22. Juni 2012, 20:48 Uhr

Kartellamt will sich Kauf von Klinikum »genau anschauen«

Gießen/Düsseldorf (reuters). Das Bundeskartellamt will die Übernahme des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum durch den Fresenius-Konzern genau unter die Lupe nehmen. »Wir werden uns das sehr genau anschauen«, sagte ein Sprecher der Bonner Behörde am Freitag.
22. Juni 2012, 20:48 Uhr

Er signalisierte damit, dass die Kartellwächter eine vertiefte, mehrere Monate umfassende Untersuchung der Übernahmepläne einleiten könnten. Fresenius will zusammen mit Rhön (wie berichtet) den größten deutschen Klinikbetreiber in privater Trägerschaft schmieden. Dass dies bei den Wettbewerbshütern für Bedenken sorgen könnte, hatte Fresenius bereits angedeutet: »Es ist nicht auszuschließen, dass einzelne Klinikstandorte veräußert werden müssen, um die kartellrechtliche Freigabe zu erhalten«, hatte der Konzern bei der Angebotsvorlage für Rhön im April erklärt.

Zu dem Bad Homburger Konzern gehört auch die Helios-Kliniken-Gruppe. Diese verfügt über 75 eigene Krankenhäuser, die Gruppe beschäftigt über 43 000 Mitarbeiter. Helios soll nach den Fresenius-Plänen mit Rhön zusammengeführt werden. Der bisherige Wettbewerber betreibt 53 Kliniken – darunter des Universitätsklinikum Gießen und Marburg – sowie 39 Medizinische Versorgungszentren. Im Vorjahr sind dort rund 2,3 Millionen Patienten behandelt worden. Die neue Gruppe soll einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro einfahren. Fresenius will rund 3,1 Milliarden Euro für die Übernahme zahlen, die entsprechende Offerte läuft. Bis zum 21. Juni seien Fresenius über 36 Millionen Rhön-Aktien angedient worden, das entspricht rund 26,5 Prozent des Grundkapitals, teilte Fresenius im Internet mit. Der Konzern will Rhön laut Angebotsunterlagen aber nur dann schlucken, wenn die Kartellbehörden die Pläne nicht untersagen.

EU-Kommission außen vor

Die Übernahmepläne hätten auch ein Fall für die Brüsseler EU-Kommission sein können, da die Unternehmen die für eine EU-Prüfung mitentscheidende Umsatzschwelle von fünf Milliarden Euro überspringen. Fresenius und Rhön hatten bei der Brüsseler EU-Kommission jedoch beantragt, das Bundeskartellamt ein Auge auf die Pläne werfen zu lassen. Damit sparen sie Zeit. Denn ein Antrag des Kartellamts selbst an die EU-Kommission, die Untersuchung nach Deutschland zu ziehen, hätte wohl eine längere Bearbeitungsfrist nach sich gezogen. Die Brüsseler Wettbewerbshüter hätten die Prüfung durch das Kartellamt nun akzeptiert, der Fall liege dem Kartellamt vor, sagte der Sprecher. Das Kartellamt kann die Pläne freigeben, sie unter Auflagen genehmigen oder gänzlich untersagen.

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