13. November 2018, 09:16 Uhr

Falsche Werber

Johanniter warnen: Angstmache im Seltersweg Gießen

Eine Werbekolonne verbreitet im Gießener Seltersweg derzeit falsche Informationen über die Luftrettung. Die Johanniter warnen.
13. November 2018, 09:16 Uhr
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Von Burkhard Möller , 2 Kommentare
Keine Sorge: »Christoph Gießen« transportiert im Notfall auch jeden gesetzlich krankenversicherten Patienten. (Foto: mö)

Der junge Motorradfahrer ist über die Leitplanke geschleudert und dabei schwerstverletzt worden. Aber der Rettungshubschrauber, den Ersthelfer und Leitstelle angefordert haben, bleibt am Boden, weil das Unfallopfer keine Zusatzversicherung für die Luftrettung hat. Mit solchen Horrorszenarien ziehen seit Jahren Werber für das Unternehmen Medical Air Ambulance von Haustür zu Haustür und durch deutsche Fußgängerzonen. Am Freitag waren sie in Gießen unterwegs. »Mir wurde erzählt, die Luftrettung in Deutschland wird privatisiert, da müsse man rechtzeitig Vorsorge treffen«, berichtete ein GAZ-Leser, der an einen der Werber geraten war.

Nach seinen Angaben handelte es sich um fünf junge Männer, die versucht hätten, Passanten als Mitglieder für die Medical Air Ambulance zu werben. Als er Fragen gestellt habe, seien die Werber misstrauisch geworden und hätten patzig reagiert. »Einen Infostand hatten die nicht, die sind einfach so da rumgelaufen«, sagte der GAZ-Leser.

 

Masche im Kreisgebiet ausprobiert

Für Marco Schulte-Lünzum von der Johanniter-Unfall-Hilfe, die an der Margaretenhütte das Luftrettungszentrum betreibt, sind solche Rückmeldungen nicht neu. Ende September warnten die Johanniter in einer Pressemitteilung vor dem »dubiosen Unternehmen«. Seinerzeit waren Werber der Medical Air Ambulance im Kreisgebiet unterwegs und warben an der Haustür mit der gleichen Angstmache-Masche um Mitglieder. »Dieses Unternehmen verkauft Auslandskranken- und Rücktransportversicherungen. Das ist nicht verboten. Unseriös wird es, wenn dabei mit falschen Informationen über die Luftrettung gearbeitet wird«, erklärt Schulte-Lünzum am Montag.

Von dieser Art der Mitgliederwerbung distanzieren sich die Johanniter ausdrücklich. »Jeder Bürger hat Anspruch auf Luftrettung. Die Notwendigkeit im Einzelfall liegt im Ermessen der Leitstelle. Entscheidet diese, einen Hubschrauber zu entsenden, übernimmt im Anschluss die jeweilige Krankenkasse die Kosten – genau wie beim bodengebundenen kostenfreien Rettungsdienst auch«, betont Schulte-Lünzum.

Eine schriftliche Anfrage an das Unternehmen mit Sitz in Rheinland-Pfalz, ob am Freitag Mitarbeiter in Gießen Mitgliederwerbung betrieben haben, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die Polizei konnte die Angaben des GAZ-Lesers insoweit bestätigen, dass eine Streife des Freiwilligen Polizeidienstes am Freitag gemeldet habe, dass fünf Personen in der Fußgängerzone Flugblätter oder etwas ähnliches verteilt hätten, sagte Polizeisprecher Jörg Reinemer.

Ob dem städtischen Ordnungsamt  für Freitag ein Antrag der Medical Air Ambulance auf eine Sondernutzungserlaubnis für die Fußgängerzone vorlag, war am Montag nicht zu klären.

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