10. Dezember 2018, 21:32 Uhr

Jedes Stück ein Klangbild

10. Dezember 2018, 21:32 Uhr
SAK
Neue Sounds: Neben Gitarre und Klarinette lässt Folio auch Drahtskulpturen erklingen.

Neue Musik gehört zur Nische, auch, weil das Genre als verkopft und wenig unterhaltsam gilt. Beim Blick ins Programmheft der Konzertreihe »Musik im Pausenraum« kann dieser Eindruck durchaus entstehen. Zum Konzert von Folio am Donnerstagabend heißt es: Ausgehend von Werken europäischer Komponisten wie Varèse, Cage oder Nono kombiniert das Trio neue Musik mit Improvisationstechniken amerikanischer Künstler wie John Coltrane, Cecil Taylor und Miles Davis. Das klingt, als bräuchte es ein Studium der Musikwissenschaften, um das Konzert zu verstehen. Das ist zum Glück nicht der Fall. Die Musiker ziehen die Zuhörer in den Bann, allein durch die meisterliche und teils ungewöhnliche Art ihres Spiels. Martin Speicher entlockt Klarinette und Saxofon mit seinen Atemtechniken differenzierte Geräusche. Andreas Düker zupft und gleitet über die E-Gitarre, nicht nur mit den Fingern, auch mit Geigenbogen und Klangschale. Schlagzeuger Ray Kaczynski spielt auf selbst gebauten »IT-struments« – Drahtskulpturen und anderen Materialien, die auf einer Holzkonsole befestigt sind. Sie erzeugen bei Berührung Töne, die elektronisch verfremdet werden können.

Große Bandbreite neuer Musik

Jedes der zehn Stücke ist ein Klangbild, das in der Zuhörerschaft Gefühle und Bilder auslöst. Die Arrangements sind inspiriert von Jazz, Klassik und experimenteller Musik. Die Stimmungen schwanken von mystisch und melancholisch zu aufwühlend und beklemmend. Eine große Bandbreite wird in knapp zwei Stunden aufgezeigt; der Abend fühlt sich dennoch kurzweilig an. Folio zeigt, dass Neue Musik sehr wohl unterhalten kann. (Foto: sak)



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