27. August 2019, 22:56 Uhr

Interdisziplinäre Wortakrobatik

27. August 2019, 22:56 Uhr
Lars Ruppel moderiert den Poetry Grand Slam mit Witz und Klasse. (Foto: mac)

Dass Lars Ruppel mit seinem einzigen Open-Air-Poetry-Slam der Region einen berechtigten Platz im Programm des Gießener Kultursommers hat, unterstrich der im Land bekannte Wortakrobat aus Gambach am Montagabend auf dem Schiffenberg erneut eindrucksvoll mit einem vergnüglichen und unterhaltsamen »Grand Slam«. Ruppel hatte bühnenerprobte Künstler aus unterschiedlichen Genres auf den Gießener Hausberg eingeladen, um in Slam-Manier gegeneinander anzutreten. Der eigentliche Wettstreit tritt bei solchen Veranstaltungen allerdings erfahrungsgemäß charmant in den Hintergrund und macht Platz für profundes Können. Dass Ruppel die Protagonisten auf der großen Bühne interdisziplinär ausgewählt hatte, machte dem über Sieg und Niederlage abstimmenden Publikum zwar den Vergleich schwer, sorgte aber für einen ganz besonderen Reiz.

Nachdem sich Ruppel in seiner Anmoderation über »beschissene Nächte in Heuchelheim« und den »Kotleger« aus der Nachbargemeinde ausgelassen hatte, nahm Beatboxer Daniel Mandolini aus Berlin-Schöneberg die Zuhörer zunächst nur mit Geräuschen aus seinem Mund an ferne Nordseestrände und später sogar auf WG-Partys mit, indem er scheinbar mühelos eine Reihe von Alltagsgeräuschen imitierte. Im Duell mit dem gebürtigen Kasachen Nikita Miller und seiner Comedy-Erzählung aus seinem ersten Soloprogramm »Auf dem Weg ein Mann zu werden«, in dem er auch sein Verhältnis zu seinem Vater thematisiert, hatte Mandolini knapp die Nase vorn.

In den beiden folgenden Battles hatten es die Musik-Acts der Lokalmatadore Must, der seine Hymne »Gießen 353« rappte, sowie von Singer/Songwriter Emily’s Giant, schwer. Die wortgewaltige Konkurrenz aus Mathematikerin Dr. Anastasia August mit ihrem wissenschaftlich-witzigen Vortrag über Wärmespeicherung am Beispiel des Eisbären, und Slampoet Nektarios Vlachopoulos mit seiner ausgefeilten »Vokaltragödie« setzte sich am Ende durch und zog ins Finale ein, das der studierte Germanist Vlachopoulos für sich entschied. Als Dank darf er nun ein Jahr kostenfrei in der Innenstadt parken. Er erhielt zudem als Präsent eine Mülltüte, in die die Besucher zuvor allerhand Verzichtbares gesteckt hatten. Und wer weiß? Vielleicht darf er wiederkommen, wenn Ruppel im nächsten Jahr bereits zum fünften Mal zu einem Poetry Slam im Kultursommer ruft.

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