04. Juni 2009, 20:48 Uhr

Karstadt: Städtetag erhebt »kommunale Stimme«

Gießen (mö/pd). Gerhard Möller, der Präsident des hessischen Städtetags, hat Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in einem Schreiben um eine »vorurteilsfreie Prüfung« von Hilfen für den angeschlagenen Handelskonzern Arcandor gebeten.
04. Juni 2009, 20:48 Uhr
»Mein Karstadt soll bleiben«: 35 000 Unterschriften für den Erhalt des Gießener Warenhauses übergaben Geschäftsführer Lothar Schmidt (r.) und Betriebsratsvorsitzender Günther Haas (l.) gestern an Städtetagspräsident Möller (2. v. l.) und Gießens OB Haumann. (Foto: Schepp)

Gießen (mö/pd). Gerhard Möller, der Präsident des hessischen Städtetags, hat Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in einem Schreiben um eine »vorurteilsfreie Prüfung« von Hilfen für den angeschlagenen Handelskonzern Arcandor gebeten. Dies bestätigte der Fuldaer Oberbürgermeister am Donnerstag nach einer Sitzung von Präsidium und Hauptausschuss in Gießen. Am Rande der Beratungen der Städtetags-Gremien übergaben der Gießener Karstadt-Geschäftsführer Lothar Schmidt und Betriebsratsvorsitzender Günther Haas an Möller und Gießens Stadtoberhaupt Heinz-Peter Haumann 35 000 Unterschriften von Kunden des Warenhauses im Seltersweg.

Er habe sich - gemeinsam mit den Vorsitzenden der im Fuldaer Stadtparlament vertretenen Fraktionen - nicht nur als Oberbürgermeister seiner Stadt an von Guttenberg gewandt, sondern »bewusst auch als Präsident des Städtetags«, unterstrich Möller. Schließlich gebe es in Hessen elf Karstadt-Standorte. Für Möller ist die »Bedeutung der Warenhäuser für das Funktionieren der Kernstädte« unbestritten. Daher müsse sich der Städtetag als »kommunale Stimme« einschalten, damit die Politik auf anderen Ebenen »in einem geordneten Verfahren« zu einer Lösung für Karstadt kommt.

Wie in Gießen gibt es auch in Fulda zwei Filialen von Karstadt und Kaufhof. Und wie in Gießen ist man auch in der Osthessen-Metropole dabei, das Umfeld der Warenhäuser baulich aufzuwerten, berichtete der CDU-Politiker.

Ob alle Filialen zu retten sind, steht allerdings mehr und mehr in Frage, nachdem sich gestern die Anzeichen verdichteten, dass der Handelskonzern Metro mit seiner Warenhauskette Kaufhof die Warenhäuser von Arcandor übernimmt. Für die jeweils kleineren Häuser an den Doppelstandorten könnte das das Aus bedeuten. Im Fall von Gießen wäre das die derzeitige Kaufhof-Filiale an der Bahnhofstraße, deren Fortbestand derzeit ohnehin vom Konzern geprüft wird.

In die Debatte um Karstadt schaltete sich gestern auch nochmals SPD-OB-Kandidatin Dietlind Grabe-Bolz ein und kritisierte CDU-Mitbewerber Haumann als zu passiv in der Angelegenheit. Allein in Gießen stünden schließlich über 500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. »Es lohnt sich, für jeden Einzelnen zu kämpfen«, schreibt Grabe-Bolz.

Welcher enorme Druck derzeit auf den Mitarbeitern des Warenhauses lastet, hatte gestern noch einmal Beriebsratsvorsitzender Haas im AZ-Gespräch unterstrichen. »Die Belegschaft will jetzt endlich eine Entscheidung haben.« In den vergangenen Wochen hätten die Mitarbeiter »unheimlich motiviert und engagiert« für den Erhalt des Karstadt-Standorts gekämpft und hätten dabei eine überwältigende Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren. »Keine Filiale hat auch nur annähernd so viel Zuspruch von den Kunden bekommen«, so der Gießener Betriebsrat. Und in keinem Karstadt-Haus hätten sich in der vergangenen Woche so viele Mitarbeiter auf den Weg zur Großkundgebung nach Berlin begeben (mehr zum Thema im Politikteil).

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