14. Februar 2017, 20:25 Uhr

Kaderschmiede LZG

14. Februar 2017, 20:25 Uhr
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Von Karola Schepp
Anna-L. Heid

Gießen (gl). Manuel Emmerich ist heute für Vertrieb und Presse im Göttinger Wallstein Verlag zuständig, Karina Fenner seit 2015 Mitarbeiterin im Team von Voland & Quist in Dresden und Madelyn Rittner hat mit Beginn dieses Monats die Stelle als Geschäftsführerin des Hessischen Literaturrats übernommen. Sie alle haben ihr Literaturbetriebshandwerk im Literarischen Zentrum Gießen gelernt und hier jene Kontakte geknüpft, die ihnen auf ihrem weiteren beruflichen Weg beste Chancen ermöglicht haben.

Dass sich das LZG in seinen acht Jahren zur »Kontaktmaschine« entwickelt habe und schon wiederholt Programmleiter von Verlagen abgeworben wurden, »ist Fluch und Segen zugleich«, beschreibt Vorsitzender Prof. Sascha Feuchert das Dilemma. Gießen sei so einerseits das lebende Gegenbeispiel zur viel diskutierten Krise der Germanisten, andererseits leide unter dem häufigen Wechsel an zentraler Position die Kontinuität der Arbeit im LZG. »Wir werden da etwas ändern müssen«, sagt Feuchert. Aktuell wird der de facto Fulltime-Job der Programmleitung aus Hilfskraftmitteln der Universität (Fachbereich 05) finanziert und das LZG mit seinen 230 Mitgliedern »legt was drauf. « Langfristig solle die Stelle aber so strukturiert sein, dass sie die Programmleiter auch in die Lage versetze, langfristig zu bleiben.

Viele Besucher

Auch wenn der Jobwechsel von Madelyn Rittner scheinbar schnell vonstatten ging, wusste der LZG-Vorstand bereits seit November vergangenen Jahres davon, dass die Programmleitung wieder einmal neu zu besetzen ist. Als »natürlicher Kandidat« wurde Anna-Lena Heid angesprochen, die bereits seit einigen Jahren mit dem Literarischen Zentrum verbunden ist und hier als Praktikantin einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Die 25-Jährige aus Schotten hat von 2012 bis 2015 in Gießen ein Bachelorstudium im Studiengang »Sprache. Literatur, Kultur« mit den Studienfächern Germanistik und »English Language, Literatur und Culture« absolviert. Sie hat aber auch eine duale Ausbildung zur Werbetexterin in Düsseldorf absolviert. Aktuell befindet sie sich im Masterstudium der Germanistik an der Gießener Universität. Sie hat außerdem ein halbjähriges Praktikum im Bereich Eventmanagement beim Hessischen Rundfunk absolviert und als studentische Hilfskraft von Sascha Feuchert und an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur gearbeitet. Beste Voraussetzungen also, um die Programmleitung des Literarischen Zentrums zu übernehmen.

Erstmals wird die Programmleitung von jemand ausgefüllt, der noch voll im Studium steht. Doch Heid und Feuchert sind zuversichtlich, dass diese Aufgabe zu stemmen ist, zumal die Programmdichte von zwölf auf neun Veranstaltungen pro Halbjahr reduziert werden soll. Zum Aufgabenbereich gehören das Planen und Organisieren von Veranstaltungen in enger Abstimmung mit dem Vorstand, die Finanzen, Förderanträge, Vereinsleben, Zusammenarbeit mit der Presse sowie das Pflegen von Homepage, Facebook und Twitter. Pro Semester betreut Heid außerdem ein Seminar des Fachbereichs Germanistik mit, schließlich ist das LZG für den Fachbereich auch Ausbildungszentrum im Literaturbetrieb und nimmt immer wieder Praktikanten und Volontäre auf – angesichts der branchenüblichen Wartezeit von über zwei Jahren auf ein Praktikum bei einem großen Verlag und der schon für ein Praktikum geforderten Berufserfahrung quasi ein »Sechser im Lotto« für Germanisten.

Dem kommenden Halbjahresprogramm des LZG wird Heid noch nicht ihren persönlichen Stempel aufdrücken können, da bereits alle Vereinbarungen getroffen sind. In Zukunft will sie die Verbindung mit dem Fachbereich 05 weiter stärken, der Kinder- und Jugendliteratur mehr Raum bieten und »der Rest wird sich entwickeln.«

Feuchert, der am Dienstagabend bei der Jahreshauptversammlung als LZG-Vorsitzender bestätigt wurde, freut sich über den Stellenwert, den sich das LZG im Literaturbetrieb erarbeitet hat. Gießen sei derzeit »die aufregendste Stadt in Sachen Literatur« habe es kürzlich auf einer Messe geheißen. Und auch die Lesungen würden mit durchschnittlich 70 Besuchern sehr gut angenommen: »Davon träumen andere Kollegen.« Das Literarische Zentrum habe seine Aufgabe als Impulsgeber bestens erfüllt. Daher sei auch die Reduzierung auf neun Veranstaltungen pro LZG-Programmhalbjahr kein Problem. (Foto: gl)



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