08. November 2019, 22:01 Uhr

Jugendamt braucht mehr Geld

08. November 2019, 22:01 Uhr

Die Zahl der Betreuungsplätze für Kleinkinder wächst weiter. Und Alleinerziehende erhalten, wenn der Vater oder die Mutter keinen Unterhalt bezahlt, nun länger einen Vorschuss von Amts wegen. Diese für Familien erfreulichen Entwicklungen kosten viel Geld. Für das laufende Jahr hat das Jugendamt zwei sogenannte überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 1,12 Millionen Euro beantragt. Für den Haushalt 2020 sind einige zusätzliche Stellen vorgesehen. Außerdem sollen Erzieherinnen, die in städtischen Kindertagesstätten Vertretungen übernehmen, künftig unbefristet angestellt werden. Sparen kann das Jugendamt wegen der abnehmenden Flüchtlingszahlen bei der Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger.

Eine satte Million mehr als die veranschlagten 6,6 Mio. Euro war für Kitas freier Träger nötig, erklärte Amtsleiter Holger Philipp im Jugendhilfeausschuss. Unter anderem sei der Platzausbau unerwartet schnell vorangeschritten. Schwer zu kalkulieren gewesen seien außerdem die Folgen der vom Land eingeführten kostenlosen Kita (sie gilt in Gießen nur für Plätze bis 30 Wochenstunden) und der städtischen Neuordnung der Gebühren.

Die Ausgaben dafür seien ebenso gesetzlich vorgeschrieben wie der Unterhaltsvorschuss, den das Amt nun auch für Jugendliche über zwölf Jahre übernimmt. Gut 2,5 Mio. Euro standen dafür im Haushalt 2019, gebraucht werden 120 000 Euro mehr. Die Zahl der betreuten Fälle sei unvorhersehbar stark gestiegen von 883 im Januar auf 962 im August, so die Begründung.

Unbefristete Verträge für »Springer«

Beide Vorlagen hat der Magistrat in dieser Woche genehmigt. Nun werden sie im Stadtparlament beraten.

Dort wird auch der Haushalt 2020 beschlossen, für den das Jugendamt mehr Geld beantragt hat als ursprünglich geplant. So soll das Amt eine weitere Stelle für die Bearbeitung des Unterhaltsvorschusses erhalten. Außerdem soll ein eigener EDV-Experte eingestellt werden, da sich die Stadtverwaltungsfachkräfte laut Philipp mit der Spezialsoftware zu wenig auskennen.

Erzieherinnen sind allerorten begehrt und bewerben sich nicht für unattraktive befristete Stellen: Wegen dieser Erfahrung will die Stadt nun für ihre eigenen Kitas fünf Vertretungen unbefristet anstellen. Sie springen beispielsweise bei Elternzeit oder Langzeiterkrankung der festen Kräfte ein. Gebraucht würden sie ständig irgendwo, erläuterte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne). Derzeit seien zehn Stellen unbesetzt, was bei den verbleibenden Kolleginnen und Kollegen zu Mehrbelastung und einem erhöhten Krankenstand führe.

Für den Fachausschuss Kinderbetreuung bemängelte Gaby Nickel von der Arbeiterwohlfahrt, dass dieses Vorhaben nicht vorab diskutiert wurde. Weigel-Greilich betonte, auch freie Träger könnten Vertretungskräfte einstellen. Bei Engpässen helfe die Stadt.

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