24. Oktober 2018, 22:12 Uhr

»Jetzt nur nicht rumkaspern«

24. Oktober 2018, 22:12 Uhr
Grünen-Chef Habeck erkundigt sich bei Jonas Hey und Louisa Willner, wie die Geschäfte im ersten Gießener »Unverpackt«-Laden laufen. (Foto: mö)

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich schwört Stein und Bein, dass die Frau nicht von den Grünen in den »Unverpackt«-Laden bestellt worden ist. »Danke, dass Sie diesen Laden hier unterstützen. Ich war neulich im Seltersweg am Stand der Grünen. Eigentlich ist es mir egal, wer hinter dem Stand steht, mir geht es um die Inhalte«, spricht die Kundin den lässigen Typ mit dem Drei-Tage-Bart an, den sie sofort erkannt hat. Grünen-Star Robert Habeck ist am Mittwoch auf Wahlkampf-Tour in Gießen unterwegs.

Das Gießkannenmuseum, der Wochenmarkt und der neue »Unverpackt«-Laden am Johannette-Lein-Platz sind Stationen bei seinem Abstecher in die Unistadt. Da kann nichts schiefgehen. Es fallen Sätze wie gemalt, die auch auf einem Wahlplakat der Grünen stehen könnten. »Ich will, dass meine Kinder später einmal noch richtige Berge sehen, nicht nur Müllberge«, nennt »Unverpackt«-Gründerin Louisa Willner ein Motiv für ihre Existenzgründung. Dann reicht sie dem Nordmann ein altes Glas, in das sich Habeck eine Nussmischung zapft.

Der Optimismus und der Enthusiasmus, den die beiden jungen »Unverpackt«-Gründer ausstrahlen, passt wie die Faust aufs Auge zu grünen Parolen wie »Zukunft wird aus Mut gemacht«. Habeck fragt nach, wie schwer den beiden Mittzwanzigern Dinge wie Buchführung und Steuererklärungen fallen. »Wenn man dahinterher ist, dann schafft man das auch«, antwortet Jonas Hey. Habeck dreht sich zu Umweltministerin Priska Hinz um und meint: »Nach der Landtagswahl erklärt ihr Hessen für plastikfrei.« Hessen sei längst auf dem Weg zum Mehrwegland, erteilt Hinz ihrem Vorsitzenden sogleich eine Lektion, was die Grünen der CDU in den letzten fünf Jahren an kleinen, aber feinen Ökoprojekten alles aus den Rippen geleiert haben.

Habeck hält sich also selbst nicht immer an das selbst auferlegte Understatement – so kurz vor der Wahl. »Wir dürfen jetzt nur nicht übermütig werden und rumkaspern«, sagt er in die Kameras des Teams von RTL, das ihn durch Gießen begleitet und nach schönen Bildern sucht. Das Drehbuch sieht einen Rundgang auf dem Wochenmarkt vor. Den Parteifreunden, die Habeck begleiten, ist das gar nicht so recht. Nur nicht übertreiben mit den grünen Klischees. Den gewünschten Gemüsekauf macht Habeck dann auch nicht mit. Ministerin Hinz will ihn noch schnell zu ihrem bevorzugten Biostand schleppen, aber der Händler ist an diesem Mittwoch nicht da. »Schade, ich wollte ihn ins Fernsehen bringen«, bedauert Hinz.

Dass die Grünen nach der Bayern-Wahl und angesichts der Umfragen für Hessen vor Kraft kaum laufen können, trifft auf Habeck nicht zu. In einem Affenzahn läuft der Mann aus dem Land der Horizonte durch die Fußgängerzone, seine Begleiter und der heftig schwitzende Kameramann können kaum Schritt halten. Auch Ampeln halten Robert Habeck nicht auf: Die am Fußgängerüberweg auf Höhe der Neuen Post springt sofort auf Grün. Was sonst.

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