28. April 2010, 16:02 Uhr

Kabarettist Michl Müller in der Kongresshalle

Freunde erstklassigen Kabaretts kamen am Dienstag auf ihre Kosten, denn im Rahmen des Programms »Jetzterstrecht«, mit dem Michl Müller in der Kongresshalle gastierte, blieb im wahrsten Sinne des Wortes kein Auge trocken.
28. April 2010, 16:02 Uhr
Michl Müller bietet satirische Kost. (Foto: olz)

Von der ersten Minute an bogen sich die etwa 200 Zuhörer wahrhaft vor Lachen in ihren Sitzen, und das hat seinen guten Grund.

Denn der sympathische Komiker, der mittlerweile mehr als zehn Jahre Bühnenerfahrung hat und unter anderem durch seine Fernsehauftritte im Bayrischen Rundfunk bekannt ist, hat bei seinem hiesigen Auftritt nicht nur einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Geradezu mustergültig hat er vielmehr demonstriert, wie qualitativ hochwertige Satire funktioniert, und der Vergleich mit der Arbeit des Chirurgen drängt sich förmlich auf: Scharf wie ein Skalpell arbeitet sich der Witz des scharfzüngigen Franken zu den Diskussionsthemen des öffentlichen Lebens vor, um sie anschließend genüsslich humoristisch unter Beschuss zu nehmen. Allen »Opfern« - beispielsweise Politikern oder Kirchenführern - bleibt im Grunde genommen nichts anderes übrig, als in Deckung zu gehen, denn Müller ist nicht einfach nur auf der Jagd nach Kalauern.

Schonungslos, ironisch und schwarzhumorig treibt er ihr Tun überzeichnet auf die Spitze. Dabei wird Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle, der das Schneeschaufeln von Hartz-IV-Empfängern empfohlen habe, als längst kein Schnee mehr lag, schon mal zur »neoliberalen Ukulele«. Ob Margot Käßmann, die nach ihrer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von ihrem Amt als Ratsvorsitzende der deutschen Evangelischen Kirche zurücktrat, ein schlechtes Vorbild für die Jugend ist? Keineswegs, frotzelt Müller, denn über die 1,54 Promille lachten junge Leute heute bloß. Die deutsche Jugend saufe, witzelt der Comedian weiter, auch und vor allem, um sich auf die Bundeswehrzeit vorzubereiten.

Und auch der Papst, von dem viele direkte Äußerungen zu den deutschen Kindesmissbrauchsfällen erwartet hätten, bekommt ironisch sein Fett weg. Mit schwarzem Humor mutmaßt der fränkische Komiker, dass Benedikt XVI. sich nicht äußere, weil er womöglich in einem Zeugenschutzprogramm sei, wofür ja auch die Namensänderung von Joseph Ratzinger in Benedikt spreche.

Alles in allem ein rundum gelungener Abend für die Freunde zünftig-deftiger satirischer Kost, der einmal mehr gezeigt hat, dass wirklich erstklassige Comedie - ob man Müllers Zuspitzungen nun folgen mag oder nicht - mehr ist als einfache Pointen-Treibjagd. Sie sollte vielmehr zum Nachdenken über gesellschaftliche Themen anregen, und da Müller diese Forderung voll erfüllte, hat er an dieser Stelle das höchstmögliche Prädikat verdient. olz

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