21. Juni 2019, 22:22 Uhr

Junge Kunst in alten Mauern

21. Juni 2019, 22:22 Uhr
Die Arbeit von Ulrike Markus hört auf den Namen »zungenbruchmundgeruch«. (Foto: dkl)

Der Untere Hardthof ist während der zweiten Giennale ein intensiv genutzter Ort für die bildende Kunst. Am Freitagnachmittag fand der Aufbau in den Gewölbekellern statt; einen letzten Feinschliff erhielt auch die Galerie.

In der Hardthof-Galerie zeigen zwei Studenten der HfBK Offenbach ihre Werke. Von Stefan Thürck sind es großformatige Gemälde unter dem Titel Weltherrschaft und Alltag. Von Matthias Weinforter eine Dachtreppen-Installation und zwei Großfotos. Die beiden beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Reibungsflächen und emotionalen Krisen. Da sind Bilder vom Zugriff der Staatsgewalt und von großer Einsamkeit. Auch die Leiter als Symbol des Entkommens und sich einen Überblick verschaffen führt hier eher ins Leere. Kunst zwischen Popart und Neo-Expressionismus, zwei junge Männer auf der Suche.

Im Hardthof-Gewölbekeller werden vier der Räume von jungen Künstlern genutzt. Die beiden Studentinnen vom Gießener Institut für Kunstpädagogik waren erst kürzlich hier mit ihren Abschlussarbeiten zu erleben. Walerija Beitmann zeigt noch einmal ihre fragile Brücke, mit der sie an die jüdische Vergangenheit erinnern will. Verena Franke kooperiert erstmals mit Luca Hofmann, der den Soundmix aus erhabener Geigen- und Chormusik beitrug. Franke schuf für ihre Lichtkästen digitale Fotomontagen, die motivisch an die katholische Heiligendarstellung anknüpft, aber heutige junge Frauen zeigen. Vor dem großen zentralen Bild steht auch noch ein improvisierter Altar mit Kerzen, eine ironische Anspielung an die Selbstinszenierung von Popstars.

Ulrike Markus, ebenfalls von der HfBK Offenbach, nennt ihre fragile Arbeit ›zungenbruchmundgeruch‹. Das klingt eher unangenehm, zu sehen ist aber eine ästhetische Rauminstallation aus Porzellanstücke, die von der Decke hängen. Getrocknetes Porzellan in Form großer Zungen, die auch mal herunterfallen könnten. Das Risiko geht sie ein. Dazu kommt ein Sound aus Interviews, in dem Menschen nach alltäglichem Ärger befragte. Der vierte Raum wird von dem Duo Sina Berger und Benedikt Helmer genutzt. Eine Installation aus riesigen halben Röhren. ›Wohin die Zeit vergeht‹ heißt die dazugehörige Performance, bei Flüssigkeiten und Pulver durch den seltsamen Apparat zusammen geführt werden. Während der Ausstellungswoche wird das Experiment weitergehen.

Die Ausstellungen im Keller werden die ganze Woche zwischen 17 und 20 Uhr zu besuchen sein. Die Performance finden am heutigen Samstag, 22. Juni, sowie Donnerstag und Freitag, 27./28. Juni statt. Die Ausstellungszeiten der Galerie sind mit 15 bis 19 Uhr angegeben.

Am Samstagnachmittag gibt es ein großes Sommerfest im Festivalzentrum Prototyp (Georg-Gail-Straße 5). Um 15 Uhr ist Eröffnung der Installation des Künstlerkollektivs Galaktikon (Grünberger Straße 22), danach um 16 Uhr im Kunstverein (Ecke Nahrungsberg) das Künstlergespräch mit Philipp Hennevogl, abends ist er DJ in Pit’s Pinte.

Bereits eröffnet wurde im Keller des Prototyp die Installation von Dirk Zschokke. Am Sonntag um 11 Uhr ist Vernissage in der Galerie Reinhard in Lützellinden (An der Schule 4): Drucke und Hinterlassenschaften von Almut Schildberger. Anschließend gibt es dort ein Jazz-Konzert des Trios um Frank Warnke.

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