22. Januar 2018, 20:26 Uhr

Integration bleibt Langzeitaufgabe

22. Januar 2018, 20:26 Uhr

Gießen (jow). Die Katholische Hochschulgemeinde Gießen hat ein Buch über Erfahrungen, Probleme und Empfehlungen im Umgang mit Flüchtlingen vorgelegt. Die beiden Herausgeber von »Herausforderung Integration« (siehe Cover) – Hans Georg Burger und Siegfried Karl – appellieren an die Gesellschaft, Integration neu zu denken. Migration sei eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, Integration von Migranten eine zentrale Langzeitaufgabe.

Wie kann Eingliederung von Geflüchteten und Migranten gelingen? Wie steht die Bevölkerung zur Flüchtlingsfrage? Was sind die Ursachen von Ängsten und Unsicherheiten? Wie sehen wirksame Instrumente staatlicher Integrationspolitik aus? Welches sind die Erfahrungen, Probleme und Empfehlungen im Umgang mit Flüchtlingen aus Sicht von Mitarbeitern betroffener sozialer Einrichtungen und wie die Erfahrungen der Flüchtlingsseelsorge, von Politik, Wissenschaft und Hochschulen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Buches, das im Gießener Psychosozial-Verlag erschienen ist. Hochschulpfarrer Dr. Siegfried Karl und Hans-Georg Burger wollen grundsätzliche Orientierungspunkte zur Flüchtlingsfrage sowie für den Umgang mit Geflüchteten und für das Gelingen von Integration geben. Zugleich verstehen sie das Buch auch als Appell, über Integration neu zu denken – im Sinne einer Ethik der Achtung des anderen Menschen. Zudem sollen die Aussagen und Botschaften in den innerkirchlichen Bereich hinein den Dialog fördern und helfen, Ängste und Befürchtungen zu überwinden.

Kolloquium der KHG Gießen

Das Buch enthält die Vorträge und inhaltlichen Schwerpunkte der Diskussionen vom Kolloquium der KHG Gießen vom November 2016. Der Band wurde um aktuelle Beiträge und Interviews erweitert. Zu den Autoren gehören Dr. Bernhard Vogel, der Historiker Heinrich August Winkler, Staatssekretär Jo Dreiseitel, der Gießener Politologe Claus Leggewie, der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner und die beiden Gießener Hochschulpräsidenten Joybrato Mukherjee (JLU) und Matthias Willems (THM).

Einwanderung ist für Deutschland nichts Neues, wie Dr. Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie in Allensbach festhält. Er weist darauf hin, dass die Integrationsprobleme mancher Einwanderergruppen das Resultat tiefgreifender kultureller Prägungen sind. Diese machen sich auch in der Einstellung der Deutschen gegenüber dem Islam bemerkbar, sodass ein Gefühl der Fremdheit und des Misstrauens nach wie vor überwiegt. Eindrucksvoll sind der Bericht des Jesuiten-Paters Frido Pflüger und das Interview mit Pfarrer Hermann Wilhelmy über deren Erfahrungen in der Flüchtlingsseelsorge. Lesenswert ist auch der Beitrag von Yasar Sarikaya (Islamische Theologie und ihre Didaktik, JLU). Darin zeigt er auf, wie wichtig der islamische Religionsunterricht für die gesellschaftliche Integration ist. Die Berichte mit den Erfahrungen aus der Praxis zeigen, was Flüchtlinge bewegt und bedrückt und wo Probleme liegen. Das ist im Interview mit Cornelia Tigges und ihren Erfahrungen aus der Arbeit als Migrationsberaterin der Caritas zu spüren. Aus ihren Schilderungen und an ihrem Verhalten sieht sie, wie sehr Religion für diese Menschen einen Wert hat, der sie Kraft und Hoffnung schöpfen lässt.

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