fällt alles.

Sie wollen das Museum zu einer Marke machen? Was heißt das?

Weick-Joch: Das fängt in diesen Tagen an. Mit den für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Kollegen der Stadt werden wir für das Museum Social-Media-Kanäle anlegen, sodass man unter dem Hashtack Oberhessischesmuseum mehr finden kann als bislang.

Wie Max Hollein schon gesagt hat: »Das Museum muss ins Netz!«

Weick-Joch: Ganz genau. Das gehört für mich dazu. Es gibt darüber hinaus auch eine Diskussion, ob der Name Oberhessisches Museum noch zeitgemäß ist. Aber wenn die Leute verstehen, dass hier etwas passiert, spielt der sperrige Name gar keine Rolle. Was dahintersteckt, ist wichtiger, als der Titel.

Wäre es nicht auch wichtig, die drei Museumshäuser schon von außen deutlicher als Museum erkennbar zu machen?

Weick-Joch: Das ist mit dem Denkmalschutz abzustimmen. Das Thema Barrierefreiheit in jeder Hinsicht ist wichtig. Da ist das Hochbauamt aktuell aktiv. Es muss jeder hereingehen und hereinrollen können. Wir haben im Alten Schloss dafür den Behindertenzugang über den Hof. Das ist nicht ideal. Es gibt Überlegungen, wie man das ändern kann. Es ist schön, zu sehen, dass das Museum auf der Prioritätenliste weit oben steht.

Wenn ich mir Ihre Karriere anschaue, lag Ihr Schwerpunkt bislang auf der Malerei. Das Oberhessische Museum hat aber diese Dreiteilung mit Gemälden, Stadtmuseum und einer bunten Sammlung von allem. Wie gehen Sie damit um?

Weick-Joch: (lacht) Sie sagen bunte Sammlung, aber es ist ein Universalmuseum mit regionalgeschichtlichem Hintergrund. Schon bevor ich gekommen bin, wurde ein Sammlungskonzept in Auftrag gegeben. Das ist ein guter Ausgangspunkt. Mit den Zuständigen – Kirsten Hauer und Friedhelm Krause – entwickle ich eine Perspektive für künftige Sammlungsarbeit. Und das wird weiter sehr vielfältig sein: Da gibt es den großen Teil Stadtgeschichte, der extrem wichtig ist und für den das Oberhessische Museum der richtige Ort ist. Der andere Teil sind Kunsthandwerk, Kunst, Ethnologie, Volkskunde. Es ist die Aufgabe eines Museums, das so in der Stadt verankert ist, dass es diese Bandbreite hat. Mein Plan ist es, die Sammlung anhand von Themen zu zeigen, etwa was man aus Epochen zu einem bestimmten Thema finden kann.

Wie ist die Arbeit bei dem schlanken Personalbestand überhaupt leistbar?

Weick-Joch: Tatsächlich arbeiten wir viel mit Externen, eben auch Experten, die man braucht und die man auch gar nicht anstellen könnte, wie Fachleute für Inventarisierung oder Gastkuratoren. Es gibt aber auch Gespräche über eine Aufstockung.

Wird es mehr Führungen geben?

Weick-Joch: Das sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ich über Museumspersonal spreche, ist das, was hinter den Kulissen passiert, für unseren Arbeitsalltag viel wichtiger in puncto Entlastung. Für Führungen haben wir einen Pool an Honorarkräften, die wir beauftragen. Da schauen wir aktuell, was an Führungen gern angenommen wird und was man zusätzlich noch anbieten könnte.

Was können wir künftig an Ausstellungen erwarten?

Weick-Joch: Ich freue mich sehr, dass die dritte Laborausstellung im Museum gezeigt wird. Es geht im Frühsommer um das Thema Stadtidentitäten. Im unteren Ausstellungsraum wird auch ein Laborraum entstehen, der Formate ausprobiert und in dem kleinere Module, etwa zu einzelnen Objekten, im größeren Wechsel ausgestellt werden, sodass Besucher immer wieder Neues sehen können.

Wie viele Ausstellungen wird es pro Jahr geben?

Weick-Joch: Im nächsten Jahr wird es immer wieder einen Blick hinter die Kulissen geben. Im unteren Ausstellungsraum wird auch die THM ihre Modelle für einen Umbau des Alten Schlosses vorstellen, die in diesem Semester entstehen. Neben der Stadtlaborausstellung und dem Laborraum kommt im Herbst auch noch eine vom Museum erarbeitete Ausstellung, in die die Ergebnisse eines Laborgesprächs mit der Archäologin Dr. Vasiliki Barlou zu den ethnologischen Objekten im Museum einfließen werden. Wie ist die Sammlung entstanden? Wie sind Dinge aus der ganzen Welt hierher gekommen? Wie geht man damit um? Um diese Fragen geht es.

Welche baulichen Veränderungen stehen an?

Weick-Joch: Im Moment stehen Überlegungen zum Aufzug, zum Brandschutz und zur Barrierefreiheit an. Da befinden wir uns in gutem Austausch mit dem Hochbauamt

Und wird es einen Anbau an das Alte Schloss geben?

Weick-Joch: Dazu gibt es nichts Konkretes. Schauen wir mal, was die THM-Studenten, die ja ganz frei Ideen entwickeln können, hier an Anregungen bringen.

Was braucht ein Museum, um Sie zu faszinieren?

Weick-Joch: Ich gehe in Museen immer mit dieser beruflichen Brille. Mich fasziniert es beispielsweise, wenn ich sehe, dass Licht bei Objekten oder Bildern toll eingesetzt wird. Auch knackige und gut verständliche Erklärtexte sind mir wichtig. Audio-Guides sind mir nicht so wichtig, auch wenn man mit denen Kinder manchmal leichter mitnehmen kann, aber die müssen dann auch gut gemacht sein.

Wie kann das Oberhessische Museum zu einem zeitgemäßen Museum werden?

Weick-Joch: Ideen, wie man die Sammlung neu präsentieren kann, sind die größte Aufgabe. Wichtig ist auch die Erweiterung in den digitalen Raum, die immer wieder zeigt, dass es im Museum Spannendes zu entdecken gibt. Doch dieser Prozess ist bereits gestartet. Es fehlen noch die baulichen Veränderungen, damit das alles wirksam werden kann. Es ist alles auf dem Weg. Zeitgemäß heißt ja auch, dass eine Sammlung komplett inventarisiert ist.

Wie groß ist Ihr jährliches Budget für die Museumsarbeit?

Weick-Joch: Wie immer: zu wenig (lacht). Aber man kann damit arbeiten. Und wir bekommen vom Museumsbund Zuschüsse zur Ausstellungarbeit oder zur Inventarisierung. Durch das Stadtlabor kommt zusätzlich die Möglichkeit, etwas zu erproben. Auch dieses Budget kommt dem Museum zugute.

Und wie sieht es mit Sponsoring aus?

Weick-Joch: Das versuchen wir im Kleinen. Wir haben auch Freundesvereine, den Oberhessischen Geschichtsverein und die Museumsgesellschaft. Da gibt es Möglichkeiten für Ankäufe oder pädagogische Programme. Diese Unterstützung ist extrem wichtig. Wenn das Museum wieder präsenter wird, kann man seine Fühler weiter ausstrecken.

Dazugehört es auch für Sie selbst, Präsenz zu zeigen.

Weick-Joch: Oh ja, ich rede aktuell den ganzen Tag. 

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