03. Juni 2019, 22:18 Uhr

Inspirierte Auseinandersetzung mit alten Vorbildern

03. Juni 2019, 22:18 Uhr
Aleksandra und Alexander Grychtolik freuen sich über den regen Applaus. (Foto: jou)

Anders als vor vier Jahren im Rathaus, war das neuerliche Gastspiel der Cembalisten Aleksandra und Alexander Grychtolik im Rahmen der Basilika-Konzerte sehr gut besucht. Das Bilderbuchwetter und das erlesene Programm erwiesen sich am Sonntagvormittag auf dem Schiffenberg als Publikumsmagneten. Aleksandra und Alexander Grychtolik schlugen auf Nachbauten eines historischen Instruments gekonnt den Bogen zwischen barocken, galanten und klassischen Kompositionen wie Improvisationen. Zwar spielten sie rhythmisch nicht immer so exakt aufeinander abgestimmt wie das Zupfinstrumentenduo zum Auftakt der Reihe, hinterließen gleichwohl einen überzeugenden Gesamteindruck. Aus akustischen Gründen fand das Konzert diesmal im Querschiff der romanischen Kirche statt.

Endlosigkeit suggerierte eingangs die Improvisation einer Chaconne nach Antonio Bertali mit der ständig wiederholten, kreisförmigen Akkordfolge. Darüber entfalteten sich virtuose Figurationen, Läufe und Verzierungen. Die zur Schulung des Stegreifspiels gedachten Sonaten d- und e-Moll für zwei bezifferte Bässe von Bernardo Pasquini boten in ihrer Beschaulichkeit den Musikern erneut künstlerischen Freiraum, den Hörern Gelegenheit zur Meditation. Ansprechend gegenübergestellt wirkten ruhige und lebhafte Sätze. Besonders effektvoll, zudem spannungsgeladen geriet der klanglich delikate Allegro-Kopfsatz der e-Moll-Sonate.

Durch Feinnervigkeit und melodischen Liebreiz bezauberte das eröffnende Allegretto der A-Dur-Sonate von Johann Christian Bach. Sehr schön förderten die Cembalisten den Bewegungsreichtum zu Tage, nur ihre Genauigkeit im Timing schien zuweilen noch steigerbar. Tänzerischen Charme versprühte das folgende Menuett.

Mit ihrem galanten Charakter führte die Sonate hin zu Wolfgang Amadeus Mozart. Stilsicher widmete sich das Duo dessen Sonate D-Dur KV 381, fühlte sich inspiriert ein in die vielfältigen Stimmungen zwischen tiefer Leidenschaft und ungebändigter Vitalität. Typisch für Mozart: Das thematisch Schlichte erhielt beim Andante recht edle Züge. Im Ganzen mutete die Interpretation überaus differenziert an.

Einen Höhepunkt des Konzerts markierte mit großer Gedankenfülle Johann Sebastian Bachs bereits formal den Aspekt der Eingebung betonende Fantasie a-Moll BWV 922, makellos vorgetragen von Aleksandra Grychtolik. Sensibel knüpfte ihr Partner bei den »Improvisationen in der Art Johann Sebastian Bachs« daran an: Einem raffinierten, an die »Englischen Suiten« erinnernden Präludium ließ er nicht minder hörenswerte Tanzsätze folgen. Stilistisch zwischen Bach-Vater und -Söhnen bewegte sich zum Schluss das »Concerto-Pasticcio« in drei Sätzen. Ganz dem damaligen Geist verpflichtet, paarte die Improvisation Klarheit mit Facettenreichtum. Weitgehend offen blieb beim letzten Programmblock freilich - dies kann der Hörer nur erahnen -, wie hoch denn genau der improvisatorische Anteil war. Meist schien das Spiel einer grob vordefinierten Konzeption zu folgen, während gestalterische Details aus dem Augenblick geboren waren. Unabhängig davon beeindruckte das Ergebnis, wie sich auch im kräftigen Beifall widerspiegelte.

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