15. September 2010, 20:34 Uhr

Jugendamt informiert über Unterhalt und Sorgerecht

Gießen (kw). Das Paar beugt sich über das Baby, liebevoll blicken sich Eltern und Kind in die Augen. »Vaterschaft klar? Sorgerecht geordnet? Unterhalt geregelt?«, steht darüber. Diese Fragen stünden für die meisten junge Eltern natürlich nicht im Mittelpunkt. Doch sie könnten manchmal wichtig werden.
15. September 2010, 20:34 Uhr
An Geld und Rechte denken junge Eltern vielleicht nicht als erstes. Doch sie spielen oft eine Rolle - das ist die Botschaft der neunten Postkarte in der Serie des Jugendamts.

Gießen (kw). Das Paar beugt sich über das Baby, liebevoll blicken sich Eltern und Kind in die Augen. »Vaterschaft klar? Sorgerecht geordnet? Unterhalt geregelt?«, steht darüber. Diese Fragen stünden für die meisten junge Eltern natürlich nicht im Mittelpunkt. Doch sie könnten manchmal wichtig werden. Antworten gebe es in solchen Fällen kostenlos bei Fachleuten im Jugendamt. Das ist die September-Botschaft in der Postkartenaktion der städtischen Behörde. Auf so genannte Beistandschaften macht die neunte Karte aufmerksam, die in den nächsten Tagen verteilt wird.

Beistandschaften gibt es erst seit der Reform des Kindschaftsrechts 1998, erläuterte die Mitarbeiterin Iris Manthey beim Pressegespräch, an dem auch Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und der stellvertretende Jugendamtsleiter Holger Philipp teilnahmen. Bis dahin erhielt jedes unehelich geborene Kind zunächst eine so genannte Amtsvormundschaft. Heute liegt es bei der Mutter - oder, wenn das Kind bei ihm lebt, beim Vater -, beim Jugendamt eine Beistandschaft zu beantragen. Dies gilt auch für Verheiratete in der Trennungsphase. Dabei geht es in der Regel um Unterstützung bei der Durchsetzung der Unterhaltsansprüche für das Kind. Allen Betroffenen steht die Beratung rund um Unterhalt, Vaterschaft und Sorgerecht offen.

Sie und ihre beiden Kollegen seien stets bemüht, möglichst zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen, betont Manthey. Die Hilfe des Jugendamts reiche aber auch bis hin zum Gerichtsverfahren. Ziel sei, dass Konflikte möglichst nicht zu Lasten des Kindes gehen.

»Die Arbeit im Bereich Beistandschaften und Vormundschaften ist zwar nicht für plakative Schlagzeilen geeignet, weil sich dahinter immer viele persönliche Schicksale verbergen«, so Weigel-Greilich, »gleichwohl ist diese Aufgabe eine wichtige Säule des Jugendamtes. Denn jede Regelung, die getrennte Eltern oder alleinerziehende Elternteile unter unserer Mithilfe bei strittigen Unterhalts- und auch Vaterschaftsfragen treffen, hilft dem Kind. Kinder sind die - auch materiell - Leidtragenden in solchen Konflikten. Es ist daher Aufgabe und Verantwortung des Jugendamtes, sich im Sinne der Kinder parteiisch für klare Regelungen einzusetzen.«

Aktuell begleitet das Sachgebiet rund 600 dieser sogenannten Beistandschaften. Dabei werden etwa 500 000 Euro an Unterhaltsforderungen an die Berechtigten weitergeleitet. Hinzu kommen Beträge, die nach Berechnungen der Behörde direkt zwischen den Eltern bezahlt werden.

Auch Unterhaltsansprüche über Ländergrenzen hinweg seien heute oft durchzusetzen, so Manthey. Wenn ein amerikanischer Vater früher in die USA zog, ohne eine Adresse zu hinterlassen, »wurde die Akte in den Schrank gehängt«. Im Zeitalter des Internet sei er oft aufzuspüren, zumal sich um solche Fälle Experten vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht kümmern, die bundesweit für alle Jugendämter tätig sind.

Wie stellt man fest, welche Regelung »im Interesse des Kindes« ist? Jede Familie werde individuell betrachtet, unterstreicht Iris Manthey. Dabei helfe die enge Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern im Jugendamt. »Hin und her diskutiert« werde auch innerhalb der Behörde die Frage der Rechte von unverheirateten Vätern. Sie sollen nach zwei Grundsatzurteilen demnächst gestärkt werden. Noch ist unklar, ob dann das gemeinsame Sorgerecht der Regelfall wird oder ob das ein Vater bei Gericht beantragen muss. Zur Zeit steht den Männern als Zwischenlösung diese Möglichkeit offen. Dass er überhaupt der Vater ist, wird ebenfalls in der Abteilung festgehalten. Alleine in diesem Jahr nimmt das Amt hochgerechnet rund 450 Beurkundungen vor.

Wer in Gießen lebt und Fragen zum Thema Beistandschaft, Vaterschaft oder Beurkundung hat, kann sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes wenden: Tel. 06 41/306-13 77 oder E-Mail: jugendamt@giessen.de.

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