04. März 2018, 18:37 Uhr

Investition in mehr Sicherheit

Die Versorgung der rund 100 000 Stadtwerke-Kunden mit Strom, Gas, Fernwärme und Wasser ist ab sofort sicherer als je zuvor. Denn die Stadtwerke haben eine neue Netzleitstelle eröffnet. Dort wachen 14 Mitarbeiter rund um die Uhr darüber, dass alle Leitungen und Anlagen zuverlässig arbeiten.
04. März 2018, 18:37 Uhr
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Von Jens Riedel
An rund 20 Monitoren haben die Kontrolleure alle Leitungen und Anlagen fest im Blick. Jens Schmidt (l.), Kai Timmermann (2.v.r.) und Jörg Scheibelberger (r.) erklären Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und Stadträtin Astrid Eibelshäuser die Leitstelle. (Foto: Schepp)

Weit über eine Million Euro haben die Stadtwerke Gießen in die neue »Verbundnetzleitstelle« im Leihgesterner Weg investiert. Nach drei Monaten erfolgreichem Testbetrieb ist die Anlage, in der im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet wird, am vergangenen Freitag offiziell in Dienst gegangen. »Wir können unsere rund 100 000 Kunden nun noch zuverlässiger beliefern«, freute sich Jens Schmidt, kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke.

Hinter der mit modernster Technik ausgestatteten Leitwarte steckt eine völlig neue Organisation. Bislang hatten die Stadtwerke im Leihgesterner Weg eine Leitstelle für das Fernwärmenetz und in der Lahnstraße eine zweite Leitstelle für die Strom-, Erdgas- und Wassernetze unterhalten. Nun wurden beide Leitstellen zusammengelegt.

»90 Prozent der Energiewende erfolgt über die Verteilnetze, denn es ist wichtig, dass die richtige Menge Energie zum richtigen Zeitpunkt bei den Menschen ankommt«, sagte Schmidt. Dies richtig zu steuern, sei nun leichter möglich. Weil immer mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen ins deutsche Stromnetz gelangt, müssen die Spezialisten in den Leitwarten immer schneller reagieren, um die damit verbundenen Schwankungen auszugleichen. Zudem verschärfen die zunehmenden Wetterextreme die Situation in einer Netzleitstelle. »Das Risiko für eine echte Krise – etwa wegen eines Sturms, der eine Hochspannungsleitung zerstört – hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht«, sagte Stadträtin Astrid Eibelshäuser, die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke ist.

Beide Risiken werden mit der neuen Netzleitstelle minimiert. »Die Leitstelle sorgt dafür, dass in Gießen stets genug Energie vorhanden ist«, sagte Eibelshäuser. Und die Stadtwerke entschärfen dabei gleich noch ein weiteres Problem. Wenn es zu einem Stromausfall kommt, ist das Fernwärmenetz zwangsläufig mit betroffen. Denn ohne Strom funktionieren weder Brenner noch Pumpen. »Die Kollegen sitzen jetzt im gleichen Raum – im Grunde direkt nebeneinander. Das erleichtert die Abstimmung und die gemeinsame Arbeit an ein und demselben komplexen Problem spürbar«, freut sich der Leiter der Netzleitstelle, Kai Timmermann.

Zwar könne die neue Leitstelle künftig Störungen nicht ausschließen, doch die Störungen werden nun schneller erkannt und die Dauer einer Störung werde kürzer sein, versprach Timmermann.

Die Technik und das Know-how ihrer Experten in der Verbundnetzleitstelle wollen die Stadtwerke perspektivisch übrigens auch anderen Netzbetreibern zur Verfügung stellen. »Wir planen, die Netzüberwachung künftig als Dienstleistung anzubieten«, erklärt Jens Schmidt. Nachfrage dafür sei vorhanden. Vor allem kleinere Kommunen, die ihre Netze selbst betreiben, dürften sich für eine solche Option interessieren. Gut möglich, dass von der neuen Netzleitstelle in Gießen künftig auch Netze in ganz anderen Regionen Deutschlands kontrolliert werden.



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